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12.10.2021 | Bankenregulierung | Im Fokus | Onlineartikel

Ausgereiftes Risikomanagement macht Banken krisenfester

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Bereits vor Ausbruch der Pandemie kämpften deutsche Banken mit hohen Kosten, niedrigen Zinsen, der Regulierung und einem wachsenden Wettbewerb. Trotz dieser Herausforderungen und der Krise präsentiert sich ihr Risikomanagement als widerstandsfähig.

Wie sich das Risikomanagement von kleineren Kreditinstituten in Deutschland unter dem Einfluss von Krisen weiterentwickelt hat und welche Rolle der Regulator dabei spielt, haben die Springer-Autorinnen Jessica Hastenteufel und Laura Weber mittels einer Expertenbefragung untersucht.

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Krisen und ihre Auswirkungen auf das Risikomanagement von Banken

Das essential beleuchtet das Krisen- und Risikomanagement in Banken. Der Fokus liegt auf der Finanz- und der Corona-Krise. Auf dieser Basis und unter Einbezug einer Expertenstudie werden Handlungsempfehlungen für die Institute abgeleitet.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen eines dauerhaft niedrigen Zinsniveaus und eines steigenden Wettbewerbsdrucks stellt sich daher die Frage, ob Institute durch erhöhte aufsichtsrechtliche Anforderungen dazu gedrängt werden, ihren Fokus zu stark auf das interne Risikomanagement zu legen und dadurch das Ertragsmanagement nicht genug Aufmerksamkeit erfährt, schreiben die Autorinnen auf Seite 26.

Banken messen Risiken wissenschaftlich fundierter

Die insgesamt neun Experten sind in der Bankenaufsicht, Bankenverbänden, Kreditinstituten oder der Wissenschaft tätig und wurden im Sommer 2020 telefonisch oder per Videotelefonie befragt. Im Zentrum der Interviews stand dabei  

  • wie die Entwicklung des Risikomanagementsystems vor dem Hintergrund der Überwindung von Krisen wahrgenommen wird,
  • welche Rolle die regulatorischen Anforderungen für Kreditinstitute in Deutschland spielen und
  • wie Krisen sich bisher auf Kreditinstitute und deren regulatorisches Umfeld ausgewirkt haben.

"Dabei ist die überwiegende Mehrheit der Befragten der Meinung, dass sich das interne Risikomanagement von Banken zum Positiven entwickelt hat und die Widerstandsfähigkeit von Banken gegenüber Krisen in den vergangenen Jahren gestärkt wurde", schreiben die Springer-Autorinnen (Seite 27). 

Hinzu komme, dass die Verfahren zur Risikomessung deutlich ausgereifter und wissenschaftlich fundierter sind. Als wesentlicher Stabilisator der Risikosituation deutscher Institute nannten die befragten Experten zudem die im Rahmen von Basel III eingeführten Pufferkomponenten, "die die Eigenkapitalbasis von Banken stärken".

Deutsche Banken stemmen Basel III

Ende September veröffentlichte die Deutsche Bundesbank eine Untersuchung zum Basel-III-Reformpaket. Werden die Anforderungen im vollen Umfang umgesetzt, liege der Anstieg der Mindestkapitalanforderungen für eine Stichprobe von deutschen Banken bei 16,4 Prozent. Das ist weniger als in der Vorerhebung, ermittelte das Institut. Hierfür wertete die Bundesbank Daten von insgesamt 30 deutschen Instituten aus. Von denen verfügen sieben über eine Kernkapitalausstattung von mindestens drei Milliarden Euro und sind international aktiv. Von den übrigen 23 Instituten haben sechs ebenfalls ein Kernkapital von mehr als drei Milliarden Euro, allerdings ohne nennenswertes Auslandsgeschäft. 

"Die aktuelle Erhebung zeigt, dass die Einführung des Basel III-Reformpakets trotz der Auswirkungen der Covid-19 Pandemie die deutschen Banken nicht überfordert", betont Joachim Wuermeling, der im Bundesbankvorstand für Banken- und Finanzaufsicht zuständig ist, das Ergebnis der Stichprobe.

Regularien für kleine Institute tückisch

Die von Hastenteufel und Weber befragtem Bankexperten bewerten die Regularien der nationalen und internationalen Behörden bei ihrer Anwendung auf große Institute ebenfalls mehrheitlich als sinnvoll und nachvollziehbar. Einschränkungen machen die Fachleute allerdings mit Blick auf kleinere Institute. Deren Belastung stehe in keinem angemessenen Verhältnis zur Komplexität und dem Umfang ihrer Geschäftstätigkeit, lautet die Kritik der Befragten. 

Schwierigkeiten bereite den Banken laut Hastenteufel und Weber, dass umfangreiche Anforderungen in unterschiedlichen Bereichen zu widersprüchlichen Steuerungsimpulsen führen können. Beispielhaft verweisen die Experten auf die Liquidity Coverage Ratio (LCR) und die Net Stable Funding Ratio (NSFR) - also die kurzfristige und die strukturelle Liquiditätsquote. Deren Betrachtung führe nicht immer zum gleichen Ergebnis. 

In der Stichprobe der Bundesbank schnitten die Banken im Hinblick auf diese beiden Liquiditätskennzahlen allerdings gut ab. LCR und NSFR liegen bei den untersuchten Instituten über den von der Aufsicht geforderten 100 Prozent. "Innerhalb der betrachteten Stichprobe besteht erstmals kein Bedarf mehr an stabiler Refinanzierung zur Erfüllung der Liquiditätskennziffern."

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