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13.08.2019 | Bankausbildung | Im Fokus | Onlineartikel

Akademische Fachkräfte hängen Bankazubis ab

Autor:
Barbara Bocks

2018 gab es weniger Auszubildende in den Banken als noch vor zehn Jahren. Doch der Strukturwandel schafft neue Bereiche, die bei jüngeren Mitarbeitern beliebt sind. Doch hier ist meist akademisches Know-how gefragt.

Die Anzahl der Auszubildenden in Zentralbanken und Kreditinstituten ist bundesweit von 29.200 im Jahr 2008 auf 19.500 im Jahr 2018 gesunken. Das geht aus der Stellungnahme des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 05/2019 hervor. Betrug der Anteil der Wirtschaftsgruppe "Zentralbanken und Kreditinstitute" an allen Auszubildenden im Jahr 2008 noch zwei Prozent, so sank dieser Anteil bis 2018 auf 1,5 Prozent. 

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Weniger Ausbildungsstellen für Bankkaufleute

Im Jahr 2009 war die Ausbildung zum Bankkaufmann/Bankkauffrau noch auf Platz elf in der Rangliste der Neuabschlüsse. Im Jahr 2018 landet er trotz eher guter Bezahlung im Ranking nur noch auf Platz 18, so die Studie. Während die Gesamtzahl der gemeldeten Ausbildungsplätze um 17,7 Prozent zulegte, sank die Anzahl der Berufsausbildungsstellen für Bankkaufleute von 2008/2009 bis 2017/2018 um ein Drittel.

Der Trend zur Höherqualifizierung verdränge in Teilen die klassische Ausbildung von Bankkaufleuten. "In der Finanzbranche gibt es schon seit Jahren eine Tendenz zur Höherqualifizierung der Tätigkeiten und Berufe", sagt IAB-Forscherin Carola Burkert gegenüber springerprofessional.de. Die Finanzbranche hat nach einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung im Branchenvergleich die höchsten Akademisierungsanteile auf mittleren Fach- und Führungsebenen. Diese akademischen Abschlüsse werden laut Burkert allerdings häufig in Ergänzung zur Bankausbildung erworben.

Schlechtes Image schmälert das Interesse

Insgesamt tun sich Geldhäuser schwer bei der Suche nach geeignetem Nachwuchs, schreibt Bianca Baulig, stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift Bankfachklasse, im Beitrag "Konzepte für ein gelungenes Recruiting". Sie führt aus: 

Geeignete Nachwuchskräfte zu finden, wird für Banken und Sparkassen immer schwieriger. Seit der Finanzkrise hat das Image der Branche gelitten, und junge Menschen schauen genau hin, was ihnen ein Geldhaus als Arbeitgeber bieten kann, bevor sie sich für eine Ausbildung dort entscheiden."

Digitalisierung wird Teil der Ausbildungsverordnung

Die Herausforderungen des Strukturwandels in der Finanzbranche durch die Höherqualifizierung und Digitalisierung greift laut Burkert mittlerweile auch die Ausbildungsverordnung für Bankkaufleute auf. "Das Kompetenzprofil dieses Berufs wird neu beschrieben, da die Digitalisierung im Bankgewerbe deutlich an Dynamik gewinnt und Geschäftsprozesse sowie Arbeitsformen wie etwa in der Kundenberatung grundlegend verändert", so Burkert weiter. Die Novellierung soll im August 2020 in Kraft treten.

Auch für Führungskräfte in Banken ergeben sich aus den aktuellen Entwicklungen einige To Dos. Sie werden in Zeiten schrumpfender Personalkapazitäten und eines zunehmenden Fachkräftemangels stark gefordert, beschreibt Springer-Autor Alfred Burkhart in seinem Artikel "Wie Chefs eine klare Richtung vorgeben" der Juli-August-Ausgabe des Bankmagazin (Seite 62). Führungskräfte müssen sich laut Burkhart aktuell nicht nur darum kümmern, die Stammbelegschaft zu halten, sondern auch die Kompetenzen ihrer jüngeren Mitarbeiter schnell entwickeln und ihr Erfahrungswissen zügig aufbauen, weg von standardisierten hin zu komplexeren Tätigkeiten.

Data Scientists und Programmierer gesucht

Als zukunftssicher gelten Berufe in den Abteilungen Compliance, Risikomanagement, Audit, Regulatory Reporting, Controlling und IT. "Speziell Data Scientists und Programmierer haben hier die Nase vorn", sagt Amra Ljaic, Bereichsleiterin für Banking IT-Deutschland bei Hays, gegenüber springerprofessional.de. Die aktuelle Thematik um Künstliche Intelligenz, Robotics oder Digital Finance treffe den Nerv der Zeit. Daher würden sich junge Führungskräfte bei diesen Themen angesprochen fühlen "und auf dem Markt entsprechend mitmischen wollen".

Auch Positionen wie Anlageberater, Relationship- oder Fondsmanager sind Ljaic zufolge besonders beliebt bei jungen Führungskräften. Darüber hinaus erfreuen sich unter anderem auch Positionen wie Konsortialreferent, Kredit-, Risiko- und Wealth Manager einer hohen Beliebtheit, die unter anderem agile Projektmanagement-Methoden aufweisen. In der Bankenbranche werden allerdings weiterhin auch klassische und moderne Bankberufe benötigt, "da nicht jeder Mitarbeiter von Maschinen oder Robotern ersetzt werden kann", so Ljaic. Der Bedarf am klassischen Bankkaufmann und am Schalterpersonal werde allerdings zurückgehen.

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