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28.11.2018 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Landesbanken tüfteln an Schuldschein-Plattformen

Autor:
Barbara Bocks
3 Min. Lesedauer

Ob mit Finpair, VC Trade oder Debtvision, deutsche Landesbanken experimentieren mit digitalen Lösungen, um Schuldscheine abzuwickeln. Auf dem Weg zu deren Einsatz gibt es allerdings noch ein paar Stolpersteine.

Nachdem der Schuldscheinmarkt 2017 einen Rekord hinlegte, senkt die LBBW aktuell ihre Erwartungen und rechnet für 2018 nur mit einem Gesamtvolumen von höchsten 20 Milliarden Euro. "Die Belastungsfaktoren durch den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie Europa bleiben und die Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren mit Liquidität vollgesogen", heißt es in einer Studie der Bank aus dem Juli.

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"Im vergangenen Jahr wurden im Jahresverlauf Schuldscheine im Wert von 28,8 Milliarden Euro bei 161 Transaktionen emittiert. Das Gesamtvolumen lag 2018 bis Ende September bei 16,7 Milliarden Euro und 114 Deals", sagt Peter Riedel, Managing Director und Head of Illiquid Products bei der Finanzplattform Debitos, gegenüber Springer Professional. Aber dennoch ist auch 2018 kein schlechtes Jahr für Schuldscheine. "Während etwa in den ersten drei Monaten  nur 5,3 Milliarden Euro platziert wurden, hauptsächlich getragen vom Schuldschein der Rewe Group mit einem Volumen von einer Milliarde Euro, wurden im dritten Quartal wieder Schuldscheine über 7,8 Milliarden Euro emittiert", so Riedel weiter.

Das Segment ist für die großen deutschen Landesbanken traditionell ein beliebtes Geschäftsfeld. Im ersten Halbjahr 2018 baute die Bayern LB ihr Kreditgeschäft mit Firmenkunden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um eine Milliarde auf 54 Milliarden Euro aus. Das lag laut Angaben des Instituts vor allem an Bridge-Finanzierungen im Rahmen von Mergers & Acquisitions (M&A) sowie Bietungsgarantien. So genannte Take-outs realisiert das Institut mit­tels syndizierter Kredite sowie mit Schuldscheindarlehen und Anleihen, heißt es in der Bankmagazin-Titelgeschichte vom November "Institute befinden sich in schwierigem Fahrwasser" (Seite 13).

Schuldscheine werden häufiger digital abwickelt

Neben der LBBW haben unter anderem die Helaba sowie Bayern LB das Potenzial erkannt, das die digitale Abwicklung von Schuldscheinen birgt. "Sie nutzen die digitale Emissionsplattform VC Trade, die bereits 14 Emissionen abgewickelt hat“, erklärt Riedel. Am 19. November hat außerdem die Nord LB laut Medienberichten bekanntgegeben, mit Finpair als Tochter eine eigene Schuldscheinplattform zu bauen. Auch die LBBW tüftelt gerade an einem eigenen digitalisierten Prozess. "Nach den ersten Blockchain-Projekten mit Daimler und Teléfonica Deutschland im Schuldscheingeschäft arbeiten wir im Augenblick daran, die technische Entwicklung weiter voranzutreiben. Dabei stehen wir heute noch vor einigen externen, nämlich rechtlichen und regulatorischen Hürden", sagt Joachim Erdle, Leiter Corporate Finance der LBBW.

Die Bank sei aber in einem sehr guten, detaillierten Dialog mit den Behörden. Eines der wesentliche Themen sei die digitale Signatur. Die Bundesbank verlangt laut Erdle beim Schuldschein momentan noch eine echte Unterschrift auf Papier. "Da gibt es noch eine ganze Menge zu tun, um den eigentlichen Sinn der Blockchain, nämlich Effizienzsteigerung für unsere Kunden, nutzen zu können", so Erdle gegenüber Springer Professional. "Wir haben uns zunächst mit der Blockchain-Technologie beschäftigt, um die Umsetzung zur optimieren. Jetzt gehen wir den Teil an, der bisher noch nicht digitalisiert ist: Distribution, Marketing und das Zusammenführen von Emittent und Investoren", erklärt der Corporate Finance Experte. Dafür hat die Stuttgarter Landesbank im Sommer gemeinsam mit der Börse Stuttgart ihre neue Plattform Debtvision gestartet, die
sie im nächsten Schritt im ersten Halbjahr 2019 mit der Blockchain verbinden wollen. "Damit hätten wir es erstmalig geschafft, den kompletten
Schuldscheinprozess digital abzubilden", so Erdle.

Digitale Marktplätze werden gefördert

Digitale Prozesse ermöglichen laut Riedel nicht nur Effizienzgewinne, die die Kosten für die Kunden und den Investor reduzieren. Auch Syndicate Funding werde mittels der Digitalisierung begünstigt. Zudem werden digitale Marktplätze laut Riedel von regulatorischer Seite zunehmend gefördert.

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