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12.11.2018 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Mit EBICS 3.0 die Chance zur Harmonisierung nutzen

Autoren:
René Keller, Eric Waller, Alper Aktas
3:30 Min. Lesedauer

Ab November 2018 kommt der aktualisierte Übertragungsstandard EBICS 3.0 für den Zahlungsverkehr. Banken, die ihre Prozesse jetzt rechtzeitig darauf ausrichten, bringen sich und ihre Geschäftskunden in die Poleposition.

 

Der 27. November 2018 ist auf den Kalendern der Payment-Verantwortlichen in Kreditinstituten und Unternehmen dick markiert: Mit dem Start der 3.0-Version des Electronic Banking Internet Communication Standard – kurz EBICS – bietet sich erstmals die Chance, einen europäischen Standard für die gesicherte Datenübertragung zwischen Firmenkunde und Bank beziehungsweise von Bank zu Bank zu etablieren.

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Zahlungsverkehr: vom Überweisungsträger zu Instant Payments

Der Zahlungsverkehr hat sich in letzten Jahren von einer leicht angestaubten Tätigkeit im Backoffice der Banken zu einem hochinnovativen und strategisch bedeutsamen Gebiet entwickelt. Der Bereich unterliegt einem kontinuierlichen Wandel, angefangen mit dem Übergang vom ausschließlichen Gebrauch von Bargeld und halbbaren Zahlungsmitteln zum bargeldlosen Zahlungsverkehr, die Etablierung des Euro-Zahlungsverkehrsraums (SEPA) bis hin zu aktuellen Trends wie Instant Payments und neuen Marktteilnehmern die keine Banken sind.


Die grundlegende Technologie hinter EBICS ist schon lange im Einsatz. Bereits seit 2008 existiert das internetbasierte Kommunikationsprotokoll für die Übermittlung von Finanztransaktionen für alle an die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) angeschlossenen Kreditinstitute. Auch die Banken in Frankreich und der Schweiz haben sich an EBICS angeschlossen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Länderübergreifend beinhaltet EBICS eine Authentizitätsprüfung, verschlüsselte Datenübertragung, Berechtigungsprüfung des Geschäftsvorfalls sowie Kontrolle der elektronischen Unterschrift.

Beste Voraussetzungen für Europa-Standard

Was ändert sich nun im kommenden November? EBICS 3.0 beinhaltet europaweit einheitliche Vorgaben für die gesicherte Datenübertragung zwischen Firmenkunde und Bank beziehungsweise von Bank zu Bank – und schafft damit die Voraussetzungen, sich als europäischer Standard zu etablieren. Möglich macht dies insbesondere das Identifizierungsmerkmal namens Business Transaction Format (BTF), das zur einheitlichen und strukturierten Kennzeichnung von Geschäftsvorfällen und der dafür zulässigen Formate dient.

Bevor die Geldhäuser und Unternehmen aber vom Mehrwert eines europäischen Standards profitieren können, gilt es zunächst, die Herausforderungen zu meistern, die mit der Umstellung verbunden sind. Zum einen müssen die Kreditinstitute ihre Kunden von den Vorteilen überzeugen, damit diese auf EBICS 3.0 wechseln. Zum anderen muss das BTF-Konzept in die bestehenden Vereinbarungen mit dem Kunden integriert und existierende Autorisierungen von Unterschriftsberechtigten übertragen werden. Bei der Erstellung des richtigen Mapping-Konzepts ist die Unterstützung durch erfahrene Dienstleister sinnvoll. 

Unterschiedliche Zertifizierungsverfahren

Trotz aller Verbesserungen, die EBICS 3.0 für den europaweiten Zahlungsverkehr bringen wird, ist auch das neue Verfahren nicht gänzlich frei von Schnittstellenproblemen. So muss die Authentizität der für die EU auf Basis von Zertifikaten verwendeten Schlüssel in Frankreich durch eine zentrale Zertifizierungsstelle (CA) bestätigt werden. Die französischen Zahlungsdienstleister fordern die europaweite Einführung ihres Systems. Deutsche Banken nutzen das INI-Brief-Verfahren, das auf einem bilateralen Austausch ohne zentrale Instanz beruht. Die DK schätzt die Nutzung von CA-Zertifikaten nach französischem Vorbild nicht als sicherheitserhöhend ein und kann auch nicht auf die notwendige Infrastruktur zurückgreifen. Daher will sie vorerst am bewährten Verfahren der per INI-Brief authentifizierten Schlüssel festhalten.

Einheitliches eID-Verfahren als Marktchance

Die unterschiedlichen Ansätze der Länder hinsichtlich des Einsatzes von Zertifikaten im EBICS-Verfahren, mit denen sich Nutzer eindeutig ausweisen können, lassen sich kurzfristig nicht harmonisieren. In Zukunft wäre jedoch eine weitergehende Standardisierung wünschenswert.

Doch nicht nur in der Welt des elektronischen Zahlungsverkehrs spielen digitale Identitäten eine Rolle. In nahezu allen Lebensbereichen hat die Digitalisierung Einzug gehalten und schickt sich an, klassische Produkte und Dienstleistungen in die digitale Welt zu überführen. Umso wichtiger ist es, natürliche Personen in volldigitalen Prozessen eindeutig identifizieren zu können. Viele finanzbranchenfremde Akteure bieten bereits elektronische Identifikationsverfahren an – allerdings bislang ausschließlich Silolösungen. Kein System besitzt bislang die notwendige kritische Masse, die es zu einem universellen Identitätsverfahren qualifizieren würde.

Dabei liegt die Lösung aus Sicht der Kreditinstitute eigentlich auf der Hand: Selber machen. Banken wären prädestiniert dafür, ein interoperables ID-Verfahren zu betreiben. Zum einen, weil sie ohnehin im Besitz des Identitätsnachweises sind. Zum anderen, weil die Kunden ihnen wegen ihres robusten Zahlungsnetzwerks und hoher IT-Sicherheitsmaßnahmen mehr vertrauen als anderen Anbietern. Alles was die Banken tun müssten, ist die Entwicklung eines gesicherten Service zum Austausch von Identitätsdaten mit berechtigten Interessenten. Dafür ist die Zusammenarbeit mit einem Technologiepartner nötig.

EBICS-Erfolgsgeschichte als Blaupause nutzen

Die große Chance für die Banken liegt darin, dass ein solches System nicht nur auf die deutsche Bevölkerung beschränkt wäre, sondern eine internationale Lösung darstellen könnte. Die Erfolgsgeschichte von EBICS zeigt, dass Kreditinstitute in Eigeninitiative länderübergreifende Standards etablieren können. Für die Entwicklung eines europaweiten ID-Verfahrens haben die Kreditinstitute beste Voraussetzungen.

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