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24.11.2021 | Bankenaufsicht | Nachricht | Onlineartikel

Banken berücksichtigen klimabezogene Risiken zu wenig

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 Min. Lesedauer

Von der EZB gab es nun einen Rüffel für die europäische Bankenbranche. Die Zentralbank erwartet von den Instituten mehr Anstrengungen im Hinblick auf den von ihr ausgegebenen Leitfaden zu Klima- und Umweltrisiken. Kein Geldhaus erwies sich als Vorzeigeschüler. 

Keine der Banken in Europa erfüllt "auch nur annähernd alle aufsichtlichen Erwartungen", heißt es in einem aktuell veröffentlichten Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB). Im November 2020 hatte die EZB einen entsprechenden Leitfaden für klimabezogene Risiken veröffentlicht. Die Analyse von insgesamt 112 von der Zentralbank beaufsichtigten Instituten ergab nun, dass die Branche zwar "erste Schritte" zur Steuerung von Klima- und Umweltrisiken unternommen habe. Doch obwohl die Hälfte der untersuchten Geldhäuser davon ausgeht, dass ihr Risikorpofil in den kommenden drei bis fünf Jahren wesentlich von den Auswirkungen betroffen sein wird, weist die Risikobeurteilung aller Banken erhebliche Mängel auf. 

Kredit- und Geschäftsmodellrisiken besonders betroffen

Laut der Institute werden vor allem die Kredit- und Geschäftsmodellrisiken sowie die operationelle Risiken am stärksten betroffen sein. Obwohl es der EZB zufolge bei letzeren und auf Leitungsebene Anstrengungen gab, gibt es vor allem beim internen Berichtswesen, dem Markt- und Liquiditätsrisikomanagement sowie den Stresstests Verbesserungsbedarf. So habe beispielsweise die Hälfte der Banken noch keine konkreten Maßnahmen geplant, um klima- und umweltbezogene Risiken in ihre Geschäftsstrategien einzubinden. Nicht mal ein Fünftel hat zentrale Risikoindikatoren zur Überwachung entwickelt.

Die Institute erhalten ein individuelles Feedback, das sie auffordert, die Mängel zu beheben. Bei einigen Banken geschehe dies im Rahmen des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP). Darin will die EZB die Klima- und Umweltrisiken schrittweise integrieren - einschließlich der Auswirkugnen auf die Kapitalanforderungen der Säule 2. 

Nur ein Drittel der Pläne sind angemessen

Zwar können alle Banken Pläne zur Verbesserung ihrer Praktiken vorlegen. Doch deren Qualität varriere und die Fortschritte seien zu langsam, so die Kritik. "Nur ein Drittel der Institute verfügt über Pläne, die zumindest im Großen und Ganzen angemessen sind, und die Hälfte wird die Pläne nicht bis Ende 2022 vollständig umgesetzt haben", heißt es in dem Bericht.

Dennoch betont die Zentralbank positive Ansätze etwa bei der Integration klimabezogener Risiken in das Kreditrisikomanagement. Due-Diligence-Verfahren seien verbessert oder neue Ausstiegskriterien festgelegt worden, um Finanzierungsaktivitäten, die sehr anfällig für Klimarisiken sind, zu begrenzen. Auch werde mittlerweile immer häufiger bei der Bewertung von Immobiliensicherheiten die Energieeffizienzzertifikate berücksichtigt. Was fehle, sei der Einfluss dieser Ergebnisse auf die Kreditvergabe- und Überwachungsverfahren ein.

EZB prüft Auswirkungen auf Governance und Geschäftsstrategien

Aktuell steht die Offenlegungen der Banken zu klima- und umweltbezogenen Risiken im Fokus der Aufsicht. Die entsprechenden Ergebnisse sollen im ersten Quartal 2022 veröffentlicht werden. In einem nächsten Schritt wird die EZB umfassend überprüfen, inwieweit die Banken darauf vorbereitet sind, klima- und umweltbezogene Risiken in Bezug auf Geschäftsstrategien, die Governance und das Risikomanagement zu steuern. Die vollständige Überprüfung findet im ersten Halbjahr 2022 zusammen mit dem aufsichtlichen Klimarisikostresstest der EZB statt.

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