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03.08.2018 | Bankenaufsicht | Im Fokus | Onlineartikel

Aufseher nehmen sich IT-Dienstleister von Banken vor

Autor:
Christian Kemper

Wenn Geldhäuser ihre Prozesse outsourcen, sollen künftig auch Partnerunternehmen unter die strenge Bankenaufsicht fallen. Eine europäische Leitlinie sieht aufwendige Meldepflichten vor, deren Folgekosten laut Verbandsvertretern nicht zu unterschätzen sind.

Banken und Sparkassen in Deutschland greifen immer öfter auf die Unterstützung von externen Experten zurück. Sie sollen beispielsweise veraltete IT-Syteme auf Vordermann bringen, Rechenzentren betreiben oder Daten verarbeiten. Solche Auslagerungen sollen nun innerhalb der Europäischen Union einheitlich geregelt werden.

In Deutschland gelten bereits Gesetze für das Outsourcing in der Finanzindustrie, etwa über die Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT), die überarbeiteten Mifid-Vorgaben sowie § 25b Kreditwesengesetz (KWG). Doch die European Banking Authority EBA strebt mit einer neuen Leitlinie einen einheitlichen Rahmen für alle Kreditinstitute und deren Dienstleister in den 28 Mitgliedsstaaten an, der auch die Auslagerung von Daten in die Cloud berücksichtigt. 

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Hoher Verwaltungsaufwand kommt auf Institute zu

Die Überarbeitung der Regelungen zum Outsourcing sieht Dirk Jäger, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), grundsätzlich positiv. Einheitliche europäische Standards würden die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Geldhäusern stärken. Zudem könne so die Zusammenarbeit zwischen Banken und beispielsweise Fintechs verlässlicher gestaltet werden. Jäger warnt aber auch vor den damit verbundenen Anzeigepflichten. Schon der Plan eines Kreditinstituts, leistungsspezifische Aspekte an ein anderes Unternehmen auszulagern, wäre laut der EBA-Leitlinie meldepflichtig. "Dadurch werden die Prozesse der Geldhäuser nochmal teurer", sagte Jäger in Frankfurt am Main Anfang August. Der BdB will unter anderem erreichen, dass dies nur für leistungsspezifische bankaufsichtliche Anforderungen gelten soll.

Das jüngste Outsourcing-Projekt der Fiducia & GAD IT wäre somit vorerst nicht von der neuen EBA-Leitlinie betroffen. Der genossenschaftliche IT-Dienstleister will die Überprüfung und Pflege der Softwarelizenzen von 450.000 Anwendern in 1.200 Volks- und Raiffeisenbanken an Microsoft und Axians IT Solutions auslagern. Mit dem Projekt "SAMOA", was für Software Asset Management Optimierung und Automatisierung steht, soll die Datensicherheit, der Datenschutz und die Auskunftsfähigkeit gegenüber Aufsichtsbehörden erhöht sowie der interne Zeit- und Kostenaufwand gesenkt werden.

Daten per Knopfdruck

"Mittels der neuen SAMOA-Plattform haben wir jederzeit Einblick in sämtliche Softwarelizenzen, die unsere Kunden von uns im Einsatz haben", erklärt Axel Schittek, Leiter IT-Governance bei Fiducia & GAD IT. Was früher per Excel-Tabellen in Einzelabfragen zusammengetragen werden musste, steht heute auf Knopfdruck direkt bereit, verspricht Schittek. SAMOA sorge für Verbindlichkeit, wenn der IT-Dienstleister im Namen seiner Kunden Auskunft geben muss. Auch die Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin hinsichtlich des Software-Asset-Managements könnte die Banken dank SAMOA einhalten.

"Kreditinstitute unterliegen bei der Gestaltung ihrer Aufbauorganisation regulatorischen Zwängen", beschreibt Springer-Autor Joachim Dorschel im Buchkapitel "Organisation und Prozesse der Bank-IT in der Digitalisierung" die Lage der Banken. "Je mehr ein Institut beim Sourcing auf Leistungen externer Unternehmen zugreift, desto wichtiger ist ein effizientes Management der sich aus operativen und regulatorischen Anforderungen ergebenden Aufgaben." Heute erfolgten Organisation, Delegation, Überwachung und Dokumentation dieser Aufgaben im Wesentlichen noch manuell. Doch Dorschel sagt voraus, dass infolge der erwarteten Verschärfung der Aufsicht im Bereich der Auslagerung eine Unterstützung durch Software unabdingbar werde.

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