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25.01.2019 | Bank-IT | Interview | Onlineartikel

"Im Streitfall müssen die Gerichte entscheiden"

Autoren:
Stefanie Hüthig, Angelika Breinich-Schilly
Interviewt wurde:
Ralf Ohlhausen

Der Diplom-Mathematiker Ralf Ohlhausen ist Business Development Director bei der PPRO Group. Dort verantwortet er die weltweite Expansionsstrategie des E-Payment-Lösungsanbieters. Ohlhausen hält ein ...

Banken und Sparkassen müssen laut Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 bis März eine Kontenschnittstelle zur Verfügung stellen. Ralf Ohlhausen im Gespräch über neue, zusätzliche Vorgaben der europäischen Bankenaufsicht EBA. 

Wie die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" berichtet, hat die Deutsche Kreditwirtschaft DK einen Brandbrief mit der Bitte um Schutz vor den Regeln an die deutsche Finanzaufsicht geschrieben. Die neuen Regelungen gefährdeten den Termin. Wie sehen diese neuen Spezifikationen aus?

Meines Erachtens ist dieser Brandbrief völlig fehl am Platz. Es handelt sich hierbei nicht um zusätzliche Vorgaben, sondern dem Versuch des Regulators dem Wunsch der Banken nach genauerer Spezifizierung nachzukommen. Das eigentliche Problem ist, dass die Banken nur diejenigen Daten herausgeben wollen, zu denen sie rechtlich gezwungen werden können. 

Da PSD2, Level-1-Gesetz, und RTS (Regulatory Technical Standards), Level-2-Gesetz, dies aber nicht im Einzelnen bestimmen, wurde die EBA dahin getrieben, immer mehr der noch offenen Fragen zu klären, was dann Zug um Zug zu weiteren Level-3-Meinungen und -Richtlinien im Laufe des vergangenen Jahres geführt hat, und auch 2019 seine Fortsetzung finden wird.

Die Behörden befinden sich also in einer schwierigen Position?  

Der Wunsch der Banken, eine rechtssichere Anweisung seitens des Regulators zu bekommen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil dies nicht dem Regulator, sondern den Gerichten obliegt, welche dann im Streitfall entscheiden müssen, wie die Gesetze, also PSD2 und RTS, tatsächlich interpretiert werden müssen. Der richtige Ansatz der Banken wäre gewesen, nicht mit einer minimalistischen API zu starten, die sie nun scheibchenweise aufbohren müssen. Und zwar jedes Mal, wenn eine zusätzliche regulatorische Richtlinie veröffentlicht wird. Stattdessen hätten sie gleich eine gute API machen sollen, welche die nötige Funktionalität hat, um existierende Mehrwertdienste fortbestehen zu lassen und neue zu ermöglichen. Denn nur so können die Kunden alle Vorteile dieser Dienste auch zu nutzen.

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Warum kommen die zusätzlichen Vorgaben so spät?

Keine dieser Vorgaben ist neu. Im Gegenteil: die TPP-Vertreter haben seit der ersten RTS-Version Anfang 2017 den relevanten Gremien gegenüber klargestellt, welche Funktionalitäten gebraucht werden. Im Detail wurde erklärt, welche Daten über die bislang übliche Screen-Scraping-Technologie verwendet werden, um die bestehenden Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste anbieten zu können. Genau diese Daten werden auch in Zukunft benötigt, wenn sie nun über eine API ausgetauscht werden sollen. 

Was bedeutet das konkret?

Die zur Klärung der Anforderungen einberufene API Evaluation Group hatte den verschiedenen API-Standardisierungsinitiativen, darunter auch die der Berlin Group, Mitte 2018 gesagt, welche der strittigen Funktionalitäten empfohlen werden. Leider wurde dies ignoriert und die API EG gebeten, diejenigen Empfehlungen hervorzuheben, welche explizit rechtlich vorgeschriebenen sind, was dann nach vielen Diskussionen vier Monate später geschehen ist. Das war nicht wirklich die Aufgabe der API EG und auch schon deswegen unnötig, weil auch die nicht explizit vorgeschriebenen Funktionalitäten, durchaus implizit vorgeschrieben sein können. Etwa, wenn ihre Abwesenheit ein sogenanntes Obstacle kreieren würde, was für viele TPPs, wenn nicht sogar den meisten, der Fall sein wird. Um auf Nummer sicher zu gehen, müssen also sowieso alle Empfehlungen implementiert werden.

Ist die Umsetzung der neuen Regeln der EBA für die Kreditinstitute tatsächlich so problematisch?

Nein, die Umsetzung ist nicht problematisch, aber sie braucht Zeit, und die Banken befürchten, dass ihre APIs dann nicht rechtzeitig allen Kriterien genügen werden, die für die Freistellung vom sogenannten Fallback gebraucht werden. Und dazu kommt natürlich, dass sie sich weiterhin sträuben, diese Funktionalitäten überhaupt zur Verfügung zu stellen.

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es für das Problem?

Die API-Initiativen müssen schnellstmöglich alle API-EG-Empfehlungen implementieren, damit TPPs nicht unnötig lange gezwungen sind zusätzlich ihr Screen Scraping aufrechtzuerhalten, um die fehlenden Daten zu erreichen. Weil dies nun nicht mehr machbar ist bis zum API-Teststart am 14. März 2019 und dem Live-Gang am 14. September 2019, müssen diese Stichtage flexibel gestaltet werden. Das ist zum Beispiel dahingehend machbar, dass TPPs weiterhin screen scrapen können und Banken weiterhin keinen Fallback bereitstellen müssen, bis ihre APIs tatsächlich den Ansprüchen genügt.

Was bedeutet das für die regulatorische Seite? 

Auf jeden Fall muss vermieden werden, dass die Regulatoren dazu gedrängt werden, Banken vom Fallback freizustellen, solange deren APIs unzulänglich sind. Denn das Schlimmste was passieren könnte, wäre, wenn wir am 14. September weniger und nicht mehr TPP-Dienste hätten. Wenn existierende Apps und Anwendungen für Konsumenten und Firmenkunden plötzlich nicht mehr funktionieren würden, weil wir es nicht geschafft haben, das Screen Scraping durch genügend gute APIs zu ersetzen, und dann keine Fallback-Lösungen verfügbar sind, weil voreilige Freistellungen gegeben wurden. Wir dürfen den Ast, auf dem wir bis heute gesessen haben, erst dann absägen, wenn wir wissen, dass der neue die Belastung wirklich aushält!

 

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