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Das kommt auf die Autozulieferer 2026 zu

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Trotz angespannter Lage hat sich das Jahr 2025 für die Autozulieferer gut entwickelt. Doch 2026 stehen härtere Preisverhandlungen an. Gleichzeitig wenden sich viele Zulieferer neuen Industrien zu. 

OEMs müssen sich vielschichtigen Herausforderungen stellen. Das schlägt sich in härteren Preisverhandlungen negativ auf die Zuliefererbranche durch.


Die Automobilbranche kämpft mit multipler Disruption: Ausfuhrstopp für Seltene Erden, Versorgungsengpässe bei Chips, rückläufige Zulassungszahlen in wichtigen Weltmärkten sowie geopolitische Spannungen prägen die automobile Welt. Die Folge: Zehntausende Arbeitsplätze wurden bei Automobilzulieferern in diesem Jahr abgebaut oder zum Abbau ausgeschrieben. "Dennoch ist 2025 kein verlorenes Jahr für die Branche. Denn zwischen all den dunklen Schatten zeigen sich Glanzlichter", wie die Experten von Berylls by AlixPartners in ihrer Top-25-Zulieferer-Analyse schreiben. 

Operative Marge leicht gestiegen

Denn: Laut der Analyse ist die operative Marge bei den Zulieferern im Vergleich zum Vorjahr von 5,5 % auf 5,8 % gestiegen. Dr. Alexander Timmer, Partner bei Berylls by AlixPartners, ordnet die Situation wie folgt ein: "Die operative Marge der OEMs fällt von 6,3 auf 4,5 Prozent. Bei den Zulieferern steigt sie dagegen leicht. Dass die Marge der Zulieferer über der der OEMs liegt, haben wir seit der Vor-Corona Zeit nicht mehr gesehen."

Tatsächlich hätten die OEMs zwar ein Ergebnisproblem, so die Studie, sie seien aber was die Liquidität angehe, noch robust aufgestellt. Diese Situation stelle sich bei den Lieferanten ganz anders dar. "Auf der Ergebnisseite sind sie relativ gut positioniert und konnten diesbezüglich im Jahresverlauf stabil bleiben", heißt es. Die Zulieferer hätten aber erhebliche Schwierigkeiten mit ihrer Liquidität und ihr Verschuldungsgrad sei hoch. Beides seien "echte Probleme in Zeiten steigender Zinsen".

Härtere Preisverhandlungen 2026

Überlagert werde diese Entwicklung von sinkenden Umsätzen, so die Analyse. Bei den Top-25-Zulieferern seien sie auf 400 Milliarden Euro zurückgegangen, bei den zehn größten Autoherstellen seien sie auf 1265 Milliarden Euro geschrumpft. Der Rückgang liege bei rund 1,5 %, gemessen an den Zahlen von 2024, und auch im Vorjahr sei ein Umsatzrückgang verzeichnet worden.

Für die Zulieferer-Branche wird sich das nächste Jahr laut Analyse als "fordernd" darstellen, da die OEMs "im Einkauf besonders hart verhandeln" werden. Zulieferer-Experte und Associate Partner bei Berylls by AlixPartners Stefan Schneeberger dazu: "Die Herausforderungen bei den OEMs führen zu noch härteren Preisverhandlungen und einem stärkeren 'Pain-Share'-Anspruch. Während die Top 25 Zulieferer dies wohl teilweise abfedern können, wird die Situation bei mittelgroßen Zulieferern oder nicht börsennotierten deutschen Unternehmen die Anspannung weiter verschärfen und Handlungsbedarf erzwingen".

Zulieferer eher positiv gestimmt

Eine mögliche Verschlechterung ihrer Position würden die Lieferanten trotzdem eher nicht erwarten, wie eine Umfrage von Berylls by AlixPartners aus dem Sommer 2025 zeigt. Sie machte deutlich, dass Zulieferer grundsätzlich optimistisch in die Zukunft blicken. Zwar würden 60 % die aktuelle Situation als "durchwachsen" bewerten, es würden jedoch mehr als 50 % in den nächsten zwölf Monaten eine positive Entwicklung erwarten.

Allerdings: Ein Blick auf die Ergebnisse der Top-25-Zulieferer und Top-10-OEMs lasse jedoch vermuten, so Berylls, dass diese Zuversicht etwas zu stark ausgeprägt sei. Denn die Berylls-Experten gingen davon aus, dass 2026 für Zulieferer ähnlich kritisch werde, wie die Pandemie-Krise, mit steigender Insolvenzgefahr, besonders für kleine und mittelständische Unternehmen. Ähnlich sieht es der Kreditversicherer Atradius: Banken würden bei der Vergabe von Krediten an Automobilzulieferer zunehmend restriktiv. Daher sei es für viele Unternehmen schwieriger, Kreditverlängerungen oder Refinanzierungen zu erhalten. Insbesondere kleinere Tier-3- und Tier-4-Zulieferer gerieten zunehmend unter Druck, da ihnen die notwendigen finanziellen Puffer fehlen. 

Viele Autozulieferer wenden sich neuen Industrien zu

Was zum Optimismus aus Sicht der Zulieferer beitragen könnte, ist die Tatsache, dass viele ihre Zukunft nicht mehr ausschließlich in der Automobilindustrie sehen. Das hat eine Befragung von Vorständen und Geschäftsführern deutscher Automobilunternehmen durch das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch ergeben. Demnach würden sich 79 % der deutschen Automobilzulieferer, die vom Strukturwandel in ihrer Industrie betroffen seien, neuen Branchen zuwenden. So sollen 25 % Geschäft im Bereich Rüstung aufbauen, gefolgt von Energie, Luftfahrt, Medizintechnik und Bahn. Den Wettbewerb um chinesische Hersteller würden über die Hälfte gar nicht erst aufnehmen.

"Wir erleben einen tiefgreifenden Strukturbruch", sagt Ralf Winzer, Vorstand und Partner bei FTI-Andersch, der auf Restrukturierung, Business Transformation und Transaktionen spezialisierten Beratungseinheit von FTI Consulting. Aber es sei kein leichter Weg, das Geschäft außerhalb der eigenen Branche aufzubauen. "Neue Zulassungsverfahren, andere Produktzyklen und ungewohnte Kundenerwartungen stellen viele Unternehmen vor operative und kulturelle Hürden. Wer diesen Schritt dennoch wagt, tut das meist aus Notwendigkeit, nicht aus Komfort. Bemerkenswert ist, dass viele Automobilzulieferer es offenbar als aussichtsreicher ansehen, in einer neuen Branche Fuß zu fassen, als sich auf die immer relevanter werdenden OEMs aus China einzustellen", so Winzer.

Bedeutung der Regionalität steigt

Laut Berylls soll das kommende Jahr "zum Wendepunkt für die Industrie" werden, da sich eine Entwicklung zu immer stärker regulierten, regionalisierten, aber auch transparenten Lieferketten abzeichne. Vor allem die Lokalisierung sei ein wichtiger Teil eines Risikominimierungstrends. "Eine Folge ist das sogenannte Reshoring, das weltweit verteilte Entwicklungs- und Produktionskapazitäten wieder in einzelne Staaten oder Weltregionen wie die USA oder Europa zurückzuholen beginnt", heißt es. Gleichzeitig wolle man Rohstoffe stärker aus Afrika, Australien oder Südamerika beziehen.

Vor allem hinsichtlich der für die Elektromobilität nötigen Rohstoffe zeige sich, wie abhängig Europa derzeit von China sei und, dass eine Substitution der dort bezogenen Seltenen Erden, des Grafits oder Lithiums vor dem Jahr 2030 nicht realistisch sei. "Die jüngsten Exportbeschränkungen Chinas bei diesen Rohstoffen zeigen, wie nötig Lieferketten sind, die sich vom sklavischen Just-in-Time oder Just-in-Case wegentwickeln, hin zur Regionalität, zur Redundanz und damit Richtung Resilienz", so die Berylls-Analysten.

Wie geht es in und mit China weiter?

Dass die weltweite Fahrzeugproduktion in den nächsten zwölf Monaten wieder zulege, so die Berylls-Analyse, sei nicht zu erwarten, im Gegenteil. Christian Grimmelt, Partner bei Berylls by AlixPartners, fasst die Situation zusammen: "Lieferketten und Zollpolitik haben das Potential, dass die globale Fahrzeugproduktion kurzfristig nach unten korrigiert werden muss. Die starke Rohstoffabhängigkeit zu China spielt hier eine entscheidende Rolle."

Neben der Versorgung mit Rohstoffen aus China habe auch der Zugang zu chinesischen Komponentenlieferanten einen enormen Einfluss, wie das Beispiel Nexperia zeige. Um die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten zu stärken, sollten die Unternehmen daher nicht nur auf Regionalität, sondern auch auf die Qualifizierung neuer Produktionstechnologien setzen, so die Berylls-Analyse.

Gewinner sind Halbleiter- und Batteriehersteller

Entspannung sei laut Berylls auch aus den USA nicht zu erwarten. "Die Importzölle werden bei Unternehmen ohne US-Produktionsstandorte zu Mehrkosten oder zu reduziertem Absatzvolumen führen", erklärt Fabian Piontek, Partner und MD bei AlixPartners. "Aber auch Hersteller mit eigenen Fertigungskapazitäten in den USA müssen mit Mehrkosten für Produktionsverlagerungen aus den EU rechnen." Diese Entwicklung schlage auch auf die Zulieferer durch.

Es gibt aber auch Gewinner in der Krise. "Halbleiterhersteller wie Infineon, NXP oder ST Micro werden wie bereits in diesem Jahr auch in naher Zukunft die Gewinner der Krise sein. Umsätze und Margen werden Höchstwerte erreichen. Auch die Batteriehersteller bleiben auf der Überholspur. Bedingt durch die weitere E-Auto-Marktdurchdringung. Wir erwarten einen 32 Prozent BEV-Markanteil bei Neuzulassungen weltweit im Jahr 2030", so Zulieferer-Experte Stefan Schneeberger.

Dass einige Sparten krisenresistenter sind, macht auch eine Analyse der Unternehmensberatung Deloitte deutlich. Der "Supplier Risk Monitor 2025/2026" zeigt, welche Bereiche der Branche besonders unter Druck geraten. Das niedrigste Risiko sieht Deloitte demnach bei Zulieferern für Technologien wie ADAS und Sensoren sowie Hochvolt-Batterien, während Rahmen und Sitze am stärksten gefährdet seien.

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