Vereinfachte Bankenregulierung "ist ein Vertrauensvorschuss"
- 07.04.2026
- Bankenregulierung
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Die immer komplexere Regulierung macht Banken zu schaffen. Vor allem kleine Institute kämpfen mit den Vorgaben. Auch wenn die Finanzaufsicht Erleichterungen auf den Weg bringt, ist damit kein Abbau von Standards verbunden, so die Bafin.
Gemeinsam mit der Bundesbank möchte die Bafin die Regulierungsarchitektur aufbrechen und insbesondere für kleinere Banken Erleichterungen schaffen.
Saksit Sangtong / Getty Images / iStock
Den europäischen Finanzsektor belastet eine enorme Regulierungsdichte. Nicht nur die Institute selbst erheben immer wieder Kritik, auch die Finanzaufsicht selbst möchte die Regulierungspraxis vereinfachen. Diese soll nach dem Willen von Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), den strukturell benachteiligten kleineren Instituten entlasten, und Hindernisse für neue Akteure auf dem Markt beseitigen, ohne dabei das zugrundeliegende Sicherheitsniveau zu gefährden.
Komplexe Vorgaben steigern Kosten
Diese Einschätzung reflektiere eine Realität, mit der sich kleine und mittelgroße Kreditinstitute bereits seit Jahren konfrontiert sehen, schreibt Oliver Michelmann.
Im Vordergrund stehen dabei komplexe regulatorische Anforderungen, die sich aus der Interaktion zwischen verschiedenen Kapitalregimen ergeben. Dazu zählen das CRR/CRD, die Governance-Anforderungen der MaRisk, die technischen Mindeststandards der BAIT sowie zusätzliche Anforderungen aus den Bereichen Nachhaltigkeitsberichterstattung und Geldwäscheprävention. Die vielschichtige regulatorische Last bedingt einen erhöhten finanziellen Aufwand sowie einen zunehmenden Bedarf an personellen und technischen Ressourcen", so der Springer-Autor zur Problematik.
Bankenaufsicht muss "prinzipien- und risikoorientiert sein"
Eine wirksame Bankenaufsicht muss prinzipien- und risikoorientiert sein. Bei allen Vereinfachungen in der Regulierung, die die Bafin anstrebe, werde man "auch in Zukunft in der weiterhin genau hinschauen - und, wo nötig, handeln", hob Exekutivdirektor Nikolas Speer anlässlich der Handelsblatt Jahrestagung Bankenaufsicht Mitte März laut Redetext hervor.
"Uns geht es nicht darum, Standards zu senken. Auch eine prinzipienorientierte Regulierung setzt klare Grenzen." Laut Speer sei die Zahl der Sonderprüfungen 2025 gestiegen. Das zeige, dass die Aufsicht trotz geplanter Vereinfachungen weiterhin genau hinschauen und bei Bedarf eingreifen werde.
Mehr Problemkredite im Firmenkundengeschäft
Der Bafin-Experte warnt zudem vor der aktuellen Risikolage: Trotz solider Kapitalisierung bleibe das Marktumfeld fragil, geprägt von geopolitischen Spannungen, hoher Staatsverschuldung und Risiken im Private‑Credit‑Segment.
Wir hatten mehrere Jahre hintereinander eine Wachstumsschwäche. Und es ist kein Geheimnis, dass die Anzahl der Problemkredite im Firmenkundengeschäft zunimmt. Kommt dann noch eine so außergewöhnliche Störung hinzu, wie jetzt gerade der massive Anstieg der Öl- und Gaspreise, kann das die Probleme mittelfristig erhöhen", betont Speer.
Die Bafin geht davon aus, dass der Anteil notleidender Kredite bei deutschen Banken weiter steigen wird. Angesichts dieser Lage hätten "die meisten Kreditinstitute ihre Kreditvergabestandards eng im Blick und Aufschläge, wo erforderlich, durchgesetzt". Das werde auch weiter nötig sein.
Korrekturpotenzial bei Gewerbeimmobilien
Auch im Gewerbeimmobilienmarkt gebe es weiterhin Korrekturpotenzial. "Das gilt insbesondere - aber nicht nur - für Exposures in Büromärkten in den Vereinigten Staaten", so Speer. Entsprechend werde die Aufsicht Kreditrisiken und Portfolioqualität noch intensiver überwachen und erwartet von Instituten eine strenge Bewertung ihrer Engagements.
Gefahr von Cyber-Attacken "dauerhaft hoch"
Neben den Kreditrisiken bereitet die Cyber-Sicherheit der Aufsichtsbehörde Bauchschmerzen. Mit über 700 schwerwiegenden IT‑Vorfällen im vergangenen Jahr bezeichnete Speer die Bedrohungslage als "dauerhaft hoch". Bei elf Prozent handele es sich um Sicherheitsvorfälle. Die Mehrheit davon seien Angriffe in Form von Phishing oder Malware- beziehungsweise Hacking-Attacken. "Das beschäftigt uns sehr", so der Bafin-Direktor und mahnt, DORA konsequent umzusetzen.
"Mit dem Inkrafttreten der DORA-Verordnung wurde somit ein regulatorischer Rahmen geschaffen, der erstmals auf europäischer Ebene eine umfassende und sektorübergreifende Regulierung von IKT-Risiken im Finanzsektor vorsieht. Das Ziel besteht darin, die Resilienz der Finanzinfrastruktur gegenüber digitalen Gefährdungen zu erhöhen und ein konsistentes Mindestmaß an IKT-Sicherheit innerhalb der Europäischen Union zu implementieren", erläutert Michelmann.
DORA bringt großen Mehraufwand mit sich
DORA manifestiere sich dabei unmittelbar und verpflichtet neben Kreditinstituten auch Versicherungsgesellschaften, Zahlungsdienstleister, Kapitalverwaltungsgesellschaften und weitere Akteure des Finanzmarktes zur Implementierung eines definierten Maßnahmenkatalogs. Damit prallen die Vorgaben allerdings auf eine ohne schon dichte deutsche Regulierung:
Es existiert bereits ein komplexes Geflecht aus nationalen und europäischen Anforderungen an Governance, Sicherheit und Kontinuität, das durch Vorgaben wie die BAIT, die EBA-Leitlinien zum IKT- und Sicherheitsrisikomanagement, die MaRisk sowie branchenspezifische IT-Rahmenwerke gebildet wird. DORA erweitert dieses Spektrum nicht nur inhaltlich, sondern verschärft auch die Anforderungen an Dokumentation, Nachvollziehbarkeit und Rechenschaftspflicht. Aus dieser Ausgangslage ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen dem berechtigten Ziel der regulatorischen Resilienzsicherung und der praktischen Umsetzbarkeit, insbesondere für kleinere Institute", mahnt der Wirtschaftswissenschaftler von der Allensbach Hochschule, Kostanz.
Konzept zur Entschlackung der Regulierungsarchitektur
Diese Problematik will auch die Finanzaufsicht selbst angehen. Laut Speer sei die Regulierungsarchitektur in vergangenen Jahren zu komplex geworden. Die Bafin habe gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank ein Konzept für ein EU-weites Kleinbankenregime entwickelt, um insbesondere kleinere Institute zu entlasten. "Unser Ansatz zielt darauf ab, die risikobasierten Kapitalanforderungen radikal zu vereinfachen und im Wesentlichen nur noch die Leverage Ratio zu betrachten. Diese dann aber mit einem Mindestwert deutlich über den von Basel vorgegebenen drei Prozent", führt der Aufsichtsexperte aus.
Bereits die neunte MaRisk‑Novelle solle zu Verbesserungen führen. Rund ein Drittel der Vorgaben sei bereits gestrichen worden, neue Größenkategorien sollen für mehr Klarheit sorgen und deutlich verschlankte Stresstests für kleinere Banken spürbare Erleichterungen bringe. Vereinfachungen seien jedoch kein Abbau von Standards, sondern ein Vertrauensvorschuss. Dabei gehe es immer um die gemeinsame Verantwortung aller Marktteilnehmer für ein stabiles Finanzsystem und den Erhalt von Vertrauen.
Wir glauben daran, dass eine starke Vereinfachung für hinreichend einfache und kleine Institute ein guter Weg sein kann, der Regulierungsdichte zu begegnen", so Speer.