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29.07.2020 | Bankenaufsicht | Nachricht | Onlineartikel

Sondersitzung soll Licht in die Wirecard-Affäre bringen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
1:30 Min. Lesedauer

Nicht mehr nur die Wirecard-Verantwortlichen treffen Vorwürfe massiven Fehlverhaltens. Auch Aufsicht und Politik geraten zunehmend unter Druck. Eine Sondersitzung des Finanzausschusses soll Licht ins Dunkel bringen.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard ist insolvent. Nicht existierende Gelder in Höhe von 1,9 Milliarden Euro in den Bilanzen haben das Unternehmen, den Ex-Chef Markus Braun und weitere Top-Manager zu Fall gebracht. Die Münchener Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Betrug und Bilanzfälschung vor. Die Ermittler untersuchen aktuell sogar einen "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" seit 2015. Mehr als drei Milliarden Euro könnten so verloren sein, berichten Wirtschaftsmedien.

Warum haben davon weder die Aufsicht noch die Politik etwas bemerkt? Zumindest ihren Part in dem Wirtschaftsskandal sollen Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Nachmittag in einer nicht-öffentlichen Sitzung aufklären, wenn sie sich den Fragen der Abgeordneten stellen. Eine von vielen wird sein, ob das Bundeskanzleramt die China-Expansion des Unternehmens aktiv unterstützt hat, obwohl es bereits Kenntnis von Unregelmäßigkeiten hatte.

Fragwürdige Rolle der Bafin

"Die Liste der offenen Fragen ist in den letzten Tagen nicht kürzer, sondern nur länger geworden", sagte die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus der Nachrichtenagentur Dpa. Ob der Termin aber tatsächlich zur Aufklärung der Vorgänge beiträgt, ist ungewiss. Das meint zumindest FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar. "Entscheidend wird sein, ob man der Bundesregierung abnehmen und zutrauen darf, diesen beispiellosen Skandal umfassend aufzuklären."

In jedem Fall werden in der Sondersitzung auch die Aufsichtsbehörde Bafin und ihr Chef Felix Hufeld im Fadenkreuz stehen. Das Magazin Spiegel berichtet aktuell, dass der Behördenchef den Bundestag in der Causa Wirecard falsch informiert haben soll. Je nach Ausgang könnte die Opposition einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss verlangen.

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