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05.04.2019 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Low-Code hilft Banken bei der digitalen Transformation

Autor:
Martin Otten

Derzeit ist das Retail-Banking zahlreichen Veränderungen ausgesetzt und die Finanzinstitute kämpfen mit vielen Herausforderungen. Ein Lösungsweg liegt in der Low-Code-Technologie, meint Gastautor Martin Otten.  

Noch bis vor einigen Jahren war der Bankensektor recht überschaubar. Die meisten Kunden wählten ihre Hausbank aufgrund der Nähe der Filiale zum Wohn- oder Arbeitsort. Im Zuge der Digitalisierung und zahlreicher Self-Service-Angebote hat sich das stark verändert. Zum einen wünschen sich Kunden, dass Banken ihnen eine ähnlich gute Customer Experience bieten, wie sie es aus anderen Bereichen gewohnt sind – etwa aus dem E-Commerce. Außerdem versuchen innovative Start-ups und Fintechs, den Bankensektor mit neuen Technologien zu überschwemmen und die Kunden von alteingesessenen Banken wegzulocken.

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Digitalisierung im Bankensektor – Notwendigkeit von neuen kundenzentrierten Geschäftsmodellen

Die Digitalisierung im Bankensektor ist nicht nur ein anhaltender Trend, sondern stellt auch den Großteil der Institute vor eine signifikante Herausforderung. Neben dem wachsenden Druck zur Erfüllung der Regulatorik, damit steigenden Kosten und rückläufigen Erträgen verschärfen die Anforderungen der Digitalisierung die schwierige Lage der Banken. 


Neue Kunden zu gewinnen oder Bestandskunden zu halten, hat für viele Banken oberste Priorität. Finanzinstitute suchen Wege, sich positiv von der Masse abzuheben. Etwa, indem sie attraktive Prämien für eine Konto-Neueröffnung anbieten. Der Wettbewerb erfordert von ihnen einerseits, ihren Kunden intuitive Apps zur Verfügung zu stellen, beispielsweise für das Online Banking. Andererseits müssen sie aufpassen, dass Fintechs und Start-ups sie nicht mit innovativen Technologien überholen. Die etablierten Finanzinstitute laufen Gefahr, dass Kunden aufgrund der neuen Angebote wechseln.

Innovationsstaus verhindern neue Bankanwendungen

Dadurch, dass viele Geldinstitute mit einer steigenden Zahl an Innovationsstaus, sogenannten Backlogs, kämpfen, bleibt immer weniger Zeit für die Entwicklung neuer Applikationen oder Anwendungen. Traditionelle Entwicklungsmethoden helfen kaum weiter. Denn bis die Entwicklung einer Applikation abgeschlossen ist, was unter Umständen viele Monate oder sogar Jahre dauern kann, sind eine Vielzahl von veralteten Anwendungen oder Legacy-Systemen zu überholen. Und das bezieht sich nicht selten auch auf Kernbankensysteme.

Doch nicht nur die technologische Basis macht den Banken hinsichtlich einer agilen, fortschrittlichen, kundenzentrierten Strategie das Leben schwer. Hinzu kommt der massive Fachkräftemangel im IT-Bereich. Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbands Bitkom lag die Zahl der offenen IT-Stellen im Jahr 2018 bei 49 Prozent. Insgesamt blieben mehr als 82.000 Stellen unbesetzt. Die befragten Unternehmen erwarten zudem, dass sich die Situation weiter verschärft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Durchschnittsalter von etablierten Entwicklern steigt und es nicht genügend Nachwuchskräfte gibt. Die Zahl der Entwickler zu verdoppeln, erscheint angesichts des Fachkräftemangels unmöglich.

Low-Code als Lösungsweg

Um der Lage Herr zu werden, gilt es, in neue Technologien zu investieren. Low-Code kann hier ein vielversprechender Ansatz sein. Denn eine Low-Code-Plattform bietet nicht nur die ideale technologische Basis, sondern kann auch Entwickler bei ihrer Tätigkeit entlasten. Es handelt sich um eine moderne Entwicklungsumgebung, die die manuelle Programmierung von Code-Zeilen überflüssig macht. Während es bei der traditionellen Entwicklung erforderlich ist, jeden Screen manuell zu programmieren, ist mit Low-Code eine grafische Modellierung per Drag & Drop möglich. So können Entwickler auch gesamte Prozesse und Oberflächen gestalten und verändern. Die Programmierung erfolgt mit Low-Code größtenteils automatisch.

Ein weiterer Vorteil: Die Lösung ist intuitiv bedienbar, was eine langwierige Einarbeitung überflüssig macht. Das bedeutet, dass zum Beispiel Mitarbeiter aus dem Marketing selbst Portale oder Anwendungen entwickeln und direkt an die Kundenwünsche anpassen können. Das macht die Entwickler allerdings nicht überflüssig. Sie konzentrieren sich vielmehr auf umfassendere Aufgaben konzentrieren wie der Entwicklung einer App mit einer hervorragenden User Experience, was der Kundenbindung dient. Und wenn Unternehmen neue Developer einstellen, entfällt der Aufwand, sie mühselig in umfangreiche IT-Projekte einzuarbeiten. Das macht neue Mitarbeiter produktiver. Die Zeit bis zur Veröffentlichung einer Anwendung reduziert sich im Gegensatz zu herkömmlichen Entwicklungsmethoden um das Vier- bis Fünffache.

Compliance sicherstellen

Banken sind allerdings mit Inkrafttreten von Verordnungen wie der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder der PSD2-Richtlinie stärker denn je verpflichtet, Kunden ausreichend über die Verarbeitung ihrer Daten zu informieren. Kunden wünschen sich etwa Auskünfte darüber, welche Daten das Finanzinstitut sammelt, was mit diesen Daten geschieht und ob sie der Weiterverarbeitung der Daten widersprechen können. Auch wenn sie sich in ihre Online-Banking-Anwendung einloggen oder den Kontostand über eine Banking-App auf dem Smartphone abrufen, ist es erforderlich, dass Banken die sensiblen Daten absolut sicher verarbeiten. Daher stellt sich vor der Integration einer Low-Code-Plattform die Frage, ob die so erstellten Anwendungen den hohen Sicherheitsstandards gerecht werden können. Üblicherweise handelt es sich bei Low-Code-Plattformen um sehr offene Systeme, die selbst im Nachhinein eine Integration wichtiger Sicherheitsfeatures zulassen. Einige Lösungen haben schon von Haus aus sicherheitsrelevante Funktionen integriert. Es gibt aber auch Anbieter, die über dieses Maß hinausgehen und beispielsweise über die Amazon-Web-Services-Cloud zusätzliche Schutzmaßnahmen bereitstellen. Außerdem bietet die Entscheidung, wie die Plattform betrieben werden soll, zusätzlich Sicherheit: Üblicherweise gestattet eine Low-Code-Plattform einen On-Premise- oder Hybrid-Betrieb, wenn Banken der Cloud nicht vertrauen.

Künstliche Intelligenz mit Low-Code verknüpfen

Da es sich bei Low-Code-Plattformen um Systeme handelt, die gewöhnlich mit entsprechenden Schnittstellen, sogenannten APIs ausgestattet sind, lassen sie sich gut in die vorhandene IT-Infrastruktur integrieren und an bereits vorhandene wie neue Technologien anknüpfen. Denn im Zuge der Digitalisierung nimmt die Bedeutung von Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Machine Learning zu. So hat kürzlich das Analysten-Haus Forrester prognostiziert, dass KI nicht nur den Softwareentwicklungszyklus deutlich beschleunigen kann, sondern sogar disruptiv wirken wird.

Mit KI werden Developer zukünftig in der Lage sein, Software noch schneller zu entwickeln. Als technologische Basis unterstützt Low-Code die Entwicklung über den gesamten Lebenszyklus einer Anwendung, denn alle Schritte finden auf der Plattform statt vom Prototyping über die eigentliche Entwicklung sowie die Qualitätssicherung und das Testing bis hin zur Bereitstellung der finalen Version. Darüber hinaus können Finanzinstitute ihre Applikationen über die Plattform monitoren und managen. KI-Tools lassen sich ebenso wie bei der Modellierung einfach per Drag & Drop in die Anwendung integrieren.

Customer Journey als wichtigstes Ziel

Wer den Anschluss an moderne Entwicklungen nicht verschlafen will, muss agil agieren, sonst schwinden Kunden und das Geschäft ist gefährdet. Wer nicht dazu übergeht, seinen Kunden beispielsweise Self-Service-Features oder eine App mit nützlichen Funktionen anzubieten, wird das Nachsehen haben. Banken sollten deshalb bereit sein, in neue Technologien zu investieren. Low-Code-Plattformen schaffen eine ideale technologische Grundlage, um neue Anwendungen schnell zu realisieren und Altsysteme sukzessive abzulösen. Wichtigsten Ziel sollte eine optimale Customer Journey für den Kunden sein und die User Experience als Omnichannel-Erlebnis zu präsentieren. Wer sich heute dieser Herausforderung stellt, kann zukünftig als Vorreiter agieren.

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