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26.06.2023 | Bank-IT | Schwerpunkt | Online-Artikel

Digitalstrategie übernimmt bei Banken eine Schlüsselrolle

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4:30 Min. Lesedauer

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Der klassische Bankensektor hat derzeit viele Baustellen: die Customer Experience verbessern, Cyber-Sicherheit erhöhen, Nachhaltigkeit in Geschäftsmodelle intergrieren und Top-Experten rekrutieren. Mit digitaler Technik gelingt dies oft leichter - wenn die Strategie stimmt. 

"Als vor einigen Jahren die ersten Start-ups mit innovativen Geschäftsmodellen in den Markt traten, waren die traditionellen Banken noch in ihrer alten IT-Landschaft gefangen. Sie hatten mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen, während neue Player wie die Solarisbank oder N 26 auf neuer Technologie aufsetzen und deswegen viel schneller und flexibler agieren konnten", fasst Stephan A. Paxmann, Leiter des strategischen Entwicklungsbereichs Digitalisierung und Innovation bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die Ausgangslage der Bankenbranche zusammen. Im Interview mit der Zeitschrift "Bankmagazin" erläutert der Experte, wie sein Haus an das Thema herangeht.  

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Mit neuen Technologien flexibler agieren

Dass digitale Technologien und entsprechende Strategien eine Schlüsselrolle bei der Auswertung von Daten in der Bankenbranche spielen, berichtet auch der IT-Anbieter DXC Technology in einem aktuellen Trend-Papier. Die Experten identifizieren fünf zentrale Bereiche, in denen sie für mehr Flexibilität sorgen: ein sich veränderndes Verbraucherverhalten, neue Cyber-Risiken, ein verschärfter Wettbewerb, verstärkte Nachhaltigkeitsinvestitionen und die Gewinnung neuer Talente. 

"Banken arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, das Kundenerlebnis zu verbessern. Sie müssen dabei aber branchentypische Technologien mit den neuesten Sicherheitsprotokollen einsetzen." So ermöglichen neue Technologien, schnell neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen, Kundenkontakte künftig schneller zu erweitern, die Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten und die Konnektivität mit Partnern zu verbessern. Über Open-Banking-Protokolle werden beispielsweise Daten zwischen den Akteuren des Ökosystems ausgetauscht, um für mehr innovative Angebote zu sorgen, "wenn Nutzer einer solchen Datennutzung zustimmen".

Digitale Vorstöße ausländischer Konkurrenten

Als Vorreiter für den Einsatz digitaler Geschäftsmodelle gilt unter anderem JP Morgan Chase. Verschiedene Medien hatten bereits im Herbst vergangenen Jahres berichtet, dass das US-Institut 2024, spätestens aber 2025, eine digitale Bank in Deutschland eröffnen wolle. Unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt, dass hierfür ein Standort in Berlin aufgebaut werde. Bislang ist der US-Wettbewerber in der Bundesrepublik vor allem im Firmenkundensegment und im Investmentbanking aktiv. Von der deutschen Hauptstadt aus könne dann in andere Märkte expandiert werden, heißt es in dem Beitrag von Februar 2023. Im Fokus von JP Morgan Chase stehen vor allem Berufstätige. 

Allerdings haben andere Banken ihre Vorstöße in dieser Richtung wieder etwas zurückgeschraubt. Hierzu gehören Goldman Sachs mit der Digitalbank Marcus oder die Citigroup, die jüngst in insgesamt 13 Ländern das Privatkundengeschäft wieder eingestellt hat. 

Anders agieren europäische Wettbewerber: Laut DXC nutzen die britische Lloyds-Bankengruppe eine dreijährige Digitalisierungsstrategie und die spanische Santander Big Data, um das Kundenerlebnis und den -service sowie die digitale Transformation voranzutreiben. Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Banken ihre Betriebsmodelle allerdings überdenken: Eine einfachere und bessere Datenintegration, effizientere Prozesse, schnellere Reaktionszeiten und die Schaffung von "Plug & Play"-Plattformen sorgen für ein widerstandsfähigeres Geschäft und ermöglichen eine schnellere Monetarisierung der verfügbaren Daten.

Kooperationen mit Fintechs intensivieren

Dabei ist vor allem die Cyber-Sicherheit ein zentraler Faktor. "Daher werden die Banken auch weiterhin stark in die Abwehr von Cyber-Angriffen, Datenverletzungen und Finanzkriminalität investieren", heißt es im Thesenpapier. Ein möglicher Lösungsansatz seien Partnerschaften mit  Finanztechnologieunternehmen, um den Zahlungsverkehr, das Underwriting oder die App-Entwicklung zu optimieren. 

Banken und Sparkassen nutzen die Möglichkeit, mit Fintechs enger zu kooperieren und selbstständig digitale, innovative Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig glaube ich, dass die Geldhäuser erkannt haben, dass sie aber auch nicht alles selbst entwickeln müssen. Manchmal fehlen dazu die fachlichen Kompetenzen, die Zeit oder das Budget. Dann ist es sinnvoll, mit einem Fintech zusammenzuarbeiten und dessen Lösung in das eigene Angebot zu integrieren. Sehr wichtig ist dabei jedoch, das in einem regulierten Umfeld zu tun", berichtet auch Digitalisierungsexperte Paxmann von der LBBW. 

Ebenso müssen sich Fintechs, die eine Partnerschaft mit Banken anstreben, auf die komplexen Verpflichtungen der Institute in Bezug auf Regulierung, Cyber-Sicherheit und Risikomanagement vorbereiten, wenn sie eine erfolgreiche Beziehung aufbauen wollen, raten die DXC-Experten.

Digitalisierung in vielen Bereichen sinnvoll

Zentrale Digitalisierungsfelder sind ihnen zufolge das professionelle Identitätsmanagement, aber auch Nachhaltigkeitsprojekte wie der Aufbau entsprechender Ökosysteme für den Mittelstand oder das Controlling von Investitionen mit ökologischem, sozialem oder gesellschaftlichem (ESG) Bezug. 

Daneben helfen digitale Tools dabei, das Recruiting neuer Talente zu optimieren. Das betreffe die Aus- und Weiterbildung des vorhandenen Personals ebenso wie die Einstellung von Mitarbeitern, um Lücken bei der Qualifikation zu schließen und Wachstumsbereiche zu bedienen. Um die besten Talente zu gewinnen und zu halten, seien Investitionen in Verfahren und Technologien nötig, die die junge Zielgruppe ansprechen und die digitalen Angebote für die Kunden widerspiegeln. 

KI ist ein wichtiges Werkzeug

LBBW-Experte Paxmann ist überzeugt, dass Künstliche Intelligenz (KI) zu den zentralen Zukunftstechnologien im Bankensektor gehört: 

Menschen sind, egal ob beruflich oder privat, sehr Convenience-orientiert. Dinge, die sich schnell und einfach konsumieren lassen, setzen sich durch. Gerade wird KI, zuletzt in Gestalt von Chat GPT, convenient und nutzbar für jeden. Die generative KI ist daher nicht aufzuhalten und Banken müssen nun schauen, wie sie sie ermöglichen und welche regulatorischen Rahmenbedingungen es für ihren Einsatz gibt. Dabei müssen sie insbesondere bei sensiblen Daten Vorsicht walten lassen. Aber eine allgemeine Recherche über ein Unternehmen, dessen Informationen im Internet über Geschäftsberichte vorliegen, lässt sich schon jetzt gut über eine generative KI umsetzen. Manuelle Prozesse lassen sich damit flexibilisieren und auch automatisieren."

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