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14.11.2014 | Bankenaufsicht | Im Fokus | Onlineartikel

Banken müssen mit Mini-Zinsen leben

Autor:
Stefanie Burgmaier
2 Min. Lesedauer

Die  Niedrigzinsphase dürfte in der Euro-Zone noch mindestens bis zum Jahr 2019 andauern. Erst danach könnten die Zinsen wieder langsam steigen.

Jürgen Stark, ehemaliger Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), ist sich sicher, dass die Zinsen in der Euro-Zone noch eine ganze Weile niedrig bleiben werden. „Bis zum Ende der Amtszeit von Mario Draghi wird die Nullzinspolitik fortgesetzt“, sagte Stark auf dem Kapitalmarkttag der Privatbank Hauck & Aufhäuser in Frankfurt. Stark war Ende 2011 von seinem EZB-Posten zurückgetreten, weil er den massiven Aufkauf von Staatsanleihen durch die Notenbank für falsch hält.

Die Amtszeit von EZB-Präsident Draghi dauert offiziell noch rund fünf Jahre, sie endet im Oktober 2019. Erst danach dürfte es laut Stark, der sich heute „unabhängiger Ökonom“ nennt, zu einem langsamen Zinsanstieg in Europa kommen. Hingegen erwartet der geldpolitische Hardliner bereits im kommenden Jahr eine Zinserhöhung in den USA.  Die unterschiedliche Entwicklung hängt für Stark auch mit dem mangelnden Reformwillen in Euroland zusammen.

Sanierung in Europa verzögert sich

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In den USA seien nach der Finanzkrise innerhalb von zwei Jahren wichtige Reformen durchgeführt worden. So seien jenseits des Atlantiks rund 500 Banken vom Markt verschwunden. In Europa hingegen wären lediglich etwa 50 Institute geschlossen worden. Auf dem alten Kontinent habe die Überzeugung geherrscht, dass keine systemrelevante Bank den Markt verlassen dürfe. Und plötzlich waren alle Banken „relevant“, schimpfte Stark. Dadurch sei die Sanierung des europäischen Bankensystems verzögert worden.

Der Ökonom forderte die europäischen Länder zu schnelleren Anpassungsmaßnahmen auf. Insbesondere Italien und Frankreich müssten ihre Reformgeschwindigkeit erhöhen. Auch der Springer-Autor Ferdinand Fichtner kritisiert in einem Beitrag für den Wirtschaftsdienst, dass die Veränderungen in Europa zu  langsam voran kommen. So sei die enge Verbindung von privater und öffentlicher Verschuldung, die die Krise im Euroraum verstärkt, immer noch nicht gelöst. Fichtner empfiehlt die Einrichtung eines öffentlichen Investitionsfonds, um die Wirtschaft in den schwächelnden Euroländern wieder in Gang zu bekommen.

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