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05.06.2019 | Bank-IT | Kolumne | Onlineartikel

PSD2 bringt Licht und Schatten

Autor:
Nick Caley

Die PSD2 soll den Wettbewerb innerhalb der Zahlungsbranche stärken und die Bedingungen für Zahlungsdienstleister harmonisieren. Welche Chancen und Risiken sich für Banken ergeben, erklärt Branchenexperte Nick Caley.

Im Jahr 2019 müssen Finanzdienstleister zwei kritische Fristen im Zusammenhang mit der zweiten Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 beachten: Bis zum 14. September sollen Banken eine spezielle Programmierschnittstelle, ein sogenanntes Application Programming Interface (API), für Drittanbieter und als Auffanglösung Screen Scraping Contingency Mechanismen implementieren. Zweites  ist allerdings für die meisten Banken schwer durchführbar. Es ist unsicher, datenschutzrechtlich bedenklich und erfordert eine formelle regulatorische Vereinbarung. Zudem bindet das Screen Scraping auch erhebliche Entwicklerressourcen, die für die Bereitstellung produktionsreifer APIs genutzt werden könnten.

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Bis zum 14. März konnten Banken durch die Freigabe compliance-sicherer Testmöglichkeiten für APIs sechs Monate vor dem Stichtag die Implementierung von Screen Scraping vermeiden. Zwar gibt es keine formellen Sanktionen für Institute, die gegen die Vorschriften verstoßen. Dennoch kann dies ihre Geschäftsentwicklung, Marktreputation und Wettbewerbsfähigkeit langfristig beeinträchtigen. Dies wird zu Lasten der Verbraucher gehen, da sich der zentrale Pfeiler der PSD2-Richtlinie – die Schaffung eines sicheren, wettbewerbsfähigen und personalisierten Zahlungsverkehrs – so nicht realisieren lässt. Haben Banken den Termin im März eingehalten, sind sie langfristig besser auf den PSD2-Rollout vorbereitet und verfügen über eine solide Grundlage für die Beachtung künftiger regulatorischer Fristen.

Behörden und Fintechs sind wachsam

Die Regulierungsbehörden,  aber auch die Fintech-Community verfolgen die Open-Banking-Entwicklungen aufmerksam. Insbesondere die Fintechs werden protestieren, wenn sie nicht den von PSD2 garantierten Zugang zu Kundendaten bekommen. Es ist zu erwarten, dass die zuständigen Behörden diese Beschwerden in den nächsten Monaten sehr genau beobachten. Dabei arbeiten Fintechs gerne mit innovativen Banken zusammen, die durchdachte, digitale Produkte und Dienstleistungen anbieten und damit ihren Konkurrenten einen entscheidenden Schritt voraus sind.

Da die Banken laut PSD2 den Drittanbietern direkten Zugang zu den Finanzdaten ihrer Kunden gewähren müssen, wird sich der Markt für zahlungsbezogene Finanzdienstleistungen in ein wettbewerbsfähiges, stärker auf den Verbraucher ausgerichtetes Ökosystem verwandeln. Dies kann neue Werte für Kunden, zusätzliche Wettbewerbsvorteile für Banken und neue Geschäftsmodelle für Finanzdienstleister schaffen. Zudem wird PSD2 die Zahlungsdienste an die veränderten Kundenanforderungen nach mehr Kontrolle über die eigenen Daten, höherer Sicherheit und besserer Customer Experience anpassen. Banken werden bessere digitale Dienste bereitstellen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Kunden mehr Freiheit beim Handling mit Finanzdienstleistungen zu geben.

Sicherheit schafft Verbrauchervertrauen 

PSD2 wird das Konzept des Open Banking weiter vorantreiben und die Finanzdienstleistungsbranche tiefgreifend verändern. Dabei legt es die Messlatte höher, wenn es um einfache, sichere und kundenorientierte Dienstleistungen geht. Wichtig ist, dass die Verbraucher dem System vertrauen. Sie müssen daran glauben, dass mit ihren Finanzdaten verantwortungsbewusst und sicher umgegangen wird. Deshalb legen die neuen regulatorischen Standards so viel Wert auf Zustimmung und sichere Authentifizierung. 

Erforderlich ist ein robustes, digitales Identitätsmodell, das den Verbrauchern die vollständige Kontrolle über ihre Daten auf eine granulare wie einfach zu bedienende Weise gibt. Dies wird entscheidend sein, um dieses neue, offene Geschäftsmodell langfristig zum Erfolg zu führen.

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