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Was der deutsche Mittelstand von VW lernen kann

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Die Krise bei VW hat Auswirkungen auf die gesamte deutsche Wirtschaft. Dem Mittelstand bietet sie jedoch die Möglichkeit, wertvolle Lehren daraus zu ziehen und sich flexibel an den Markt anzupassen. 

Krise bei VW: Was der deutsche Mittelstand vom Autobauer lernen kann


Der Automobilhersteller VW befindet sich momentan in einer schwierigen Lage, die den gesamten Markt beeinflusst. Schleppende Verkaufszahlen, Engpässe in der Produktion sowie unsichere Prognosen und Marktbedingungen sorgen für enorme Schwierigkeiten im Konzern. Die Gründe hierfür sind vielfältig, denn auf den ersten Blick ist das Unternehmen nach wie vor erfolgreich: Immerhin wurde im letzten Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von 22 Milliarden Euro erzielt. Zugute kommen VW hierbei vor allem Marken wie etwa Škoda, Porsche und Audi und die hohen Absatzzahlen ausländischer Märkte, vor allem in China. Dort vertreibt das Unternehmen sogar exklusiv Modelle, die in Deutschland eher unbekannt sind.

Die Kernmarke VW verzeichnet jedoch sinkende Verkaufszahlen und zudem sorgen große Verwaltungszentren und teure Produktionsstätten in Deutschland für geringe Margen, die ein sinnvolles Wirtschaften kaum ermöglichen. Darüber hinaus haben die Auflagen für Elektroautos dem Konzern den Eintritt in den entsprechenden Markt erschwert, während ausländische Marken wie Tesla, die nicht an die deutschen Vorgaben gebunden sind, auf dem Vormarsch sind. Die Corona-Krise und die Entwicklung des Arbeitsmarktes zum verstärkten Arbeiten im Homeoffice haben ihr Übriges getan.

Früherkennung von Krisen

Trotz all dieser Umstände ist festzuhalten, dass VW richtig reagiert und zu einem frühen Zeitpunkt die Krise erkannt und ausgerufen hat. Dies ist ein wichtiger Schritt, der auch für Mittelständler als Vorbild gelten kann. Das frühzeitige Erkennen von Krisensituationen ist entscheidend, wenn es darum geht, Lösungen und Maßnahmen zu entwickeln, die den Problemen entgegenwirken. Gerade im Mittelstand ist es häufig so, dass Krisen zu lange ignoriert werden und erst dann Panik entsteht, wenn die finanziellen Mittel knapp sind. Dabei zeigen sich die Anzeichen meist frühzeitig.

VW hat genau analysiert, an welchen Stellen die Schwierigkeiten ihren Ursprung haben. Es wurde die Rentabilität einzelner Standorte und Werke untersucht, um Ansätze für Gegenmaßnahmen und Umstrukturierungen zu entwickeln. Ein solches Vorgehen kann einer Liquiditätskrise vorbeugen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit sowie Gewinne sichern.

Die Vorteile eines guten Controllings

Ein kluges Controlling sorgt dafür, dass strategisch weitreichende Entscheidungen auf Basis von verlässlichen Zahlen getroffen werden können. Hierfür braucht es eine durchdachte Liquiditätsplanung, die sämtliche Liquiditätsströme eines Unternehmens lückenlos erfasst und aufzeigt. So ist es möglich, die Liquidität passgenau zu steuern, Verbesserungspotenziale aufzuzeigen und diese umzusetzen. Um Maßnahmen zu ergreifen, die aus der Krisensituation führen, muss klar sein, welche finanziellen Mittel im Unternehmen dafür zur Verfügung stehen. Daher ist die Liquiditätsplanung die Basis für alle weiteren Schritte, die unternommen werden sollen.

Bei VW sind Schließungen von Werken sowie der Abbau von Arbeitsplätzen geplant, um eine Verschärfung der Krise abzuwenden. Da man jedoch den Beschäftigten des Konzerns vorher über viele Jahre eine Arbeitsplatzsicherheit versprach, hat dies Konflikte mit dem Betriebsrat zur Folge. Auch die Politik ist hier gefragt und dazu angehalten, Lösungen anzubieten.

Folgen der VW-Krise für die Wirtschaft

Die Krise bei VW hat Folgen, die weit über interne Schwierigkeiten hinausreichen. Betroffen ist nicht nur der Automobilhersteller selbst: Auch zahlreiche Zulieferfirmen spüren die Konsequenzen der Entwicklungen und könnten im Extremfall selbst dazu gezwungen sein, Mitarbeiter zu entlassen und Insolvenz anzumelden. Frühere Automobilkrisen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass dies durchaus passieren kann. Gerät ein Hauptkunde in eine wirtschaftliche Schieflage und reduziert seine Aufträge, sind auch Zulieferer dazu angehalten, Kosten zu senken und ähnliche Maßnahmen ergreifen.

All dies zieht weitere Schwierigkeiten nach sich, von denen zum Beispiel wiederum andere Unternehmen wie Marketing- oder Personalagenturen betroffen sein können. Sie müssen längere Zahlungsziele und eine sinkende Zahlungsmoral befürchten. All dies zeigt, dass es Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hat, wenn ein so großes und einflussreiches Unternehmen wie VW mit vielen geschäftlichen Verbindungen in eine finanzielle Krise gerät. Hier gilt es, zeitnah zu reagieren und sich gut auf mögliche zukünftige Entwicklungen vorzubereiten.

Jede Herausforderung schafft neue Chancen

Aktuell sind nahezu sämtliche Branchen von einer ausgeprägten Wirtschaftskrise betroffen. Dies zeigen zum Beispiel die insgesamt 11.000 Insolvenzen, die allein in der ersten Hälfte des laufenden Jahres auftraten. Wann ein Aufschwung stattfindet, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Doch bis es so weit ist, gilt es durchzuhalten, mit den vorhandenen Mitteln so klug und strategisch wie möglich umzugehen und das Marktgeschehen kontinuierlich zu beobachten.

Eine Krise stellt immer eine große Herausforderung dar. Doch trotz aller negativen Aspekte bietet eine solche Situation auch Chancen und Potenziale, zumindest für jene Akteure, die klug und vor allem schnell reagieren und für diesen Fall genügend liquide Mittel beiseite gelegt haben. Sie benötigen ein umfangreiches und verlässliches Controlling, das als Frühwarnsystem fungieren kann und entstehende Probleme frühzeitig aufzeigt. Nur so ist es möglich, gezielt Maßnahmen zu entwickeln, mit denen sich Unternehmen aus der Krise befreien und für die Zukunft gerüstet sind.

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