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11.04.2014 | Automobilelektronik + Software | Im Fokus | Onlineartikel

Wie man das Laden von Elektroautos neu erfindet

Autor:
Christiane Brünglinghaus
3:30 Min. Lesedauer

Elektromobilität könnte so einfach sein, wenn es nur genug Ladestationen gäbe. Doch die Realität sind anders aus. Jetzt wollen mehrere Projekte dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos neuen Schwung verleihen.

Die Fluggesellschaften haben es vorgemacht: In einer Vielflieger-Lounge lässt sich die Zeit bis zum Abflug angenehm mit einem Kaffee verbringen. Mit der ChargeLounge möchte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Elektrofahrzeugnutzern nun einen ähnlichen Komfort bieten. Während des Schnellladevorgangs, der typischerweise 30 Minuten dauert, können die Kunden in der angeschlossenen Lounge einen kostenfreien Kaffee genießen, im Netz surfen oder einfach entspannen.

Raststätte inklusive

Mit diesem Konzept für Schnell-Ladestationen will das Fraunhofer IAO das Laden von Elektrofahrzeugen neu erfinden: Neben hoher Ladeleistung gibt es quasi eine integrierte Raststätte dazu. Ziel sei, bis zum Jahr 2020 eine Abdeckung der Länder Deutschland, Österreich und Schweiz mit knapp 1000 ChargeLounges zu erreichen. Das Projekt wird gerade auf der Hannover Messe gezeigt.

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Und der zügige Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Ladestationen ist wichtig. Denn die mangelnde Infrastruktur ist eine der zentralen Ursachen für die nur schleppend vorankommende Elektromobilität . Denn viele Ladestationen gibt es bislang nicht. Nach Angaben der Ladestationsplattform Lemnet sind es derzeit in Deutschland rund 2925 Stationen, die Serviceplattform ChargeMap zählt 2106 Ladestationen.

Von flächendeckend kann also keine Rede sein. Daher will auch das Forschungsprojekt "Slam -Schnellladenetz für Achsen und Metropolen" den Aufbau einer Schnellladeinfrastruktur innerhalb Deutschlands voranbringen. Bis zum Jahr 2017 sollen im Rahmen dieses Programms bis zu 400 AC- und DC-Schnellladesäulen aufgestellt werden. Am Projekt sind unter anderem die Automobilhersteller BMW, Daimler, Porsche, VW und das Energieversorgungsunternehmen EnBW beteiligt. Auch dieses Projekt wird gerade auf der Hannover Messe vorgestellt.

Strom an der Straßenlaterne laden

Wie lässt sich Elektromobilität für einen breiten Nutzerkreis verfügbar machen, lautet also die zentrale Frage. Das gelingt vor allem mit möglichst einfach zugänglichen und preiswerten Ladepunkten, die günstig zu installieren sind und minimale laufende Kosten haben. Ein Idee, wie das umgesetzt werden könnte, hat das Start-up-Unternehmen Ubitricity.

"Im öffentlichen Raum kann dafür zum Beispiel bereits bestehende Infrastruktur wie Straßenlaternen genutzt werden", erklärt Dr. Rupert Stützle von Ubitricity im Interview mit der ATZelektronik. Mit dem intelligenten Ladekabel laden Autofahrer damit in Zukunft Strom an jeder Straßenlaterne. Gemessen und abgerechnet wird nicht über einen Zähler an der Laterne, sondern über das vom Kunden mitgeführte Ladekabel - der Zählpunkt wird mobil und unabhängig von der Infrastruktur. Durch die Integration in die Straßenbeleuchtung können Ladepunkte im öffentlichen Raum für 300 Euro statt 10.000 Euro geschaffen werden, rechnet das Unternehmen vor. Seit 2012 läuft das System in ersten nationalen und internationalen Feldtests. Als nächsten Schritt soll nun der kommerzielle Start 2014 vorbereitet werden.

Stecker-Standard für Ladeinfrastruktur

Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung des Ausbaus der Ladeinfrastruktur kam kürzlich aus Brüssel. Es geht es um eine einheitliche Ladeinfrastruktur in Europa. Die Europäische Union hat sich nämlich auf einen Stecker-Standard für Ladeinfrastruktur geeinigt. Der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments stimmte einem Richtlinienentwurf zu, mit dem europaweit ein einheitlicher Stecker für die Ladeinfrastruktur für Elektroautos festgelegt wird. Demnach müssen E-Auto-Ladestationen in Europa künftig für einen einheitlichen Stecker ("Typ 2") geeignet sein.

Allerdings hatte die EU-Kommission in ihrem ursprünglichen Entwurf auch Ziele für den Ausbau der Ladeinfrastruktur in den einzelnen Ländern vorgeschlagen. Diese konkreten Vorgaben wurden jedoch von den EU-Mitgliedsstaaten nicht mitgetragen. Konkrete Verpflichtungen der Mitgliedstaaten wären aber zielführend gewesen, wie Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), erläutert. "Nachdem jetzt die E-Autos zu kaufen sind - allein die deutschen Hersteller bringen bis Ende dieses Jahres 16 E-Autos auf die Straße -, brauchen die Fahrer von Elektroautos zahlreiche, leicht zugängliche und benutzbare Ladesäulen."

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