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08.03.2018 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Kernbank, öffne Dich!

Autor:
Stefan Terliesner

Seit ein bis zwei Jahren stellen Großbanken Fintechs vorab definierte Programmierschnittstellen für die Entwicklung neuer Services zur Verfügung. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor.

Mit der Digitalisierung löst sich die Verbindung von Banking und Kreditinstitut auf. Als Katalysator dieser Entwicklung wirkt die EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Sie läutet eine neue Zeitrechnung ein. Denn Geldhäuser müssen externen Dienstleistern einen kostenfreien Zugang zum Konto des Kunden über eine Anwendungsprogrammierschnittstelle (engl.: Application Program Interface, API) ermöglichen, wenn der Kunde dem zustimmt. Als neue Wettbewerber der Kreditinstitute sieht die Richtlinie drei Gruppen vor:

  • Zahlungsauslösedienste, denen Zugriff auf das Konto eines Kunden erlaubt wird.
  • Kontoinformationsdienste, die Kontodaten von mehreren Zahlungsdienstleistern bündeln.
  • Nichtkontoführende Dienstleister können die Ausgabe von Zahlungskarten anbieten.

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Auswirkung der Digitalisierung auf die Kernbanksysteme deutscher Banken

Die Finanzinstitute stehen derzeit vor vielen Herausforderungen. Zum einen führt der digitale Wandel dazu, dass neue Teilnehmer mit innovativen Dienstleistungen in den Markt eintreten und sich dadurch ein erhöhter Wettbewerbsdruck und gesteigerte Bedürfnisse bei den Kunden entwickeln.

Es ist evident, dass diese Öffnung den Markt aufmischen wird. Bisher gibt es zwar einige Kooperationen zwischen Banken und Fintechs, diese basieren aber fast alle nicht auf einer Schnittstelle zum Kernbanksystem. Genau diese Öffnung ermöglicht PSD2 jetzt. In der Folge verändern sich nicht nur die Front-Ends, sondern Kreditinstitute haben ihrerseits die Chance, den Prozess mitzugestalten, indem sie selbst zum Drittanbieter neuer Services werden.

PSD2 ist nicht nur eine regulatorische Aufgabe

Sven Korschinowski, Mit-Autor des Springer-Buchs "Innovationen und Innovationsmanagement in der Finanzbranche", rät den etablierten Geldhäusern, PSD2 nicht nur als regulatorische Aufgabe zu betrachten, sondern als "neuen Weg, um ihre wertvollen Kundendaten zu monetarisieren". Daher unterscheidet er zwischen regulatorisch vorgegebenen Schnittstellen und darüberhinausgehende, nicht regulierte API, an denen Dritte (gegen Entgelt) andocken können. Nur bei Letzteren könne die Bank entscheiden, ob die API allen oder nur ausgewählten Adressen zur Verfügung steht.

Auf diesem Weg vorgeprescht ist die Deutsche Bank. Sie hat das Entwicklerportal "developer.db.com" online geschaltet. "Hier stellen wir Fintechs, Start-ups und Markenunternehmen außerhalb des Finanzsektors Testdaten für ihre Entwicklungen zur Verfügung“, erklärt Joris Hensen, der das API-Programm im Jahr 2016 ins Leben gerufen hat. Dort werden Smartphone-Apps und Computer-Programme kreiert. Entscheiden sich Dritte, ihre Anwendung über die Schnittstelle anzubieten, und gibt das Bankmanagement dafür seine Zustimmung, kann der neue Service den Kunden der Deutschen Bank angeboten werden.

Kooperation mit Fintech "Dwins"

Für Hensen sind die Daten der Bank "ein starkes Asset". Schließlich lieferten Informationen zu Kontobewegungen und Zahlungspartnern einen tiefen Einblick in den Lebensstil von Kunden. Das mache die Daten auch für Unternehmen aus anderen Branchen wertvoll. "Die Deutsche Bank betrachtet ihre Programmierschnittstelle als Grundlage für ihr zukünftiges Plattform-Geschäft", so der IT-Fachmann. Denkbar seien Produkte, die weit über das klassische Bankgeschäft hinausgehen. Zunächst aber soll die API unter anderem auf das Firmenkunden-Segment erweitert werden.

Die DZ Bank kann als Großbank hier Konkretes vorzeigen. Nach einer Testphase bei 80 Volks- und Raiffeisenbanken wurde beispielsweise der VR-FinanzGuide Ende 2017 im Markt gestartet. Hinter der Unternehmer-Software für Buchhaltung und Finanzen steht eine App von "Figo". Die Verknüpfung erfolgt über die API der DZ Bank. Gemäß den Aussagen einer Sprecherin des genossenschaftlichen Zentralinstituts eröffnet die Anwendung Nutzern die Möglichkeit, Kontoumsätze bei unterschiedlichen Banken abzurufen und zentral einzusehen. Aus der Sicht eines Firmenkunden sei das für den Offene-Posten-Abgleich sinnvoll. Darüber hinaus enthalte die Software einen Zahlungsauslösedienst. So könnten Überweisungen für eigene Verbindlichkeiten angestoßen werden, ohne, dass der Nutzer in sein Onlinebanking wechseln muss.

DSGVO wird API-Anbindung pushen

Einen Schub könnten API-Anbindungen erhalten, wenn die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 in Kraft tritt. Dann herrscht mehr Rechtsklarheit. Laut KPMG-Partner Korschinowski ist das Regelwerk mitbestimmend für die Ausrichtung von Open-Banking-Lösungen. Denn bei jeder Herausgabe von Daten müsse gewährleistet sein, dass diese durch eine explizite Zustimmung des Kunden gedeckt ist und nur Daten des Kunden, nicht aber weiterer Personen umfasst.

Fazit: Die PSD2 beschleunigt die Entwicklung von Anwendungen, die Banking nicht mehr bei einer Bank, sondern im Alltag der Menschen stattfinden lassen. Die Digitalisierung und ihre Folgen macht an den bisher regulatorisch abgeschirmten Pforten des Bankensektors nicht mehr Halt. Jede Bank muss sich – wie Springer-Autor Werner Dorschel, Managing Partner und Gründer der DPS Gruppe in der Überschrift seines Buchkapitels aus dem Buch "Digital Banking" – die Frage stellen: "Ist die Bank-IT im digitalen Transformationszeitalter angekommen?" (Seite 69). Von Antwort und Umfang der Digitalisierung hängt die Zukunftsfähigkeit der meisten Kreditinstitute ab.

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