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22.01.2021 | Automobilwirtschaft | Infografik | Online-Artikel

Automobilzulieferer stehen unter Druck

verfasst von: Christiane Köllner

3 Min. Lesedauer

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Automobilzulieferer leiden in der Krise mehr als die Automobilhersteller – insbesondere kleinere Unternehmen und diejenigen, die nicht in der Elektromobilität tätig sind. 

Automobilzulieferer trifft die aktuelle Krise besonders hart. Vor allem mittelständische Unternehmen stehen dabei stark unter Druck, wie eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes zur deutschen Automobilbranche herausgefunden hat. Laut der Studie seien 18 Prozent der mittelständischen Zulieferer in Deutschland gefährdet.

"Das sind deutlich mehr als bei den Automobilherstellern (etwa 12 Prozent) oder als in anderen Branchen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass 82 Prozent der Unternehmen relativ gut aufgestellt ist. Das ist in der aktuellen Krise eine positive Nachricht", sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insgesamt sind die mehr als 1.000 Zuliefer-Unternehmen mit einem kumulierten Umsatz von 90 Milliarden Euro und 300.000 Beschäftigten für 75 Prozent der Wertschöpfung des Automobilsektors verantwortlich.

Tier-2- und Tier-3-Zulieferer besonders betroffen

Besonders betroffen sind laut Studie die Tier-2- und Tier-3-Zulieferer – und insbesondere diejenigen, die nicht in der Elektromobilität tätig sind – sowie die kleineren Unternehmen, vor allem in Süddeutschland. "Sie sind nach wie vor stark von herkömmlichen Antriebsarten abhängig und verfügen nicht über genügend finanzielle Mittel, um eine Neuausrichtung mit wettbewerbsfähigen Produkten in der neuen Welt der Elektrofahrzeuge zu bewältigen", sagt Maxime Lemerle, Automobilexperte und Leiter der Branchenrisikoanalyse bei der Euler-Hermes-Gruppe. Die Tier-1-Zulieferer seien im Durchschnitt finanziell stärker aufgestellt, um den Wandel vom Verbrennungs- zum Elektroantrieb zu meistern, so Lemerle. Der Kreditversicherer erwartet aber einen höheren Druck seitens der Autohersteller und die Notwendigkeit einer globalen Präsenz. 

Die Corona-Krise hat in der Automobilbranche deutliche Spuren hinterlassen. Die ersten neun Monate des Jahres sind laut Studie von einem massiven Einbruch bei Umsätzen und Margen gekennzeichnet, trotz einer Verbesserung im dritten Quartal: OEM-Hersteller büßten rund 18 Prozent der Umsätze ein, Zulieferer ein Minus von 20 Prozent. Das EBITDA brach bei den OEM um rund ein Drittel ein (-34 Prozent), bei Zulieferern um die Hälfte (-50 Prozent).  

Lichtblicke: Elektroauto-Boom, China erholt sich

Die Unternehmen reagieren und greifen zu Mitteln wie dem Abbau von Lagerbeständen oder die schnellere Einführung neuer Modelle. Der Verkauf schadstoffarmer Fahrzeuge führe jedoch bisher zu niedrigeren Margen im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. "All dies zwingt die Unternehmen zu Personalabbau und Stellenkürzungen, zur Anpassung ihrer Portfolios und Produktionskapazitäten, sowohl bei Produkte und Marken als auch bei Absatzmärkten", sagt Van het Hof. 

Für Aufschwung sorge die Elektromobilität. Elektrofahrzeugen erreichten im September 2020 einen Rekord-Marktanteil von 15,6 Prozent. Laut Studie dürfte der Elektroauto-Boom allerdings nicht ausreichen, um den Einbruch der restlichen Sparten zu kompensieren. Weiterer Lichtblick für Autobauer ist China. "Zum einen sind Mobilitätseinschränkungen dort früher aufgehoben worden und zum anderen gibt viele Erstkäufer, die im Zuge der Pandemie von öffentlichen Verkehrsmitteln oder gemeinsam genutzter Mobilität auf ein eigenes Auto umgestiegen sind", so Lemerle.

Zehn Großinsolvenzen in der Autoindustrie in den ersten 9 Monaten

Trotz der insgesamt deutlich rückläufigen Insolvenzzahlen häuften sich gerade in der Autoindustrie sowie im eng vernetzten Metallsektor in den ersten neun Monaten 2020 große Pleiten. "In den ersten neun Monaten des Jahres haben wir in der Automobilindustrie mit zehn großen Insolvenzen mehr als doppelt so viele Fälle gezählt wie im Vorjahreszeitraum mit vier Groß-Pleiten", sagt Van het Hof. "Auch im Metallsektor gab es mit neun großen Insolvenzen drei Mal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Das zeigt sehr deutlich, dass die Branche bereits vor der Covid-19-Pandemie teilweise vor großen Herausforderungen stand. In einigen Bereichen hat sich das nun drastisch verschärft – aber wie überall gibt es Gewinner und Verlierer."

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