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16.09.2022 | Automobilwirtschaft | Nachricht | Online-Artikel

Automobilzulieferer-Standort Deutschland verliert an Bedeutung

verfasst von: Christiane Köllner

2:30 Min. Lesedauer
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Berylls Strategy Advisors macht einen Bedeutungsverlust Deutschlands als Zuliefererstandort aus. So entstünden zwar neue Produktionsstätten in Europa, aber nur wenige in Deutschland. 

Deutschland verliert laut des Beratungsunternehmens Berylls Strategy Advisors als Zuliefererstandort an Bedeutung. "Die Analyse unserer Daten aus den Zulieferer-Studien der Jahre 2017 bis 2021 und unserer Beobachtungen der aktuellen Marktentwicklung zeigen eine langsame Deindustrialisierung Deutschlands, im Segment der Automotive-Zulieferer. Durch die Regionalisierung der Fertigung entstehen durchaus neue Produktionsstätten in Europa, aber nur wenige in Deutschland", so Dr. Alexander Timmer, Partner bei Berylls Strategy Advisors.

So habe Chip-Hersteller Intel zwar den Bau zweier neuer Werke in Deutschland angekündigt, auch Bosch wolle künftig in Dresden Chips produzieren, allerdings würden viele große Namen einen Bogen um Deutschland machen, so Berylls. Interieur-Komponenten-Hersteller Yanfeng beispielsweise, im Berylls-Top-100-Zulieferer-Ranking nach CATL und Weichai-Power, der drittgrößte chinesische Zulieferer weltweit, wähle Serbien für seinen neuen europäischen Standort.

Das Joint Venture zwischen LG Electronics und Magna plane dagegen Elektrik- und Elektronikkomponenten in einem neuen Werk in Mexiko produzieren, außerdem wolle Magna eine neue Produktionsstäten in der Slowakei eröffnen. Vitesco habe für die Produktion von E-Komponenten nicht etwa den Standort Regensburg gestärkt, sondern ein neues Werk in Ungarn eröffnet.

Umsätze und Profite gehen zurück

Der Bedeutungsverlust soll sich laut Berylls auch an den Zahlen der Zulieferer ablesen lassen. Obwohl die deutschen Unternehmen in den letzten fünf Jahren nur geringfügig an Umsatz verloren hätten, haben sie einen starken Gewinneinbruch erlitten und 4,9 % ihrer Gewinnspanne verloren. Segmente, in denen deutsche Zulieferer traditionell stark seien, hätten in den vergangenen Jahren klar an Gewicht eingebüßt. Umsätze und Profite gingen hier bereits zurück. Diese Entwicklung soll sich fortsetzen.

China profitiert von Umbrüchen in der automobilen Welt

Im Vergleich der Weltregionen hätten die deutschen Anbieter den stärksten Rückgang der Rentabilität zwischen 2017 und 2021 hinnehmen müssen, so Berylls. Im selben Zeitraum sei bei den anderen Weltregionen eine Stagnation zu beobachten, nicht so in China. Dessen Industrie habe die Verkäufe im betrachteten Zeitraum verdreifachen können.

Insbesondere die chinesischen Zulieferer, aber auch Unternehmen in Korea, sollen von den Umbrüchen in der automobilen Welt profitieren. Laut Berylls sei Chinas Zulieferer-Industrie "mit großen Schritten auf dem Weg zur internationalen Nummer 1", heißt es. 

Chinesische Zulieferer bei Software noch nicht auf Augenhöhe 

Berylls prognostiziert zudem weiterhin wachsendes Potenzial im Software-Bereich. Schon in wenigen Jahren werde Software für 80 % der Wertschöpfung in der Autoproduktion stehen. Hier liege vor allem für die großen deutschen Zulieferer eine Chance. Bosch, Continental und ZF hätten sich zum Thema klar positioniert, seien hier wettbewerbsfähig oder auf dem Weg dahin. Chinesische Unternehmen könnten in diesem Segment noch nicht zur Spitze aufschließen.

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