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16.11.2016 | Bankenaufsicht | Nachricht | Onlineartikel

Bundesbank mahnt Risikopuffer für Finanzstabilität an

Autor:
Eva-Susanne Krah

Die ausreichende Kapitalisierung des Bankensystems und genügend Risikopuffer sieht die Bundesbank weiterhin als oberste Priorität, um das Finanzsystem nachhaltig zu stabilisieren.

"Im aktuellen makroökonomischen Umfeld besteht die Gefahr, dass Marktteilnehmer Risiken unterschätzen", sagte Prof. Dr. Claudia Buch, Vizepräsidentin der Bundesbank, zur Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2016 am 16. November in Frankfurt am Main. Sie könnten "nicht ausreichend berücksichtigen, dass die Preise fallen und Zinsen steigen können."

In den Bilanzen der Kreditinstitute hätten sich Risiken aufgebaut, zum Beispiel starke Zinsänderungsrisiken, die laut dem Finanzstabilitätsbericht insbesondere Sparkassen und Kreditgenossenschaften betreffen. Es würden 

  • mehr niedrig verzinste Kredite mit langen Laufzeiten vergeben, und 
  • der Anteil niedrig verzinslicher Kapitalanlagen habe zugenommen,

so Buch. Dem Finanzstabilitätsbericht zufolge sind durch die Ausweitung der Fristentransformation die deutschen Banken in den vergangenen Jahren gegenüber einem Zinsanstieg verwundbarer geworden. So ist seit 2011 der durchschnittliche Baseler Zinskoeffizient deutlich gestiegen.

Risiken könnten auch entstehen, wenn stark steigende Preise für Wohnimmobilien mit einer deutlichen Kreditexpansion und nachlassenden Standards bei der Kreditvergabe zusammenfallen, erklärte Buch. Beispielsweise dann, wenn die Marktteilnehmer die zukünftige Schuldentragfähigkeit zu positiv einschätzten. Mit rund 50 Prozent der gesamten Darlehen an inländische Privatpersonen und Unternehmen haben sie auch eine wesentliche Bedeutung für die Banken. Aktuell sieht die Bundesbank laut Buch jedoch keinen Hinweis darauf, dass sich ein kredtifinanzierter Boom bei Immobilien aufbaut. Aufgrund der Niedrigzinsen müssten die Marktteilnehmer "auf eine angemessene Vertragsgestaltung achten und hinreichend hohe Risikopuffer aufbauen", betonte sie. "Besser kapitalisierte Banken sind wettbewerbsfähiger und vergeben tendenziell mehr Kredite", so die Vizepräsidentin der Bundesbank. 

Auch die Entwicklung der Fintechs mit ihren technologischen Finanzinnovationen sowie die Finanzintermediäre beobachtet die Bundesbank laut Buch ganz genau. Gemeinsam mit ihren Partnern entwickele die Notenbank derzeit Kriterien für eine gute Überwachung des Sektors.

Niedrigzins trifft kleine und mittelgroße Banken

Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Bundesbank und für die Banken- und Finanzaufsicht zuständig, warnte in Frankfurt, dass die Auswirkungen des Niedigzinses "die kleinen und mittelgroßen Banken" treffe. Es gebe jedoch "kein Universalkonzept", wie man Ertrag sichert. Banken sollten neben einer regelmäßigen Überprüfung ihrer Geschäftsmodelle auch über weitere Kosteneinsparungen nachdenken.

Für Dombret steht jedoch die "Solvenz und Liquidität des deutschen Bankensektors außer Frage." Die Institute hätten in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalmittel erhöht und beim EBA-Stresstest in diesem Jahr gut abgeschnitten. Trotzdem müssten die Institute, um nachhaltig zu sein, ihre Profitabilität steigern. Dombret sagte, bei der Ertragskraft der Banken stehe die Ampel auf Dunkelgelb, "mit der Gefahr, dass das relativ bald auch auf Rot umschlagen kann."

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