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08.05.2013 | Bankenaufsicht | Interview | Onlineartikel

"Gläubiger müssen wieder in Haftung genommen werden“ - Teil 3

Autor:
Stefanie Hüthig

Professor Dr. Jan Pieter Krahnen erklärt im Interview in der Mai-Ausgabe des BANKMAGAZIN unter anderem, wie das Bail-in-Anleihen-Konzept die Stabilität des Bankensystems verbessern könnte. Lesen Sie hier das Interview in der Langfassung, Teil 3: Unterschied zwischen Kunden- und Handelsgeschäft.

Springer für Professionals: Denken Sie, dass die Bail-in-Anleihen Einfluss auf die Beziehung zwischen Bank und Kunde hätten?

Krahnen: Nein, ich glaube aber, dass sich auf der Kostenseite etwas verändern wird. Das System wird stabiler, weil die Gläubiger der Banken mehr Risiken tragen. Dies müssen die Banken mit höheren Coupons bezahlen. In der Folge werden die Preise für alle Bankdienstleistungen steigen.

Also dürfen wir uns wahrscheinlich auch bald von dem Preiskampf, den wir ja über Jahre gesehen haben, verabschieden?

Nein, der Preiskampf wird sicherlich bleiben, weil der Wettbewerb bleibt. Durch die neuen Technologien und den dadurch erleichterten Marktzugang könnte er innerhalb Europas sogar noch stärker werden. Aber wovon man sich zugunsten eines stabileren Finanzsystems vielleicht verabschieden wird, sind die sehr niedrigen Preise für Finanzdienstleistungen. Es darf nicht vergessen werden, dass die in Deutschland ja sehr hohe Stabilität des Finanzsystems in der jüngeren Vergangenheit ganz wesentlich durch die Staatsgarantie zustande gekommen ist und nicht durch die Widerstandsfähigkeit der Institute selbst.

Entstehen den Bankkunden dadurch höhere Finanzierungskosten?

Das lässt sich nicht leicht vorhersagen, denn man muss gleichzeitig die Effekte unseres Trennbankenvorschlags berücksichtigen. Das klassische Bankgeschäft wird dadurch eventuell in Einzelfällen sogar günstiger. Einige Banken können aufgrund der verbesserten Konditionen – das risikoreichere Geschäft muss nicht mehr querfinanziert werden – mehr klassisches Geschäft, vor allem Kreditgeschäft, einwerben. Die Staatsgarantie drückt die Einlagenzinsen für den Kunden derzeit auf ein sehr niedriges Niveau, von dem die Banken profitieren. Sollte die Refinanzierung des Handels hingegen günstiger möglich sein, und das behaupten einige Marktteilnehmer, so kann sich das Argument auch umkehren.

Würde das Handelsgeschäft dadurch unattraktiv?

Das glaube ich nicht. Das neue System wird keine dramatischen Unterschiede bewirken. Aber das Handelsvolumen wird zurückgehen, wenn die Refinanzierung teurer wird.

Wie wirkt sich ihr Konzept auf den Bankenwettbewerb aus?

Im Handelsbereich würde es, wenn unser Vorschlag umgesetzt wird, zu einem stärkeren Wettbewerb im Wertpapierhandelsgeschäft kommen. Vermutlich würden spezialisierte Broker-Dealer entstehen. Ansprechpartner für den Kunden im Wertpapierhandel ist zwar immer noch seine Bank, aber die Handelsoperation wird eine separate Institution, ein Broker-Dealer, übernehmen. Dieser kann unter dem Dach einer gemeinsamen Holding operieren, muss es aber nicht. Ganz neu ist das nicht: Sowohl bei den genossenschaftlichen als auch bei den öffentlich-rechtlichen Banken verfolgt man dieses Prinzip jetzt schon.
Wenn Kunden einer kleineren Sparkasse beispielsweise Absicherungsgeschäfte für exotische Währungen benötigen, erfolgt das Handelsgeschäft über ein Drittinstitut. Das Abwicklungsinstitut ist übrigens im Falle der öffentlich-rechtlichen Institute keineswegs immer eine Landesbank. Es kann auch eine Privatbank sein.

Zur Person und zum Institut
Dr. Jan Pieter Krahnen (58) hält die Professur für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Er forscht zu systemischen Risiken und Bankenregulierung. Zudem ist er als Direktor des Center for Financial Studies (CFS) und des neuen Exzellenzzentrums SAFE tätig. Als Mitglied einer Expertengruppe der Europäischen Kommission (Liikanen-Kommission) war er an der Erstellung des Liikanen-Berichts beteiligt.

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Quelle:
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