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08.07.2019 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

"Banken müssen lernen, selbst zu programmieren"

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Geht es um die Bank-IT, wünschen sich die Führungskräfte flexiblere Systeme, die offen für individuelle Anforderungen sind, zeigt eine aktuelle Umfrage. Doch der digitale Wandel stockt. In eigener Software könnte die Lösung liegen. 

Mangelndes Fachwissen, zu viele Regularien und fehlende Strategien des Managements sind die größten Hindernisse bei der digitalen Transformation der Banken. Zu diesem Resultat kommt eine Umfrage unter 102 Führungskräften und Projektleitern in Banken, die der Software-Anbieter Camunda im Mai durchgeführt hat. Die Manager wurden danach befragt, wie sie die digitale Transformation in ihrem Institut bewerten und welche Aktivitäten sie derzeit verfolgen, um das Geschäft digitaler zu machen.

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Gefahren drohen von digitaler Konkurrenz

Die größten Gefahren drohen den Instituten laut Befragung im Zahlungsverkehr durch Apple, Google und Paypal. 74 Prozent der Institute fürchten sich davor, dass ihnen die mobilen Bezahlsysteme der großen US-Konzerne immer mehr Kunden abjagen. Auch bei den klassischen Kontodiensten erwarten zwei Drittel der Manager (68 Prozent) Ertragseinbußen durch die Konkurrenz von Smartphone-Banken wie N26, die Kunden mit einfach zu bedienenden Apps locken. Und bei den Konsumentenkrediten sind es Online-Plattformen wie Smava, die den etablierten Instituten Marktanteile streitig machen, sagen ebenfalls 68 Prozent der Teilnehmer.

Banken bieten ihren Kunden in Deutschland im Regelfall eine große Palette von Produkten und Dienstleistungen an. Nicht jedes dieser Angebote kann durchgängig in der vorhandenen Software abgebildet werden und ist dafür vorgesehen", beschreibt Holger Biernat im Buchkapitel "Aktuelle Situation der IT und der IDV bei den Banken in Deutschland" die Lage der Branche auf Seite 13. 

Durch die Vielfalt gebe es System- oder Medienbrüche, "also Schnittstellen, die überwunden werden müssen", sagt der Springer-Autor. Wo beispielsweise Standard-Schnittstellen fehlen, griffen die Institute daher eigene Entwicklungen oder manuelle Umsetzungen zurück.

Selbstentwickelte Software als Lösung

Doch vor allem die veraltete IT in den Geldhäusern belastet laut der Umfrage viele Mitarbeiter. 54 Prozent bewerten ihre Systeme als generell fehleranfällig. Die zur Verfügung stehenden Tools seien undurchsichtig und die Kernsysteme schnitten bei der Performance schlecht ab. Beispielsweise zeigen sich nur etwas mehr als die Hälfte zufrieden oder sehr zufrieden mit der Geschwindigkeit, in der etwa nächtliche Buchungen ablaufen. 

"Banken müssen ihre Kernsysteme ablösen und sollten lernen selbst zu programmieren", erklärt Camunda-Chef Jakob Freund. Laut Umfrage haben auch bereits zwei Drittel der Institute entschieden, Software wie etwa quelloffene Module künftig in eigener Regie entwickeln zu wollen. Mit Open Source ersparten sich Banken "viel Arbeit" und verminderten die Abhängigkeit von den Herstellern, so das Fazit.

Großer Handlungsbedarf in vier Bereichen

Die Springer-Autoren Sascha Herrmann und Uwe Heinke haben im Buchkapitel "Auswirkung der Digitalisierung auf die Kernbanksysteme deutscher Banken" (Seiten 203 f.) vier Bereiche mit dem größten Handlungsbedarf identifziert: 

  1. Modernisierung der Architektur: Die veralteten Architekturen erschwerten die Weiterentwicklung und erhöhen den Wartungsaufwand. Dadurch seien schnelle und flexible Änderungen nicht möglich und verlängerten Produkteinführungszeiten. Besonders der digitale Wandel erfordere die schnelle Einbindung neuer Technologien und (externer) Dienstleistungen. Die Umstellung auf eine Omnikanal-Plattform bedinge eine einheitliche Integration der Daten auf eine Basis.
  2. Erhöhung der Verarbeitungsgeschwindigkeit: Aufgrund der Stapelverarbeitung in den Prozessen könnten Transaktionen und Daten nicht in Echtzeit verarbeitet werden. Außerdem könne der Zugriff auf die Kernbanksysteme deshalb nicht permanent zur Verfügung gestellt werden, und die Kunden müssten ihre Daten über Zwischensysteme ändern. Dies habe zur Folge, dass die Änderungen häufig erst einen Tag später im Kunden-Frontend erscheinen.
  3. Standardisierung von Schnittstellen: Eine weitere Herausforderung sei die hohe Anzahl an individuellen Schnittstellen. Zum einen besäßen bereits kleinere IT-Systeme viele Schnittstellen, die den Wartungsaufwand weiter erhöhen. Durch die individuelle Entwicklung finde überwiegend weder im Markt noch in den Banken eine Standardisierung der Schnittstellen statt, die einen einfacheren Austausch der angebundenen Module ermöglichen würde. Diese Herausforderung weise deshalb eine enge Verzahnung mit der Architektur auf.
  4. Reduzierung der Komplexität: Insgesamt wiesen die IT-Systemlandschaften eine hohe Komplexität auf. Der Grund: Veraltete Module würden nur selten entfernt, auch wenn sie nicht mehr genutzt werden. Zudem entwickelten Banken vermehrt Fassaden und Workarounds um die Kernsysteme herum. Das führe führt dazu, dass Redundanzen entstehen, weil den unterschiedlichen Systemen im Verbund nicht bekannt ist, dass bestimmte Daten und Funktionen bereits vorhanden sind. So entstehe häufig Middleware, die die Komplexität in der Gesamtheit weiter erhöht.

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