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03.11.2015 | Automobilproduktion | Im Fokus | Online-Artikel

Selbststeuernd die Komplexität verringern

verfasst von: Stefan Schlott

3 Min. Lesedauer
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Im Kampf gegen zunehmende Komplexität und Varianz soll die Branche schon bald vom Zusammenwachsen der Informations- mit der Automatisierungstechnik profitieren. Die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 zusammengefassten Entwicklungen könnten dem Automobilbau einen neuen Effizienzschub verpassen.

Die weitgehenden Individualisierungsmöglichkeiten von Serienfahrzeugen und die Nischenpolitik der OEMs verursachen zunehmend Probleme beim Komplexitäts- und Variantenmanagement. Immer noch mehr Ausstattungsvarianten, Sonderserien und Bestelloptionen ließen die Variantenzahl, unter der alle Beteiligten der automobilen Wertschöpfungskette ächzen, in den vergangenen Jahren explosionsartig wachsen.

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Mit den Methoden von Industrie 4.0 sollen derlei Probleme aufgelöst werden. Die bislang starren Produktionsstrukturen, so die Idee, werden in modulare, effiziente Systeme umgewandelt, die in der Lage sind, sich selbstständig zu organisieren, wie auch im Kapitel "Industrie 4.0 - ein Überblick" aus dem Buch Geschäftsmodelle in Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge. Damit würde die Idee einer sich selbst steuernden Fertigung ohne zentralen datentechnischen Überbau einen neuen Schub erhalten.

Veränderte Arbeitswelten

Aber auch die Arbeitswelt wird sich ändern. "Im Ergebnis zeigt sich, dass Industrie 4.0 den Strukturwandel hin zu mehr Dienstleistungen beschleunigen wird", heißt es beispielsweise beim Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, einer Einrichtung der Bundesanstalt für Arbeit im Positionspapier "Industrie 4.0 und die Folgen für Arbeitsmarkt und Wirtschaft". Dabei seien Arbeitskräftebewegungen zwischen Branchen und Berufen weitaus größer als die Veränderung der Anzahl der Erwerbstätigen insgesamt. Mit den Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt gehe eine zunehmende Wertschöpfung einher, die nicht nur zu mehr volkswirtschaftlichen Gewinnen, sondern - aufgrund höherer Anforderungen an die Arbeitskräfte - auch zu höheren Lohnsummen führt.

Das Potenzial der digitalen Revolution ist groß. "Wenn sich Mensch, Maschine und industrielle Prozesse intelligent vernetzen, können schneller individuelle Produkte in hoher Qualität entstehen. Produktions- und Herstellungskosten lassen sich wettbewerbsfähig gestalten", heißt es beispielsweise in einem Pressetext von Daimler zur Digitalisierung bei Mercedes-Benz. Die nächsten Schritte auf dem Weg zur Fertigung der Zukunft seien auf Produktmodule abgestimmte weltweit einsetzbare Anlagenmodule und einheitliche Gewerkestrategien. Zusammengeführt werde die konkrete Vision der Smart Factory schließlich noch in diesem Jahrzehnt in einer Referenzfabrik.

Mehr Flexibilität in der Produktionskette

Auch aus Sicht bei BMW bietet die Digitalisierung neue Perspektiven für die Weiterentwicklung innovativer und mitarbeiterorientierter Produktionssysteme. Die in den Produktionssystemen gewonnenen Potenziale ermöglichen es wiederum, Kundenwünsche noch individueller zu erfüllen und die Flexibilität in der Produktionskette zu erhöhen. "Für uns sind stabile Prozesse und eine hohe Qualität in der Produktion entscheidend. Dazu trägt auch der Einsatz digitaler Techniken bei", betont Oliver Zipse, Vorstand Produktion bei BMW.

Nicht nur die Automobilhersteller, auch ihre Zulieferer wollen von Industrie 4.0 profitieren. Bosch zum Beispiel erwartet von der Vernetzung große Potenziale. "Innerhalb der Logistik, aber auch innerhalb der Unternehmen gibt es noch viel Ineffizienz. Das Internet der Dinge bietet hier enorme Chancen", sagte Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch, auf dem 32. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin.

Hoffnung auf sinkende Kosten

Damit liegen Daimler, BMW und Bosch voll im Trend: 47 Prozent der Industrieunternehmen, die Industrie-4.0-Anwendungen nutzen oder dies planen, erwarten sich davon sinkende Kosten. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervor. "Dank IT können in der Fabrik der Zukunft Arbeitsprozesse intelligenter organisiert, Kapazitäten besser ausgelastet und Wartungsfenster vorausschauender geplant werden", sagt Wolfgang Dorst, Bereichsleiter Industrie 4.0 beim Bitkom. "Durch die insgesamt effizientere Organisation fallen in der vernetzten Fabrik auch weniger Kosten an. Das haben viele Unternehmen bereits erkannt."

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