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14.09.2021 | Automobilwirtschaft | Gastbeitrag | Online-Artikel

Von gelebter Integrität nachhaltig profitieren

verfasst von: Dr. Katja Nagel

3:30 Min. Lesedauer

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Mehr denn je kommt es in der Automobilindustrie auf integres Verhalten und längstens bekannte ethische Prinzipien an. Gerade in unsicheren Zeiten ist die Versuchung zur Unrechtmäßigkeit allerdings ungleich höher.

Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im Umbruch, die Herausforderungen waren wohl noch nie größer. Der Transformationsprozess – weg vom klassischen Antrieb und hin zur emissionsfreien, voll digitalisierten und langfristig autonomen Fortbewegung – beschäftigt Hersteller und Zulieferer schon länger. Strengere EU-Auflagen, die Auswirkungen der Pandemie und das Risiko des Klimawandels sind zusätzliche, durchaus schwierige Aufgaben, mit denen sich die gesamte Branche auseinandersetzen muss. 

Die Liste an Baustellen ist lang und wird so schnell auch nicht kürzer. Zahlreiche Unternehmen sind von großen Unsicherheiten betroffen. Jetzt zeigt sich, was Werte tatsächlich wert sind. Wie ernst nehmen die Unternehmen ihre Verantwortung? Wie anständig verhalten sie sich? Wie wertebasiert treffen sie ihre Entscheidungen?

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2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

Vom Leitbild zur werteorientierten Unternehmensführung

Dieser Beitrag beschreibt die Integration der ethischen Perspektive (Integrität) in das oftmals rechtlich geprägte Compliance-Management-System von Unternehmen. Als Grundlage wird zunächst kurz der Begriff Compliance erläutert und auf den Diskurs zwischen Compliance als normenbasierter Managementansatz gegenüber Integrität als wertebasierter Ansatz eingegangen.

Integrität als explizites Kriterium für Entscheidungen

In Organisationen fallen tagtäglich unzählige Entscheidungen an. Die meisten dieser Entscheidungen folgen klaren Regeln. Doch es gibt natürlich auch Situationen, für die noch keine Regeln existieren oder den Mitarbeitern noch nicht bekannt sind. Zudem gibt es Fälle, in denen sich Richtlinien widersprechen oder in Konflikt mit anderen Faktoren, etwa Zielvorgaben, treten. Und dann ist da noch die Pandemie, die komplette Organisationen respektive Abteilungen ins Home- oder Mobile Office geschickt hat, wo Regeln noch weniger präsent sind. Mit Blick auf die Unternehmen heißt das: Wertebasiertes Handeln muss als innere Haltung und Verhalten für die gesamte Organisation definiert werden. Es muss als explizites Kriterium für Entscheidungen gelten.

Damit ist zwar noch nicht in Gänze sichergestellt, dass die Entscheidung sich nicht später als falsch erweist, aber das Risiko ist offenkundig geringer, als wenn der Mitarbeiter seine Integrität außen vorlässt. Bereits ein einziger Vorfall oder Verstoß gegen geschriebene wie ungeschriebene Normen, Werte oder eben Regeln kann weitreichende Folgen hinsichtlich der Unternehmensreputation haben. Er kann – wie die Vergangenheit zeigt – hohe Straf- und Schadensersatzzahlungen, die individuelle Strafverfolgung, hohe Umsatzverluste oder Vertrauensverlust bei Investoren bedeuten. Investoren, die heutzutage vermehrt auf die Nachhaltigkeit von Geschäftsmodell und Unternehmensführung achten. Integrität rückt somit nicht nur in den Fokus ethischer Diskussionen, sondern eben auch in den der öffentlichen Wahrnehmung und Meinungsbildung.

Integrität vorleben, bestärken und fördern

Gleichzeitig wirkt sich gelebte Integrität nachhaltig auf den Unternehmens- und Markenwert der Unternehmen aus. Die Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG) wird für die Branche immer wichtiger, weshalb es sich lohnt, in Integritätsmaßnahmen zu investieren. Sie sind schlicht und ergreifend gut für den wirtschaftlichen Erfolg, weil es Vertrauen schafft – und Vertrauen bildet die Grundlage jedes Geschäfts. Ist das Vertrauen gegeben, verbessert es auch generell die Zusammenarbeit sowohl mit externen Stakeholdern wie auch der Mitarbeiter untereinander.

Es ist also unbedingt ratsam, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter in ihrer Integrität bestärken. Zum einen, indem sie immer wieder deutlich machen, dass integres Verhalten erwünscht ist und belohnt wird. Dass man wenigstens seine Bedenken äußern solle, wenn man bei einer Entscheidung oder einem Vorhaben ein schlechtes Gefühl hat. Zum anderen, indem sie die Mitarbeiter auch dazu befähigen, integer handeln zu können. Sie dazu anleiten und ihnen den Raum dafür geben – und insbesondere die Führungskräfte in die Verantwortung nehmen, Integrität vorzuleben und integres Verhalten ihrer Mitarbeiter zu fördern.

Die bloße Beschwörung des Wertes von Integrität im Verhaltenskodex allein greift dagegen entschieden zu kurz. Auch die verbreitete Propagierung von "Ehrlichkeit" oder "Aufrichtigkeit" etwa als Unternehmenswerte geht zwar in die richtige Richtung, aber Integrität ist nach Bedeutung und Anspruch eben doch sehr viel mehr. Zu solch einem dedizierten Integritätsmanagement gehört selbstverständlich auch, dass es Ziele definiert, KPIs entwickelt, Fortschritte und Erfolge reportet und als Voraussetzung dessen auch misst. Über Mitarbeiterbefragungen und Workshops, über Prozessanalysen, über Stakeholder-Dialoge. So weiß das Unternehmen sehr genau, wo es gesamthaft steht und wo der größte Nachholbedarf liegt. Wer verstanden hat, welche Lücken existieren, der kann systematisch daran arbeiten, diese mit den dazu geeigneten Maßnahmen zu schließen und den Verbesserungsprozess einleiten.

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