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06.10.2016 | Bankenaufsicht | Interview | Onlineartikel

"Finanzdienstleister sehen wir am Ende der Nahrungskette"

Autor:
Anja Kühner
Interviewt wurde:
Finja Carolin Kütz

ist Deutschland-Chefin bei der Managementberatung Oliver Wyman
in München.

Finja Carolin Kütz, Deutschland-Chefin von Oliver Wyman, spricht im Interview mit Springer Professional darüber, wo es bei Banken noch immer digital hakt, wie sich Regulierung und Digitalisierung gegenseitig beeinflussen und warum Geldhäuser keine Vorreiterrolle innehaben.

Springer Professional: Frau Kütz, aufgrund ihrer virtuellen Güter sind Banken prädestiniert für digitale Geschäftsmodelle. Denken die deutschen Institute radikal genug in Richtung digitale Zukunft?

Finja Carolin Kütz: Das Thema Digitalisierung steht auch bei deutschen Banken mittlerweile oben auf der Agenda. Dabei geht es nicht nur um die Kundenschnittstelle und die Frage, wie man die Beratung und den Produktverkauf vereinfachen kann. Zunehmend rücken auch Fragen nach der internen Effizienz der Geldhäuser in den Vordergrund. Die Bereitschaft der Kreditinstitute, sich dieser Herausforderung zu stellen, hat in den letzten Monaten stark zugenommen. In Großbritannien oder Spanien gibt es allerdings Beispiele für Geldhäuser, die sich schon sehr früh mit dieser Thematik beschäftigt haben.

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Hat die Digitalisierung Einfluss auf die Regulierung – wenn ja, welchen?

Digitalisierung und Regulierung bedingen sich wechselseitig. Einerseits treibt die Regulierung im Zusammenspiel mit dem aktuellen Niedrigzinsumfeld viele Institute an, sich noch intensiver mit den Chancen der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Ein Beispiel hierfür ist der Anteil manueller Arbeit bei internen Prozessen. So werden Tätigkeiten, wie die Datenübertragung zwischen unterschiedlichen Systemen, schnell zu Fehlerquellen, die mithilfe der Digitalisierung verhindert werden könnten.

Andererseits stellt die Digitalisierung auch Regulierer vor neue Fragestellungen. Etwa wie sie mit inhaltlichen Themen – beispielsweise Cyber-Sicherheit – und neuen Spielern, wie den Fintechs, umgehen sollen. Außerdem beschäftigt die Aufseher der Umgang mit neuen Geschäftsmodellen, denn die Regulierung wirkt auch als Eintrittsbarriere für neue Marktanbieter. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wieviel Innovation der Bankensektor braucht und wie die Regulierung ausgestaltet sein sollte, um diese Innovation zu ermöglichen. 

Wo haben Banken derzeit noch den größten Weg vor sich, um bei den Regulierungsanforderungen auf der sicheren Seite zu sein?

Die Geldhäuser verfügen heute über deutlich höhere Kapital- und Liquiditätspolster als noch vor der Krise. Diese wurden sowohl in der Menge als auch hinsichtlich der Qualität deutlich gestärkt. Das Thema Daten, ihre Qualität und Verfügbarkeit ist jedoch ein Bereich, in dem es noch deutlichen Entwicklungsbedarf gibt. Viele Banksysteme sind über die Jahre gewachsen, teils aufgrund von Fusionen, teils durch Weiterentwicklungen ihres Geschäftsmodells. Die Folge ist häufig, dass Informationen in verschiedenen Systemen abgelegt sind. Wenn die Aufsicht diese Informationen nun gemeinsam betrachten möchte, müssen sie erst zusammengeführt werden. Das ist oft schwerer, als man erwarten würde. Hier kann die Digitalisierung mit modernen Datenanalysemethoden helfen, den Prozess zu vereinfachen und zu beschleunigen. 

Sind Kreditinstitute ein Vorbild für andere Branchen, weil sie durch Regulierung und Digitalisierung bereits stark getroffen wurden?

Finanzdienstleister sehen wir hier eher am Ende der Nahrungskette. In der klassischen Industrie spielt die Digitalisierung und damit einhergehend die Frage nach der eigenen beziehungsweise fremden Wertschöpfung schon viel länger eine wichtige Rolle. Auch andere Branchen, etwa die Medien oder die Hotellerie, mussten zum Teil leidvolle Erfahrungen mit digitalen Herausforderungen früher machen als die Finanzbranche. Beide Themen erreichten Finanzdienstleister dagegen relativ spät, aber nun umso kräftiger und zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

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