EZB zwingt Finanzwelt zu Klimarisiko-Check
- 09.09.2025
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Die EZB führt ab 2026 einen Klimafaktor ein, der klimabedingte Transitionsrisiken bei Sicherheiten deutlich stärker berücksichtigt. Damit setzt die Notenbank ein Signal für mehr Nachhaltigkeit in der Geld- und Finanzstabilitätspolitik, sind Experten der LBBW überzeugt.
Die EZB will mit einem neuen Klimafaktor das Finanzsystem vor klimabedingten Risiken schützen.
Springer Fachmedien Wiesbaden GbmH | generated with AI
Die Europäische Zentralbank (EZB) will Klimarisiken stärker in die Finanzstabilitätspolitik integrieren - das gilt vor allem mit Blick auf die Geldpolitik und Sicherheitenvergabe. Denn Gefahren im Kontext der globalen Klimaveränderung werden zunehmend als systemische Bedrohung erkannt, gerade weil bestimmte Vermögenswerte als Kreditsicherheiten dienen und von physischen Klimaereignissen oder dem Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft betroffen sein können. Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg bezeichneten die im Juli von der Notenbank beschlossene Anpassung ihres Sicherheitenrahmens zur besseren Berücksichtigung von Klimarisiken im Blickpunkt Financials von Mitte August als wegweisend.
Klimarisiken im EZB-Sicherheitenrahmen
Ein zentrales Thema ist der neue Klimafaktor, den die EZB bereitstellen wird, um klimabedingte Wertverluste bei als Sicherheiten genutzten Wertpapieren zu reduzieren. Dieser wirkt als "Puffer gegen potenzielle finanzielle Risiken", indem er - je nach Exponierung des Emittenten - den beleihungsfähigen Wert senken kann. Damit soll sichergestellt werden, "dass die Refinanzierungsgeschäfte auch weiterhin ihre zentrale Aufgabe zur Wahrung der Preis- und Finanzstabilität erfüllen können".
Die Investmentanalysten der Bank erläutern, wie der Klimafaktor technisch umgesetzt wird. Grundlage bildet ein sogenannter Unsicherheitsscore, der drei Komponenten beinhaltet:
- ein sektorspezifischer Stressfaktor, abgeleitet aus dem Klimastresstest,
- ein emittentenspezifisches Exposure (CSPP-Score),
- sowie eine vermögenswertspezifische Bewertung unter Berücksichtigung der Restlaufzeit.
Dieser Score wird auf jede notenbankfähige Sicherheit angewendet, um den Wert nach Standardabschlägen weiter anzupassen.
Unsicherheitsfaktor beeinflusst Kreditrahmen in Refinanzierungsgeschäften
Für Banken bedeutet das, dass der verfügbare Kreditrahmen in Refinanzierungsgeschäften sinken kann, wenn sie Emittenten mit hohem Unsicherheitsfaktor begebenen Vermögenswerten einsetzen. Besonders betroffen seien Collateral Pools mit energieintensiven oder emissionsintensiven Sektoren. Im aktuellen Umfeld sei die Wirkung allerdings begrenzt. Dennoch weisen die Studienautoren auf potenzielle Folgen hin: "Die Einbeziehung von Klimarisiken […] könnte allerdings den Wert von Unternehmensanleihen bestimmter Emittenten verringern." Das gelte insbesondere für Unternehmen aus fossilen Branchen.
Klimafaktor hat Signalwirkung
Die EZB plant die Einführung des Klimafaktors für die zweite Jahreshälfte 2026. Dabei sollen aktuelle Klimadaten in die endgültige Kalibrierung einfließen. Die Maßnahme wird zudem regelmäßig überprüft, um aktuellen Daten, Regulierungen und Bewertungsverfahren gerecht zu werden. Damit sende die Notenbank "ein starkes Signal an die gesamte Finanzwelt", Klimarisiken als festen Bestandteil des Risikomanagements zu etablieren, ist sich die LBBW sicher. Marktteilnehmer könnten dadurch verstärkt Anreize zur Dekarbonisierung erhalten.
Aber auch der präventive Nutzen sei wichtig: Durch den Klimafaktor reduziere die EZB Risiken für ihr Mandat zur Preis- und Finanzstabilität - und es bestehe eine Perspektive, ähnliche Ansätze auch auf andere Risiken wie den Biodiversitätsverlust auszuweiten.