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10.12.2015 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Die Konsolidierung hat begonnen

Autor:
Eva-Susanne Krah

Erst der Rückzug von Yapital aus dem E-Payment-Markt für Endkunden. Dann das Ende für den Onlinebezahldienst Clickandbuy. Warum erste Anbieter den Zahlungsverkehrsmarkt wieder verlassen.

Die Fintech-Welle hat einen Marktruck bei Zahlungsdienstleistungen bewirkt. Neue Anbieter bringen die Zahlungslandschaft in Bewegung. Paypal ist einer dieser Aufsteiger. Das US-Unternehmen hat sich systematisch den Markt für Online-Zahlungen erobert. Fast jede zweite Zahlungstransaktion im Web wickeln Internetkäufer laut der "Wirtschaftswoche" inzwischen über den Zahlungsdienstleister ab, 90 Prozent kennen Paypal als Marke. Die Dienste des Unternehmens sollen in Deutschland nach eigenen Angaben inzwischen etwa 16 Millionen Kunden nutzen. Im Juni 2014 verdeutlichte Bankmagazin-Autor Professor Klaus Fleischer in seinem Beitrag "Direkten Zugang gesichert" (Ausgabe 6-2014, Seite 32-35), wie sehr sich der Zahlungsmarkt inzwischen durch Internet- und Technologieunternehmen diversifiziert. Für die Kreditinstitute ist im Zahlungsverkehr ein Stück Kerngeschäft bedroht.

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Mit dem eigenen Online-Bezahlsystem Paydirekt, den erste deutsche Kreditinstitute seit November anbieten und bei dem im Sommer 2016 auch die Sparkassen andocken wollen, möchten sie sich ein Stück vom Payment-Kuchen zurückholen. Neben verschiedenen Volks- und Raiffeisenbanken sind unter anderen die Hypovereinsbank, DZ Bank, Commerzbank und Deutsche Bank angeschlossen, seit Kurzem auch die Postbank. Weiterhin sind laut Paydirekt die Direktbanken Comdirekt, Targobank und PSD Bank sowie der Finanzdienstleister MLP dabei. Darüber, wieviele Kunden letztlich das System für ihre Zahlungen am Ende nutzen könnten, gibt es noch wenige Angaben. Martin Zielke, Privatkundenvorstand der Commerzbank, ließ Mitte November gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" verlauten, dass wohl mindestens 250.000 Kunden des Geldhauses das neue Online-Bezahlverfahren in den ersten Monaten nach dem Start einsetzen könnten.

Erste Zahlungsanbieter streichen die Segel

Doch für erste Zahlungssysteme, die sich Nischen im Versandhandel gesucht haben, wird der Marktdruck zu groß und scheinen die Standards, die vor allem Paypal gesetzt hat, zu hoch. So etwa für das 2011 gegründete bargeldlose Cross-Channel-Payment-System Yapital, das von der Otto-Gruppe aus der Taufe gehoben wurde. Yapital-Geschäftsführer Marc Berg gab Ende November bekannt, dass die Hamburger den Dienst für Endkunden zum 31. Januar 2016 vom Markt nehmen. B2B-Kunden soll das System für Zahlungstransfers weiter zur Verfügung stehen. Berg argumentiert zum Rückzug: "Die Geschäftsentwicklung und vor allem die Entwicklung der Endkundenzahl ist in diesem Bereich zum aktuellen Zeitpunkt schlicht nicht kalkulierbar." Mehr zu Yapital in der Bankmagazin-Ausgabe 1-2016.

Auch das Internet-Bezahlsystem Clickandbuy, das 2010 von der Deutschen Telekom übernommen wurde, gibt auf. Zum 30. April 2016 stellt die Telekom alle E-Geld- und Bezahldienste ihrer Tochter ein. Noch 2012 plante der Konzern, ein "eigenes Ökosystem" rund um das Bezahlen unter anderem mit Clickandbuy aufzubauen. Neben Online-Payment sollten dazu eine mobile Brieftasche mit der Mywallet-App und E-Money über eine Bezahlkarte der Clickandbuy in strategischer Partnerschaft mit Mastercard beitragen. Diese Rechnung ist mit Clickandbuy nicht aufgegangen.

Bargeldersatz muss Mehrwert bieten

Die Bargeld-Ära könnte angesichts der Vielfalt der Bezahldienste zwar bald ein Ende finden. Doch Bankmagazin-Redakteur Christian Kemper weiß, dass die Deutschen an der Ladenkasse am liebsten mit Münzen und Scheinen zahlen. Mehr als die Hälfte der Umsätze im Einzelhandel würden weiterhin bar beglichen, schreibt er in seinem Bankmagazin-Beitrag "Was Bargeld ersetzen kann" (Ausgabe 10/2015, Seite 12-25). Viele Lösungen werden sich langfristig nicht behaupten können, glaubt Kemper. Der marktwirtschaftliche Druck scheint dazu beizutragen, dass die Anbieterlandschaft sich neu sortiert. Damit Kunden wie Transaktionsteilnehmer sich auf solche Systeme langfristig einlassen, zählen eine gute Verbreitung, einfache Handhabung, niedrige Kosten und ein echter Mehrwert.

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