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18.03.2021 | Bafin | Nachricht | Onlineartikel

Einrichtung prüft Ansprüche von Greensill-Kunden

Autoren:
Stefanie Hüthig, Angelika Breinich-Schilly
2:30 Min. Lesedauer

Es ist amtlich: Die Greensill-Bank ist ein Entschädigungsfall. Das hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) festgestellt. Nun kann die dafür zuständige Entschädigungseinrichtung die Ansprüche der Kunden prüfen.

Am 15. März hat die Bafin beim Amtsgericht Bremen einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die in Schieflage geratene Greensill Bank gestellt. Die Richter hatten einen Tag später das Insolvenzverfahren eröffnet und einen Insolvenzverwalter bestellt. Die Bafin stellte sogleich den Entschädigungsfall fest, da das Institut nicht mehr in der Lage ist, sämtliche Einlagen ihrer Kunden zurückzuzahlen. 

Entschädigungseinrichtung prüft nun Ansprüche

In einem Schreiben weist die Bafin darauf hin, dass die Einlagen der Greensill-Kunden "im Rahmen des Einlagensicherungsgesetzes geschützt sind". Das Institut gehöre der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) an. Mit der Feststellung des Entschädigungsfalles sei nun die Voraussetzung gegeben, dass die Entschädigungseinrichtung die Ansprüche der Einleger prüft und bis zu einer Höhe von 100.000 Euro befriedigt. In besonderen Ausnahmefällen gelte eine Grenze von bis zu einer Höhe von 500.000 Euro. Die EdB werde in Kürze von sich aus Kontakt zu den Gläubigern des Instituts aufnehmen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte am 3. März die Greensill Bank für den Kundenverkehr geschlossen. Eine forensische Sonderprüfung hatte ergeben, dass der Bremer Lieferkettenfinanzierer nicht mehr in der Lage ist, den Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen zu erbringen, die er von der GFG Alliance Group angekauft hatte. Die Bilanzsumme des Instituts, Tochter der britisch-australischen Greensill Capital, belief sich per Ende 2020 auf 4,5 Milliarden Euro. Das Geldhaus ist nicht systemrelevant.

Kanzlei weist auf Verluste von Kommunen hin

Die Greensill Bank gehört auch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (ESF) an. Der Privatbankenverband BdB versicherte, dass sich der ESF auch im Namen der EdB unaufgefordert bei geschützten Einlegern melden werde, um diese zu entschädigen, sollte die Bafin den Entschädigungsfall feststellen.

Für Aufregung sorgt der Greensill-Fall, weil Nutzer von Zinsplattformen wie Weltsparen oder Zinspilot Geld bei der Bank angelegt hatten, ebenso wie institutionelle Investoren und einige Kämmerer. Die Kanzlei Nieding + Barth erklärt, dass vielen Kommunen Verluste in zweistelliger Millionenhöhe ins Haus stünden. Die Rechtsanwälte weisen in einer Mitteilung auf die regelrechte Explosion von Bilanzsumme und Einlagenvolumen im Jahr 2019 hin. Das hätte, insbesondere im Zusammenhang mit der ausgeprägten Abhängigkeit von der mittlerweile ums wirtschaftliche Überleben kämpfenden Muttergesellschaft, die Aufsicht alarmieren müssen.

Bilanzsumme schießt nach Genehmigung in die Höhe

Fragezeichen hinterlässt im Fall Greensill laut "Finanz-Szene" und ihrem Podcast auch ein Kreditversicherungsvertrag. Vor der Explosion der Bilanzsumme sei die Anwendung solcher Instrumente ausgesetzt gewesen. Im Mai 2019 habe die Bafin die Nutzung einer Kreditversicherung zur Risikominimierung genehmigt. In der Folge habe das Kreditvolumen binnen kürzester Zeit um 74 Prozent zugelegt, während die risikogewichteten Aktiva um elf Prozent zurückgingen.

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