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04.07.2024 | Bankenregulierung | Gastbeitrag | Online-Artikel

Vereinheitlichtes Meldewesen bedarf hoher Datenqualität

verfasst von: Jana Behr, Andrea Merz, Stefan Dressler

4:30 Min. Lesedauer

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Mit IReF, BIRD und MoU schreitet die Harmonisierung des europäischen Meldewesens voran. Aufsicht wie Banken profitieren von den geänderten Reporting-Vorgaben. Allerdings setzt dies bei den Instituten eine hochwertige Datenbasis voraus. 

Beim Memorandum of Understanding (MoU) handelt es sich um ein neues Zusammenarbeitsmodell, auf das sich die EZB und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde kürzlich einigten. Das Konzept schafft unter dem Dach des Europäischen Reporting-Komitees (Joint Bank Reporting Committee) eine neue Governance-Struktur, die festlegt, wie sich die Aufsichtsbehörden austauschen und ihre Infrastruktur so aufsetzen, dass sie wechselseitig von den Daten der anderen profitieren. Das klingt zunächst weniger bedeutend, als es ist. Tatsächlich stellt das MoU einen Meilenstein für die Zusammenarbeit dar.  

BIRD vereinheitlicht das Meldewesen

Während sich das MoU auf die Kooperation zwischen den Aufsichten fokussiert, wirken sich BIRD und IReF unmittelbar auf die Banken aus. Das Banks Integrated Reporting Dictionary, kurz BIRD, ist eine Initiative der EZB und der nationalen Zentralbanken. Es hat das Ziel, das Meldewesen zu vereinheitlichen sowie einfacher und transparenter zu machen. 

BIRD schafft eindeutige Definitionen, sodass bisher unterschiedliche Interpretationen von Reporting-Anforderungen bei Banken im Euro-Raum künftig vermieden werden. Es ist die Basis für eine komplette Gesamtbanksteuerung, denn damit kann die  Bank in ihren gesamten Einzelbestandteilen abgebildet werden. 

Doch es hat ein Manko: BIRD ist nicht verpflichtend, da die Europäische Bankenaufsicht, die EZB und der einheitliche Abwicklungsausschuss in ihren Aufgaben strikt getrennt sind. Ohne diese Verpflichtung könnten Banken dazu verleitet werden, von der Umsetzung abzusehen. Das ist nicht zu empfehlen, denn BIRD ist die Grundlage für die Implementierung von IReF. 

IReF vereinfacht Berichtspflichten

Das Integrated Reporting Framework, kurz IReF, vereinheitlicht die Anforderungen bei Datenmeldungen des statistischen Meldewesens. Banken liefern heute regelmäßig dieselben Informationen mehrfach und in unterschiedlichen Meldungen an verschiedene Institutionen. Oft stammen diese zwar aus dem gleichen Pool, sind aber immer wieder in anderer Form und für abweichende Zeitabschnitte aufzubereiten. 

Mit dem Inkrafttreten von IReF im Jahr 2027 ist damit Schluss: Meldungen an die verschiedenen Aufsichten werden in ein einheitliches Rahmenwerk überführt. Banken werden dann künftig für die turnusgemäßen Berichte die Informationen nur noch einmal extrahieren, einmal aufbereiten und einmal melden müssen. Daten sollen zukünftig auch über Grenzen hinweg besser zu vergleichen sein. 

Neuer Reporting-Standard sorgt für mehr Durchblick

Vom neuen Reporting-Standard profitiert aber nicht nur die Aufsicht, sondern auch die Banken. Aktuell ist es so, dass die Aufsicht regelmäßig Klarstellungen, zum Beispiel in Form von Rundschreiben und FAQs, veröffentlicht und viele Verordnungen anzupassen sind. Künftig werden bestehende Verordnungen rund um das statistische Meldewesen gebündelt. Das schafft Übersichtlichkeit. 

Zudem werden einheitliche und eindeutige Vorgaben geschaffen. Unklarheiten und unterschiedliche Interpretationen wie bisher sind dann Geschichte. Dank dieser Vereinheitlichung wird das Reporting zudem auch vereinfacht, was die Aufwände im Meldewesen reduziert und die Mitarbeiter entlastet. Allerdings wird es ein langer Weg dorthin. Denn für eine Übergangszeit werden die Institute ein doppeltes Reporting - einmal gemäß IReF und einmal gemäß der bisherigen Meldungen - abgeben müssen. Damit die Banken nach dieser Übergangsphase von dem vereinfachten Reporting profitieren, sollten sie jetzt die Voraussetzungen schaffen und ihre Strukturen, Prozesse und Daten hinterfragen. 

Daten-Lieferkette in den Fokus rücken

BIRD als Grundlage für IReF ist bereits veröffentlicht. Es dient als Leitfaden für die Prozesse, mit denen Banken Informationen aus ihren internen Systemen so herausfiltern und aufbereiten, dass sie den künftigen Reporting-Anforderungen entsprechen. Durch den Vergleich mit den heute schon vorhandenen Daten, den entsprechenden Quellen und der aktuellen Reporting-Praxis ergeben sich dann konkrete Handlungsmuster. 

So kann es sein, dass Daten in mangelnder Qualität, mangelndem Umfang oder gar nicht vorhanden sind. Außerdem sollten die Banken alle Abschnitte der Daten-Lieferkette im Blick haben: Was fehlt in ihren Primärsystemen, im Data Warehouse beziehungsweise im Reporting? Unter Umständen müssen sie sich an Softwarehersteller wenden, um an diese Primärdatensätze zu gelangen oder diese anreichern zu lassen. Sind die erforderlichen Daten identifiziert und ist der Zugriff auf sie gewährleistet, stellt ein Abgleich mit BIRD sicher, dass die aktuell bekannten IReF-Anforderungen abbildbar sind. 

Hohe Datenqualität verhindert manuelle Nacharbeit

In vielen Fällen sind die erforderlichen Datensätze zwar vorhanden, jedoch nicht in ausreichender Qualität. Bis heute müssen Daten von Mitarbeitern manuell nachgebessert werden. Anstatt diese Datensätze jedes Mal "hinten" per Hand zu bearbeiten, sollten sie einmalig an der Quelle überarbeitet oder bereinigt werden. Und das Nachbereiten allein reicht nicht aus. Banken sollten auch sicherstellen, dass neue Daten korrekt erfasst werden. Klare Arbeitsanweisungen und Schulungen der Mitarbeiter sind unerlässlich.

Das Meldewesen genießt heute nicht immer die höchste Priorität - und das, obwohl es eine der wichtigsten Funktionen in Banken innehat. Um das zu ändern und den wachsenden Anforderungen an eine gute Datenqualität gerecht zu werden, sollten Banken neue Wege gehen. Eine Möglichkeit könnte die Schaffung des Postens des Chief Data Quality Officer (CDQO) sein. Daten und Meldewesen erhielten so künftig die Aufmerksamkeit, die ihrer Bedeutung gerecht wird. 

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