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04.11.2014 | Bankenaufsicht | Im Fokus | Onlineartikel

Kontrolle geht auf EZB über

Autor:
Stefanie Hüthig
2:30 Min. Lesedauer

Seit dem 4. November 2014 beaufsichtigt die Europäische Zentralbank die Kreditinstitute der Eurozone. Springer für Professionals hat Stimmen zum Wachwechsel gesammelt.

„Bankenaufsichtliches Neuland“ nennt Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, den heutigen Übergang der Kontrolle auf die Europäische Zentralbank (EZB). Bei einer Konferenz Anfang November erklärte Dombret dies zum wichtigsten Schritt finanzwirtschaftlicher Integration im Euroraum seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Die EZB überwacht ab sofort die wichtigsten 124 Geldhäuser in der Eurozone direkt. Alle weiteren Institute werden indirekt über die nationalen Aufsichtsbehörden beaufsichtigt, aber nach einheitlichen Vorgaben der EZB.

Die Kreditinstitute sehen nach Ansicht des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) der Aufsicht durch die EZB positiv entgegen. Dass die neue Aufsicht auch Veränderungen mit sich bringe, sei nur normal, meint Bankenverband-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. Daran würden sich die Banken gewöhnen. Wichtig sei es, dass es zu einer einheitlichen Auslegung und Anwendung der Regeln komme.

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Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), ist der Meinung, dass international tätige Bankkonzerne auch auf Augenhöhe beaufsichtigt werden müssen. Insofern sei die EZB-Aufsicht mit ihren international besetzten Teams der richtige Weg. Allerdings warnt er vor einer ausschließlich standardisierten und schematischen Aufsichtspraxis für die kleineren Häuser. Anstatt auf eine ausschließliche Anwendung des internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS hinzuarbeiten, sollten strenge nationale Standards wie das Handelsgesetzbuch (HGB) bestehen bleiben, so Fahrenschon. Zusätzlich rät er, an dem so genannten proportionalen Aufsichtsansatz festzuhalten. Dabei werden die unterschiedlichen Geschäftsmodelle von Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken sowohl quantitativ als auch qualitativ beurteilt.

Sparda-Banken fordern EZB-Gremium für kleinere Institute

Von einem „Umbruch in der Aufsichtspraxis kleiner und mittelgroßer Banken“ spricht Joachim Wuermeling. Ähnlich wie der DSGV befürchtet der Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Sparda-Banken, dass spezifische Geschäftsmodelle Schritt für Schritt weniger berücksichtigt würden „und wir stattdessen europäische Durchschnittskennzahlen anwenden müssen“. Wie im Interview mit Bankmagazin erklärte der Sparda-Chef, dass die Regulierungsflut kleine und mittlere Institute gefährde. Sinnvoll wäre in seinen Augen ein Gremium bei der EZB mit kleineren Instituten, das seine Perspektive einbringt und Probleme diskutiert. Bislang sehe die europäische Konstruktion keinen unmittelbaren Kontakt zwischen der EZB und den mittelständischen Banken vor. Dafür ist weiterhin die deutsche Finanzaufsicht Bafin zuständig. Sie könne zwar für Einwände von einzelnen Instituten Verständnis zeigen, sei aber an die Vorgaben der EZB gebunden. Wuermeling fürchtet, dass „bewährte Aufsichtspraktiken“ nicht mehr fortgeführt werden können. Er hofft, „dass Auseinandersetzungen darüber zwischen der EZB und der Bafin am Ende nicht auf dem Rücken der beaufsichtigten Institute ausgetragen werden“.

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