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10.09.2015 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Banken und Fintechs rücken zusammen

Autor:
Eva-Susanne Krah
3:30 Min. Lesedauer

Kreditinstitute und Fintechs haben erkannt, wo die Chancen und Risiken für gemeinsames Geschäft im Bankenmarkt liegen. Das zeigte die erste Konferenz zur Finanztechnologie in Frankfurt am Main.

Ob Start-up, Bank oder Investor – "die gegenwärtige Digitalisierung in der Finanzindustrie beschäftigt jeden in der Branche", sagte Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies (CFS) an der Goethe-Universität, auf der ersten Konferenz für Finanztechnologie in Frankfurt am Main. Der Umbruch, in dem die Finanzbranche steckt, wurde auf der Fachkonferenz, die das CFS gemeinsam mit dem Bankmagazin veranstaltete, an vielen Stellen deutlich.

Zum einen wirbeln Fintechs das Kerngeschäft der Banken neu auf. Klassische Geldhäuser müssen ihre Geschäftsmodelle teils völlig neu denken. Die neuen digitalen Möglichkeiten der Kundenansprache müssen die Institute schneller adaptieren, wenn ihnen die digitale Transformation gelingen soll. Zum anderen dokumentiert ein enormer Kapitalfluss hin zu innovativen Unternehmen, die in der Gründungsphase oder bereits beim Ausbau ihrer Geschäftstätigkeit sind, das Ausmaß der Fintech-Revolution. „Das Finanzierungsvolumen bei Fintechs hat sich von 2013 auf 2014 verdreifacht“, stellte die Bankmagazin-Herausgeberin Stefanie Burgmaier fest. "Die meisten Investoren versuchen, sich über Corporate Venture Capital zu beteiligen", weiß Brühl.

Viele große Player im IT-Sektor haben sogar schon eine Banklizenz, beispielsweise Google, Facebook oder Apple. Schrittweise übernehmen sie Zahlungsdienste, als nächstes könnten sie Finanzierungslösungen anbieten. Beides trifft den Kern des Bankgeschäfts. Als weitere Wettbewerber nicht zu unterschätzen sind jedoch auch Telekommunikations- und Mobilfunkanbieter. Sie verfügen über eine breite Kundenbasis und können mit Big Data umgehen.

Fintechs nutzen Regulierungsnischen

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Aus Sicht von Friederike Stradtmann, Expertin für digitale Geschäftsmodelle bei Accenture, wirken Fintech-Pioniere auf zweierlei Weise im Bankenmarkt. Sie bringen neue Ideen ein, seien aber auch „angetreten, die Branche umzukrempeln“, sagte die Unternehmensberaterin auf der Bankmagazin-Konferenz. Im Zahlungsverkehr und speziell im Kreditgeschäft zeige sich, wie sehr sich einzelne Start-ups schon etabliert hätten. Zudem nutzten Fintechs mit ihren Geschäftsmodellen derzeit noch gezielt die Nischen der Regulierung. Für Timur Peters vom Forderungsmanagement-Spezialisten Debitos ist es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis es auch für die jungen Wilden der Finanzbranche Regeln geben wird. Peters verweist auf das im Juli 2015 in Kraft getretene Kleinanlegerschutzgesetz, das den Fintechs bereits etliche Hürden beschere. Trotzdem rollen auch auf die klassische Bankberatung neue digitale Geschäftsideen zu. Das zeigen Robo-Adviser wie Vaamo, die Privatanlegern eine automatisierte Portfoliogestaltung bieten. Bisher war dieses Feld Private-Banking-Kunden vorbehalten. Vaamo-Gründer und Vorstand Oliver Vins glaubt, dass das normale Privatkundengeschäft zunehmend durch solche Geldanlageplattformen abgedeckt wird, weil sie günstiger sind, Mehrwert bieten und vor allem junge, online-affine Kundenzielgruppen ansprechen.

Allianzen mit Banken machen Sinn

Die Experten auf der Konferenz waren sich größtenteils einig, dass Geldhäuser mit Fintechs den Schulterschluss suchen und auf Augenhöhe zusammenarbeiten sollten. Speziell für die deutschen Banken stecken laut Jochen Siegert, Chief Operating Officer bei Traxpay, darin "mehr Chancen als Risiken". Allerdings seien die Kooperationen durchaus fragil und sollten daher immer wieder überprüft werden. Zudem müsse in den gewachsenen Konzernstrukturen der Kreditinstitute die Agilität von Fintechs erst einmal Einzug halten, glaubt Stradtmann von Accenture.

Interessante Beispiele solcher Kooperationen zwischen Banken und Fintechs gibt es bereits. Die Berliner Volksbank arbeitet zum Beispiel mit Schutzklick zusammen, einem Online-Versicherer. Das genossenschaftliche Institut ist auch für weitere Start-ups offen, verspricht Carsten Jung, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Berliner Volksbank. Vor dem Hintergrund der Innovationskultur im Bankenmarkt plädierte er dafür, bei Innovationen stärker die Kundenseite im Blick zu haben statt vorrangig die IT des eigenen Hauses. Ein weiteres Beispiel ist die Commerzbank, die mit Main Incubator als Ankerinvestor junge Unternehmen im Fintech-Bereich unterstützt. Die Anforderungen für Kooperationen mit jungen Fintechs im Bankensektor folgen dabei für Christian Hoppe, Main Incubator-Geschäftsführer und Head of Credit Solutions in der Mittelstandsbank der Commerzbank, gleichen Prinzipien wie bei allen Gründern: "Der Business Case muss sich rechnen."

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