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24.05.2017 | Automobilelektronik + Software | Im Fokus | Online-Artikel

Von der Hardware zur Software

verfasst von: Christiane Köllner

4:30 Min. Lesedauer
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Es tut sich ein neues Zeitalter in der Autobranche auf. Alte Schemata aus dem Industriezeitalter sind obsolet. Der Grund: Die Branche bewegt sich von der Mechanik über die Elektrik/Elektronik hin zur IT im Auto.

Die schnelle Digitalisierung verändert den komponenten-basierten Automobilsektor hin zu einer auf Software und Lösungen konzentrierten Industrie. Dafür sorgen vernetzte Autos, das Internet der Dinge (IoT), autonome Technologien und der Einfluss von Smartphones auf das Fahrerlebnis im Auto. In Zukunft werden sämtliche Abschnitte der Wertschöpfungskette in der Mobilität digitalisiert sein. Die weltweite Anzahl von Einheiten vernetzter Fahrzeuge soll von circa 25 Millionen auf nahezu 70 Millionen in 2022 anwachsen, wie die aktuelle Studie Global Connected Car Market Outlook des Beratungsunternehmens Frost & Sullivan prognostiziert. 

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Die Ausgangssituation: Von der Mechanik über die Elektrik/Elektronik zur IT im Auto

Seit Ende des 19. Jahrhunderts schreibt das Automobil mit unzähligen Innovationen Industrie-Geschichte. Die oftmals als „Blechbieger“ gescholtenen Autohersteller haben in den letzten 30–40 Jahren einen rasanten Wandel vollzogen: So wurden moderne Ele

"Die digitale Transformation wird die gesamte automobile Wertschöpfungskette betreffen, vom Design, der Produktion, Distribution bis zum Einzelhandel, und das 130 Jahre alte Geschäftsmodell der Branche vollkommen über den Haufen werfen. Neue Modelle betreffen Daten, Konnektivität und Kundenzentrierung wie auch Cybersicherheit", präzisiert Frost & Sullivan Mobility Senior Consultant Sriram Venkatraman die Entwicklung. Daher wird sich wohl auch der Antrieb für digitale Initiativen von CEOs, CIOs und IT-Abteilungen weg bewegen. Bis 2020 sollen die Chief Digital Officers (CDOs) die strategischen und digitalen Initiativen der OEMs von Luxus- als auch Massenmodellen leiten. Die Ausgaben der Digitalisierung wachsen dabei auf rund 82 Milliarden US-Dollar bis 2020 an.

Innovationen aus der Consumer-Elektronik sicher einführen

Der Wandel in der Automobilindustrie von mechanischen zu elektronischen und Software-Innovationen führt dazu, dass Fahrzeughersteller die Architekturen von Fahrzeugen neu überdenken müssen. Nur so können sie die Vielzahl von komplexen Funktionen unterbringen, die die Kunden heute fordern. Im Artikel Die Evolution von Embedded-Architekturen für die nächste Generation von Fahrzeugen aus der ATZelektronik 2-2017 beschreibt Mentor Graphics Embedded-Software-Architekturen, mit denen Innovationen sicher eingeführt werden können, um die Erwartungen zu erfüllen, die die Kunden aus der Consumer-Elektronik haben.

Die notwendigen Innovationen sind größtenteils nur mit neuen Partnern, Prozessen und Organisationen zu realisieren. Zum Beispiel mit Start-ups und deren Integration in konventionelle Entwicklungsabläufe, wie Wolfgang Bernhart von Roland Berger im Interview "Es bleibt wenig Zeit sich anzupassen" aus der ATZelektronik 2-2017 thematisiert. 

Wer sich langfristig und nachhaltig positionieren will, muss heute strategisch investieren, den Mut zu Fehlern haben und die richtigen Partnerschaften eingehen. Die Unternehmen und Verbünde müssen schnell wachsen und vor allen Dingen marktrelevant sein. Wer heute bereits die meisten Daten im Feld sammelt, ist uneinholbar", erklärt Bernhart. 

Wie Daten sinnvoll vernetzt werden und welche Unterschiede zwischen traditionellen OEMs und jungen IT-Unternehmen bestehen, zeigt der Datenintegrator Informatica im Artikel Vernetzte Zukunft der Automotive App Stores aus der ATZ 1-2017.

Branchenübergreifende Kooperationen

Daneben versuchen OEMs und Tier-1-Zulieferer, Partnerschaften mit Technologieanbietern und Spezialisten für Cloud Computing, Cybersicherheit, Telematik, Konnektivität und 3-D-Druckverfahren einzugehen, erklären die Analysten von Frost & Sullivan. Bosch, Harman, Continental, Magneti Marelli und Denso konzentrierten sich auf digitale Initiativen. OEMs wie Ford, GM, Tesla, Volkswagen und Toyota, die sich auf vernetzte Fahrzeuge, autonomes Fahren und Mobilität fokussieren, müssten sich darauf einstellen, in einen Wettbewerb mit Technologie- und Halbleiterherstellern sowie Mobilitätsunternehmen einzutreten.

"Ein bemerkenswertes Beispiel für eine Zusammenarbeit über verschiedene Branchen hinweg ist die Integration virtueller Assistenten, wie etwa Amazon Alexa, ins Fahrzeug. Über diesen Weg eröffnen sich nicht-automobilen Marktteilnehmern Investitionsmöglichkeiten in vernetzte Haushalte und Autos," sagt Frost & Sullivan Mobility Analyst Siddhanth Kumaramanickavel. "Unternehmen, wie Maluuba, Inago, Promptu, Sensory und Baidu arbeiten am Angebot von Spracherkennungsassistenten für natürliche Sprache, durch künstliche Intelligenz (KI) aktivierte Sprachassistenten sowie Stimmbiometrie für Automobilhersteller."

Sieben Thesen zur Zukunft des vernetzten Fahrzeugs 

Fest steht aber auch: Digitalisierung und Car IT können nicht vollständig ausgelagert werden, da diese Kompetenzen künftig marktentscheidend sein werden. Trotzdem ist eine branchenübergreifende Zusammenarbeit nötig, um die notwendigen Kompetenzen aufbauen zu können. 

"Auf der einen Seite muss eine Digitalisierung ihres Geschäftsmodells in Bereichen erfolgen, die bisher vollkommen irrelevant waren und auf der anderen Seite darf die eigentliche Kunst und Qualität des Autobauens nicht darunter leiden", beschreiben die Springer-Autoren Volker Johanning und Roman Mildner das Dilemma, vor der die Fahrzeughersteller stehen. In ihrem Kapitel Die Ausgangssituation: Von der Mechanik über die Elektrik/Elektronik zur IT im Auto aus dem Buch Car IT kompakt erklären sie,worauf zu achten ist, damit der zukünftige Markt rund um die Car IT das Geschäftsmodell der Automobilplayer erweitert und nicht zerstört wird. Sie kommen zu folgenden sieben Thesen:

  1. Car IT muss eine Kernkompetenz der Automobilhersteller sein, da diese sonst riskieren, vom Hersteller zum Zulieferer zu werden.
  2. Stark unterschiedliche Entwicklungs- und Produktlebenszyklen zwischen Software-/Mobilfunkindustrie sowie Automobilbranche erzeugen großen Handlungsdruck bei Automobilherstellern.
  3. Der Status-Charakter des Fahrzeugs verliert an Wert, während Konnektivität und zweckmäßige Mobilität in den Vordergrund rücken.
  4. After-Sales-Services und periphere Dienste werden in Zukunft mehr Umsatz erbringen als der Verkauf des Fahrzeugs selbst.
  5. Wesentlicher Erfolgsfaktor für Automobilhersteller ist die richtige Auswahl von Partnern.
  6. Content-Anbieter müssen neue mediale Brücken ins Auto bauen.
  7. Das Connected Car öffnet den Zugang für bisher branchenfremde Unternehmen und bietet eine Plattform zur Mitgestaltung des Fahrzeugmarktes.
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