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09.04.2019 | Automobilelektronik + Software | Im Fokus | Onlineartikel

Teil 1

Digitale Transformation der Autoindustrie: Einführung

Autor:
Uwe Winkelhake

Die Digitalisierung verändert die Autobranche. Uwe Winkelhake erklärt im ersten Teil unserer Serie zum digitalen Wandel der Autoindustrie, wie OEMs und Zulieferer die Chancen der Digitalisierung richtig nutzen.​​​​​​​

Die Automobilindustrie wird sich massiv verändern. Der Wandel wird umfassender sein, als es die über hundertjährige Geschichte jemals erforderte. Getrieben durch Umweltauflagen wird der Verbrennungsmotor durch den Elektroantrieb ersetzt werden. Informationstechnologie ist im oberen Segment mit mehr als einhundert Controllern und einem Kabelgewirr von über zwanzig Kilometern ein erheblicher Auto-Bestandteil. 

Der Anteil und die Bedeutung wird aber zukünftig noch ansteigen und die Fahrzeuge so zu "fahrenden Rechenzentren beziehungsweise IP-Adressen" machen. Die sogenannte "embedded IT", Informationstechnologie in den Autos, wird noch komplexer. Diese übernimmt beispielsweise die Motorsteuerung, regelt das Klima im Innenraum, überwacht Verschleiß und Verbräuche, stellt die Sitze personenbezogen ein und wird bald die Basis für autonomes Fahren. Neben diesen automobilbezogenen internen Aufgaben integriert sich die Fahrzeug-IT mit dem Umfeld wie beispielsweise Parkhäuser, anderen Fahrzeugen und Tankstellen, Servicegebern und auch mit den Basissystemen der Fahrzeughersteller. 

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Technologien für Digitalisierungslösungen

In diesem Kapitel werden Technologien und innovative Lösungsansätze vorgestellt, die heute oder in absehbarer Zeit für Digitalisierungsprojekte in der Automobilindustrie zur Verfügung stehen. Diese betreffen die Informations-Technologie wie z. B. Cloud-Angebote, mobile Anwendungen, Big Data und Cognitive Computing, aber auch die Produktionstechnik mit Robotik, Drohnen, Nanotechnologie und 3D-Druck, kleine elektronische am Körper tragbare Geräte bis hin zu spielerischen Formen der Projektarbeit, der sogenannten Gamification.

Stark veränderte Geschäftsprozesse

Auch innerhalb der Unternehmen wird sich vieles ändern, beispielsweise werden stark veränderte Geschäftsprozesse auf Basis intelligenter Lösungen automatisch ablaufen. So ist das Thema "digitale Transformation" ein Schlüsselthema in allen Unternehmen – oft getrieben durch die Angst, einen möglichen Angriff auf das etablierte Geschäft durch "junge Wilde aus dem Valley" auf Basis der Plattformökonomie zu verschlafen. Es gilt, das Potenzial neuer digitalisierter Geschäftsmodelle möglichst frühzeitig zu erkennen und diese dann unter Transformation des eigenen Unternehmens selbst aufzubauen. 

Schnelligkeit und Kreativität sind gefragt, da neue Wettbewerber in den Markt drängen, die frei von "Altlasten" vom Start weg mit neuen Strukturen "born on the web" komplett digitalisiert durchstarten. Oft fokussieren sich die aggressiven Markteinsteiger auf ganz neue Geschäftsfelder, wie autonom fahrende Elektrofahrzeuge für Mobilitätsservices oder den online Vertrieb von Fahrzeugen und Aftersalesservices auf Basis von Plattformen. Autonom fahrende, elektrisch angetriebene "Robotaxis" bieten viele Vorteile und werden deshalb sicher von vielen Kunden angenommen werden und es so den Herstellern zusätzlich schwer machen, sich differenzierend und dominierend weiterhin in diesem Markt zu halten. Das traditionelle Geschäft der Automobilindustrie wird zukünftig abnehmen und sich im Gegenzug ein deutliches Wachstum in den Bereichen Mobilitätsdienstleistung, Connected Services, Digitale Produkte und Drittgeschäft in Zusammenarbeit mit neuen Partnern abzeichnet, siehe zum Beispiel auch [Röm16], [Gao16], [Bra14]. 

Technologien zur digitalen Transformation

Für die Hersteller ist es somit unerlässlich, eine Neuausrichtung der Unternehmensstrategie zu definieren und die Umsetzung einhergehend mit der digitalen Transformation zügig anzugehen. Doch es bestehen große Unsicherheiten, wie man vorgehen soll, was zu tun ist und wie tief und umfassend Veränderungen umzusetzen sind. Es ist sicher grundverkehrt, bestehende Prozesse "as is" mit IT zu garnieren und damit das Thema Digitalisierung abhaken zu wollen. Ein schlechter Prozess wird durch die Digitalisierung nicht besser. Deshalb ist es zwingend, mit jeder Digitalisierungsüberlegung bestehende und bisher durchaus bewährte Geschäftsmodelle, Prozessabläufe und die Aufbauorganisation komplett auf den Prüfstand zu stellen. Basierend auf einer überzeugenden Vision und einer daraus abgeleiteten Geschäftsstrategie ist dann das Thema der digitalen Transformation auf Basis eines umfassenden Planes und mit Nachhaltigkeit anzugehen – nicht als einmaliges Projekt.

Die zwingend erforderliche Umsetzungsgeschwindigkeit sollte einhergehen mit der immer schneller wachsenden Leistungsfähigkeit der IT. Als Synonym für die andauernde massive Leistungssteigerung in der IT steht seit Jahren das sogenannte Mooresche Gesetz, das bereits vor über 50 Jahren eine Verdoppelung der Leistungsfähigkeit integrierter Schaltkreise innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten beschrieb [Moo65]. Unter Nutzung der IT-Entwicklung haben sich unterschiedlichste Lösungen etabliert, die in den Unternehmen zum Einsatz kommen können. Eine gute Übersicht vermittelt der sogenannte Technology Hype Cycle für innovative Technologien, veröffentlicht von Gartner, einem führende Technologie-Analysten, Bild 1 [Pan18].

Die Graphik ordnet die Technologien ihren Lebensphasen zu, ausgehend von dem Erkennen der Technologie, durch die Phase übermäßiger Erwartungen und das Tal der Ernüchterung, gefolgt von ersten Pilotprojekten bis hin zum Durchbruch. Weiter-hin ist für jede Technologie der Zeitraum angegeben, in dem ihre Praxisreife erreicht ist. Nicht alle gezeigten Technologien sind für die Automobilindustrie gleichermaßen relevant. Für das Aufsetzen einer strategischen Digitalisierungs-Roadmap ergeben sich unter Berücksichtigung eigener Projekt- und Branchenerfahrungen des Autors für die Automobilindustrie folgende Fokusthemen:

Fahrzeugbezogene Innovationen wie neue Werkstoffe, Batterietechnologie und auch Embedded Software beispielsweise zum autonomen Fahren bleiben bei der Betrachtung außen vor, da diese das hier erläuterte Digitalisierungsthema im “Fahrzeug-Umfeld” nicht direkt betreffen.

Literaturhinweise: 

Lesen Sie weiter!

  • Der zweite Teil unserer Serie zur digitalen Transformation der Autoindustrie befasst sich detailliert mit den Digitalisierungsstrategien der Unternehmen der Automobilindustrie.
  • Der dritte Teil unserer Serie zur digitalen Transformation der Autoindustrie beschreibt, was Connected Services sind und wie Fahrzeugdaten vermarktet werden können.
  • Der vierte Teil unserer Serie zur digitalen Transformation der Autoindustrie handelt von Mobilitätsservices und wie sich OEMs in diesem Bereich positionieren können.
  • Der fünfte Teil unserer Serie zur digitalen Transformation der Autoindustrie beschäftigt sich mit Industrie 4.0 und Multichannel-Vertrieb.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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