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28.09.2016 | Bankprodukte | Im Fokus | Onlineartikel

Riester-Verträge sind weniger gefragt

Autor:
Barbara Bocks

Der Run auf Riester-Verträge ist erst einmal vorbei. Ein Produkt der Riester-Palette hat allerdings weiterhin einen starken Zuwachs.

Riester-Verträge sind zurzeit nicht sehr gefragt. Das lassen neueste Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vermuten. Mit knapp 16,5 Millionen Riester-Verträgen konnten Ende Juni 2016 demnach nur 11.000 mehr Abschlüsse verbucht werden als Ende des ersten Quartals. Diese Entwicklung ist aber nicht neu. Im Jahr 2011 lag die Anzahl aller Riester-Verträge bereits bei 15,4 Millionen Stück und ist seitdem nur langsam um knapp sieben Prozent angestiegen.

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Lediglich die Wohn-Riester-Verträge haben sich im zweiten Quartal dieses Jahres mit 1,62 Millionen Verträgen seit 2011 mehr als verdoppelt. Seit 2015 wurden laut der Statistik des Bundesministeriums 64.000 neue Wohn-Riester-Verträge abgeschlossen. Kein Wunder, dass diese derzeit nachgefragt sind, denn Deutschland erlebt unter anderem aufgrund der Niedrigzinsphase aktuell einen B auboom. Die Wohn-Riester-Verträge, die 2008 eingeführt wurden, machen allerdings insgesamt nur knapp 9,8 Prozent der gesamten Riester-Palette aus. Mit einem Anteil von knapp zwei Dritteln stellen insbesondere Versicherungsverträge den Löwenanteil der Riester-Palette dar, gefolgt von

  • Investmentfonds mit 19 Prozent und
  • einem geringen Anteil an Banksparverträgen mit 4,8 Prozent. 

Wann sich Wohn-Riester lohnt

"Generell ist die Nachfrage nach Riester-Produkten leider sehr verhalten. Ausnahme ist der Bereich der LBS-Wohnriester-Produkte", bestätigt ein Sprecher der Taunus Sparkasse auf Nachfrage gegenüber Springer Professional. An den Vorteilen von Wohn-Riester ändere auch die aktuelle Debatte um die Riesterrente nichts, ist Gerhard Hinterberger, Vorstand für Vertrieb der Bausparkasse Schwäbisch Hall überzeugt. Das Unternehmen betreut nach eigenen Angaben mehr als ein Drittel aller Wohn-Riester-Verträge in Deutschland. Der Gesetzgeber hätte seit Anfang 2014 die Einsatzmöglichkeiten für Wohn-Riester-Verträge deutlich erweitert: "Wer vor 2008 eine Immobilie erworben hat und sich noch in der Tilgungsphase für das Baudarlehen befindet, kann seitdem die Riester-Förderung für die Umschuldung einsetzen", so Hinterberger. Auch bereits schuldenfreie Eigenheimbesitzer könnten nun "Riester-Kapital für einen altersgerechten Umbau ihrer Immobilie einsetzen, bei der Barrieren beseitigt werden." Es lohne sich allerdings nicht, allein der Riester-Förderung wegen eine selbst zu nutzende Immobilie zu erwerben oder zu bauen, erklärt Springer-Autor Wolfgang Drols in seinem Versicherungsmagazin-Beitrag "Wohn-Riester lohnt sich"

Riester-Bank-Sparplan für ältere Sparer

Ist keine Immobilie geplant, sind Anleger laut Carmen Mausbach, Autorin der Anlagepraxis, mit einem Riester-Fondssparplan gut beraten: "Bei diesem Produkt sind die Renditechancen besonders hoch. Außerdem greift bei einer negativen Entwicklung der Aktienmärkte die für alle Riester-Produkte vorgeschriebene Kapitalgarantie." Riester-Banksparpläne böten im Vergleich weit geringere Renditechancen, dafür würden keine Abschlussgebühren fällig. Wegen der niedrigeren Kosten seien sie besonders für ältere Sparer geeignet, argumentiert Mausbach. 

Die stagnierenden Neuabschlüsse sind aber laut eines Medienberichts nicht das einzige Problem. Denn in jeden fünften Riester-Vertrag werde nichts mehr eingezahlt. Kosten und mangelnde Transparenz sind seit jeher Kritikpunkte an den staatlich geförderten Riester-Produkten. Und "durch die öffentlichen Diskussionen zum Thema Riester herrscht derzeit eine große Verunsicherung bei den Kunden. Dies führt dazu, dass einige Kunden überhaupt keine Altersvorsorge betreiben wollen. Diesem Trend steuern wir mit zielgerichteten Qualifizierungsmaßnahmen unserer Berater entgegen", heißt es bei der Taunus Sparkasse.

Boris Müller, Abteilungsleiter Produktmanagement bei der Volksbank Mittelhessen, bestätigt den Rückgang bei Riesterprodukten: "Die Bestandsentwicklung der Riester-Produkte in der Volksbank Mittelhessen zeigt einen ähnlichen Trend wie in der Gesamtstudie." Der Schwerpunkt der Aktivitäten liege in aktienbasierten Lösungen. Aufgrund des Nichtzinsumfelds hält Müller diese Lösung für sinnvoll "gerade für junge Menschen, die noch eine lange Sparphase vor sich haben." Andreas Martin, Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), sieht auch die Politik in der Verantwortung: "Neben einer weniger expansiven Geldpolitik muss vor allem die Politik ausloten, inwieweit Zulagen bei der staatlich geförderten Riesterrente die Attraktivität der privaten Altersvorsorge steigern und die Belastungen der niedrigen Zinsen kompensieren können", sagt er in einem Statement. Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment, meint, "es würden sich noch mehr Menschen für die Riester-Rente entscheiden, wenn sie nicht auf die Grundsicherung angerechnet, die Fördergrenzen und Zulagenhöhen dynamisiert und der Berechtigtenkreis ausgebaut wird."

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