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08.06.2015 | Bankenaufsicht | Im Fokus

Europas Banken unter Ertragsdruck

Autor:
Eva-Susanne Krah

Europäische Banken müssen ihre Kosten senken und neue Ertragsquellen gezielter ausschöpfen.

K.-U. Hässler | fotolia

Die strengere Regulierung fordert ihren Preis von den europäischen Geldhäusern. Nachdem Vermögenswerte veräußert und Bilanzen verringert wurden, schmälern Kosten die Erträge.

Auf die verschärften Regulierungsvorgaben insbesondere unter Basel III haben die europäischen Banken im Risikomanagement mit verringerten Risikoaktiva (RWA) und Bilanzen reagiert. Rückläufige Vermögenswerte bei gleich bleibenden Kosten haben für die europaweit aktiven Institute jedoch schrumpfende Erträge zur Folge. Das zeigt eine Studie des Beratungshauses Bearing Point, für die Finanzdaten von 156 europäischen Banken auf Basis von Informationen der "The Banker Database" der Financial Times im Zeitraum von 2009 bis 2013 ausgewertet wurden. Darunter Vermögenswerte, Risikoaktiva, Zinserträge, Verwaltungskosten, Personalaufwendungen und Aufwand-Ertrags-Relationen.

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Seit dem Jahr 2011 haben die Geldhäuser demnach ihr Gesamtvermögen um durchschnittlich 11,2 Prozent abgebaut. Doch der prozentuale Anteil an Risikoaktiva nimmt weiter zu und schmälert die Vermögensbasis der Finanzhäuser. Zudem sollte durch die Ausdünnung der Finanzstrukturen die Profitabilität gesteigert werden. Laut dem Bearing-Point-Report steigen jedoch die Betriebskosten relativ zu den Risikoaktiva. Ein Großteil davon entfällt nach Angaben des Beratungshauses auf Personalaufwendungen, da diese nicht Zug um Zug mit der Reduzierung des Vermögens sanken. Während die Großbanken zwischen 2010 und 2013 ihre Personalausgaben im Durchschnitt um 5,2 Prozent reduzierten, stiegen ihre Allgemein- und Verwaltungskosten im gleichen Zeitraum um fünf Prozent. Mittelgroße Geldhäuser konnten ihre Aufwendungen für Personal in der gleichen Zeit durchschnittlich um zwei Prozent senken, während die Allgemein- und Verwaltungskosten im Schnitt um 9,5 Prozent anzogen.

Wettbewerber greifen Ertragstöpfe an

Beim Verhältnis von Aufwand zu Ertrag, der Cost-Income-Ratio (CIR) im Verhältnis zum Gesamtvermögen, standen nach einer Zuordnung zur Bankengröße kleinere Geldinstitute 2013 laut Report bei 56,5 Prozent, mittlere Häuser bei 50,7 und Großbanken bei 57,3 Prozent. Potenzial, um die Situation zu verbessern, sehen die Bankexperten

  • in der stärkeren Automatisierung der Bankprozesse,
  • Synergien zwischen Abteilungen sowie
  • neu ausgerichteten Geschäftsmodellen.

Der wachsende Druck in der Branche, mehr Erträge durch Innovationen bei den Geschäftsmodellen zu erzielen, wird am sichtbarsten in der Entwicklung großer Automobilhersteller wie VW, BMW oder Daimler. Sie haben eigene Bankenableger an den Markt gebracht und bieten ihren Kunden unter anderem Finanzierungsmodelle an, was ihnen Rekordwerte bei Krediten beschert hat. Zudem fordert die Digitalisierung, die eine Welle neuer, rein virtuell agierender Wettbewerber, die Fintechs, in den Bankensektor gespült hat, dass global ausgerichtete Geldinstitute mit adäquaten Strategien reagieren. Die Bankmagazin-Autoren und Gallup-Berater Pa M. K. Sinyan und Marco Nink schreiben im Beitrag "Wandel als Chance sehen" (Ausgabe 1/2015), dass für Finanzinstitute das Tempo von Veränderungen weltweit zunimmt. Bankenspezialist Stefan Terliesner betont im Beitrag "Ohne Schnörkel Geld verdienen" (Bankmagazin-Ausgabe 1/2015), dass es jetzt für Kreditinstitute darauf ankommt, "ein Bewusstsein für Kosten und für ihre eigenen Stärken" zu entwickeln. So lägen beispielsweise im darlehenintensiven Firmenkundengeschäft immer noch attraktive Gewinnspannen, weshalb viele Banken derzeit um diese Klientel besonders ringen. 

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