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24.04.2015 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Digitalisierung erfordert Eingriffe in die Systeme

2:30 Min. Lesedauer

Online-Dienstleistungen und die zu verarbeitenden Informationsmengen nehmen weiter zu. Welche Eingriffe in die IT-Systeme für ein professionelles Datenmanagement nötig sind. Ein Gastbeitrag.

Allein durch die SEPA-Einführung hat das Datenvolumen im Zahlungsverkehr um 400 Prozent zugenommen. Dadurch stoßen die IT-Systeme der Geldinstitute technisch an ihre Grenzen. Die alleinige Verwendung herkömmlicher relationaler Datenbanken reicht nicht mehr aus, denn sie sind zu langsam. Besonders in Direktbanken herrschen große Anforderungen an die Performance der IT-Systeme. Diese Institute haben meist keinen direkten Kundenkontakt. Sie müssen daher mit ihrem Onlineportal überzeugen und sich das Wissen über ihre Kunden auf dem digitalen Kanal erarbeiten.

Angebot an Internet-Services steigt

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Auch Filialbanken investieren inzwischen massiv in mehr Service aus dem Internet. Erst jetzt stellen viele Institute den Versand gedruckter Kontoauszüge ein und stellen Postfächer in ihren Onlinebanking-Portalen bereit. Darüber hinaus steigt das Angebot an virtuellen Auswertungstools. Damit können Kunden ihre Kontoumsätze analysieren und zum Beispiel ihre Ausgaben besser planen. All die eingesetzten Web-Anwendungen erfordern schnelle Zugriffszahlen und eine ständige Erreichbarkeit der Systeme. Andernfalls wechseln die Kunden schnell zum nächsten Wettbewerber. Internet-Konzerne wie Google und Amazon lösen diese Herausforderung über moderne Not-only-SQL-(NoSQL)-Datenbanken. Sie arbeiten schneller, und die IT-Systeme bleiben auch bei großen Zugriffszahlen verfügbar. Die naheliegende Lösung für die Geldinstitute wäre, langsame, relationale Datenbanken gegen schnelle NoSQL-Datenspeicher zu tauschen. Doch das funktioniert nicht. Wenn es beispielsweise darum geht, exakte Kontostände zu liefern, bleiben relationale Datenbanken das Maß aller Dinge. Sie gewährleisten einen konsistenten Zustand der Datenbank und somit die fehlerfreie Ausführung. Die Abbildung zeigt anhand eines Prozessmodells, wie Informationen aus dem Onlinebanking verarbeitet werden und in Datenbanken einfließen.


Digitale Bankprodukte brauchen den richtigen Datenbank-Mix

Defizite in der Performance durch mehr Rechenleistung zu kompensieren, reicht allerdings auch nicht. Entscheider und IT-Projektleiter sollten sich also nicht nur auf einen Datenbank-Typ stützen. Es kommt vielmehr darauf an, zu jeder Aufgabenstellung die passende Speicherart für die zu verarbeitenden Informationen zu finden. Daten zum Nutzerverhalten, wie Session-Informationen, können zum Beispiel in einem äußerst schnellen „Key Value Store“ gespeichert werden. Postfachdokumente wie PDF-Kontoauszüge lassen sich dagegen in einem gesonderten „Document Store“ verwalten. Beziehungen der Kreditinstitute zu ihren Kunden sowie deren Beziehungen untereinander werden wiederum in einer so genannten NoSQL-Graph-Database abgelegt. Kritische Transaktionsdaten wie Kontoumsätze werden jedoch weiterhin in einem relationalen Datenbanksystem verwaltet. NoSQL-Lösungen und relationale Datenbank-Managementsysteme haben damit beide ihre Berechtigung im Bankbetrieb und ergänzen sich idealerweise.

Zur Person

Tobias Döbber ist Senior IT-Consultant bei der Unternehmensberatung PPI. Seine Schwerpunkte liegen in der Beratung von Banken. Der studierte Wirtschaftsinformatiker ist bei der PPI AG Themenverantwortlicher und Schulungsleiter für Anforderungsmanagement.

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