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05.04.2017 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Kernbanksysteme müssen moderner werden

Autoren:
Sascha Herrmann, Uwe Heinke

Eine Untersuchung von Kernbanksystemen in Banken belegt: In vielen Fällen lahmt das IT-Herz der Kreditinstitute. An einer Operation am offenen Herzen führt kaum ein Weg vorbei, meinen Sascha Herrmann und Uwe Heinke von PPI in ihrem Gastbeitrag.

Banken werden im Zeitalter der Digitalisierung immer stärker zu Getriebenen. Intern wie extern wächst der Druck. Die Finanzinstitute ringen um Kostensenkungen und Effizienzgewinne. Dazu trägt auch der enorme Wettbewerbsdruck durch neue Marktteilnehmer wie Fintechs und Internet-Giganten bei. Ausgebremst werden die Kreditinstitute im digitalen Wandel nicht selten durch veraltete Kernbanksysteme. Eine Analyse der PPI in Kooperation mit der Universität Hamburg identifiziert Handlungsfelder und -strategien für Geldinstitute.

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Heutige IT-Architekturen sind oft sehr komplex – in der Regel sehr viel komplexer als sie es sein müssten. Eine Vielzahl an Technologien, Produkten, Eigenentwicklungen, Konfigurationen und Schnittstellen fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen …

Häufig werden die Auswirkungen der Digitalisierung bei Geldhäusern nur aus der vertrieblichen Perspektive im Frontend untersucht. Um die Auswirkungen auf die Backend-Systeme zu analysieren, wurden 14 anonymisierte Interviews mit hochrangigen IT-Entscheidern in Banken und ihren zugehörigen Rechenzentren geführt. Die Auswertung zeigt: Eine Operation am Herzen der Institute erscheint für einige Bankhäuser unausweichlich. Denn die Kernbanksysteme bremsen eine Reihe von Digitalisierungsvorhaben aus.

Die Studie identifiziert vier grundsätzliche Handlungsfelder für Geldinstitute, um ihre IT der digitalen Transformation anzupassen:

1.    Architektur modularisieren
Die Kernbanksysteme sind zum Teil über Jahrzehnte gewachsen. Häufig gibt es nur noch wenige Mitarbeiter, die über Expertise in den alten Programmiersprachen und Technologien verfügen. Zugleich behindert die komplexe und undurchsichtige Architektur der Altsysteme den Kanalwechsel und damit viele Zukunftsprojekte.

2.    Reduzierte Komplexität
Aufbauend auf den Legacy-Systemen haben viele Banken Fassaden um die IT-Systeme entwickelt. Die Fassaden versuchen über moderne Anwendungen im Frontend, die veralteten IT-Systeme im Backend zu verdecken. Häufig sind mehrerer Schichten (Layer) mit vielen verschiedenen Satellitensystemen entstanden – ohne einheitliche Datenbasis. Vielerorts erhöhen Workarounds die Komplexität noch einmal.

3.    Batch-Verarbeitung ablösen
Durch die nicht mehr zeitgemäße Batch-Verarbeitung stehen die IT-Systeme nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung. Deshalb ändert der Kunde seine Daten häufig in Zwischensystemen, die dann zeitversetzt über Batches in die Systeme eingespielt werden. Gleichzeitig wird aber sowohl aus regulatorischer als auch aus Kundensicht der Zugriff auf Echtzeitdaten immer wichtiger.

4.    Standardisierte Schnittstellen
Mithilfe von standardisierten Schnittstellen lassen sich neben den eigenen Produkten und Dienstleistungen unkompliziert Drittanbieter in das Ökosystem der Banken integrieren (API-Banking). Nicht zuletzt wird der Austausch der Module in der eigenen Systemlandschaft vereinfacht.

Das Problem: Aktuell ist nur ein geringer Teil vor allem kundenrelevanter Prozesse und Kanäle wirklich durchgängig digital verbunden. Sehr häufig ist noch eine manuelle Weiterverarbeitung erforderlich. Dadurch entstehen jedoch signifikante Medienbrüche. An der Komplexität einiger veralteter Kernbanksysteme scheitern mitunter ganze Projekte. Doch ein Omnichannelbetrieb oder Instant Payments sind ohne End-to-End-Digitalisierung und Echtzeitverarbeitung schwerlich umsetzbar.

Handlungsbedarf erkannt

Die Studie zeigt, dass der Großteil der Teilnehmer bereits mit der Modernisierung begonnen hat. Allerdings handelt es sich hierbei häufig noch um partielle Änderungen, weshalb Themen wie die Echtzeitverarbeitung bisher nur selten realisiert werden können. Neben dem Austausch und der Modernisierung hat sich eine weitere Möglichkeit herausgebildet, die Two-Speed-IT. Dabei wird neben dem Altsystem ein agiles Parallelsystem aufgebaut. Dieses Vorgehen ist insbesondere für Kreditinstitute empfehlenswert, die ihr Kernbanksystem nicht austauschen können oder wollen, aber durch Legacy-Systeme in ihren Digitalisierungsvorhaben gebremst werden.

Ganzheitliche Modernisierung

Der Aufwand für die Umsetzung von Projekten im Kernbankenumfeld steigt weiter an, weshalb die Teilnehmer umfassende Modernisierungen planen. Bei der Neugestaltung der Architektur empfiehlt sich der Einsatz von Service-orientierten Modulen oder Micro-Services. Ein modularer und flexibler Aufbau der IT-Systemlandschaft im Unternehmen unterstützt zudem die Entwicklung einer digitalen Finanzplattform im Ökosystem der Banken. In dieser Phase könnte die moderne Technologie die IT zum Enabler machen und die Rolle als rein abwickelndes Instrument abschütteln.

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