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09.05.2018 | Bankenaufsicht | Im Fokus | Onlineartikel

Notleidende Kredite gefährden die Einlagensicherung

Autor:
Barbara Bocks

Der Streit um die europäische Einlagensicherung geht in eine neue Runde. Eine große Rolle spielt dabei unter anderem das Tempo beim Abbau der notleidenden Kredite in Europa.

Die umstrittene europäische Einlagensicherung (Edis) ist schon seit Jahren in Planung. Und ein großer Stolperstein für deren geplante Einführung ist weiterhin das hohe Volumen an ausfallgefährdeten Krediten in der Eurozone. Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie mit den Daten der 76 größten, systemrelevanten Banken in Europa am 7. Mai 2018 herausgefunden. Die Banken in den ehemaligen Krisenstaaten haben laut der Studie zwar im vergangenen Jahr große Fortschritte gemacht, doch halten beispielsweise italienische Großbanken immer noch notleidende Kredite im Wert von 189 Milliarden Euro. In Spanien sind es laut IW-Berechnungen noch rund 100 Milliarden Euro. Im Fall einer erneuten Krise könnten die faulen Kredite vor allem Griechenland, Italien und Zypern vor große Probleme stellen, heißt es in der Studie weiter.

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Um die notleidenden Kredite bis zum Edis-Start 2024 abzuschreiben und um größere Umverteilungen zwischen den Staaten zu verhindern, müsste der Anteil der faulen Kredite bis dahin bei allen europäischen Kreditinstituten bei rund 3 Prozent ihrer Kredite liegen, argumentieren die IW-Experten. Das würde europaweit rund 345 Milliarden Euro kosten, haben die Experten berechnet. "Eine Abschreibung der ausfallgefährdeten Kredite in den Bilanzen europäischer Banken ist kaum möglich, denn private Gläubiger und Staaten können diese Kosten vermutlich nicht tragen", erklärt Markus Demary, Senior Economist im Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte beim IW, gegenüber Springer Professional. Allerdings wären die Verluste für die Banken bei einem Verkauf der ausfallgefährdeten Kredite an Investoren weniger hoch. Es sei aber Demary zufolge nur einzelnen Banken gelungen, Käufer für diese Kredite zu finden.

Betroffene Banken bauen ausfallgefährdete Kredite nur langsam ab

Damit bliebe den meisten Banken nur die Möglichkeit, ihre ausfallgefährdeten Kredite langsam abzubauen. Bis zum geplanten Start der gemeinsamen europäischen Einlagensicherung wird ihnen dies laut Demary kaum gelingen. "Eine Einlagensicherung ohne eine Bereinigung der Altlasten wäre allerdings keine Versicherung, sondern ein Transfermechanismus. Für Deutschland ist ein solcher Mechanismus kaum denkbar", so Demary weiter. Denn traditionell verfüge in Deutschland jede der drei Säulen des Bankensystems über ihre eigene Sicherungseinrichtung. Eine Reform der Einlagensicherung sollte dieses bewährte System laut Demary nicht gefährden.

Auch Maria Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, hält die Zeit nicht reif für Edis, schreibt Springer-Autor Stefan Terliesner in seinem Beitrag „Einlagensicherung spaltet die Eurozone“ der Mai-Ausgabe des „Bankmagazin“ (Seite 23). Und Gerhard Hofmann, Kolaks Vorstandskollege, sieht Terliesner zufolge weiter keinen ausreichenden Fortschritt beim Abbau notleidender Kredite. Er ist wie die IW-Experten der Meinung, dass der Abbau noch Jahre dauern wird.

Misstrauen gegenüber Edis bleibt

An dem Misstrauen gegenüber Edis ändert auch ein Papier der EZB nichts, das im April veröffentlicht wurde. In dem Forschungspapier haben sich Finanzexperten laut des Blogs des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) über Simulationsrechnungen mit den Fragen beschäftigt:

  • Wird das Volumen von Edis ausreichen, um Entschädigungen vorzunehmen?
  • Wie werden risikoorientierte Beiträge die Bankensysteme der einzelnen Länder belasten?
  • Wie werden sich die risikoorientierten Beiträge auf die Kreditinstitute verteilen?
  • Kommt es über EDIS zu systematischen Transferzahlungen zwischen den Bankensystemen der verschiedenen Mitgliedstaaten

Im DSGV-Blog wird dieses EZB-Dokument allerdings heftig kritisiert. Unter anderem werde in der Studie "vernachlässigt, dass die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Entschädigungsfällen insbesondere in Krisenszenarien und bei allgemeiner Einlegerverunsicherung korreliert sind".

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