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08.06.2018 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Banken müssen Konkurrenz mit agiler Organisation kontern

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Die Digitalisierung führt zu immer schnelleren Veränderungen im Finanzdienstleistungssektor. Neue Wettbewerber ködern Kunden mit innovativen Services. Bankmanager fürchten laut einer aktuellen Umfrage vor allem die großen Tech-Unternehmen und Handelskonzerne. Die Lösung sehen viele im Umbau zu agilen Organisationen.

Innovative Wettbewerber aus der Fintech-Branche, große Technologie-Riesen wie Google, Apple oder Tencent sowie internationale Handelsunternehmen wie Amazon, Ebay oder Alibaba bedrohen das Geschäftsmodell klassischer Geldhäuser. Der großen Mehrheit der 150 für die aktuelle Studie von Cofinpro, VÖB Service, Bankmagazin und Springer Professional befragten Bankmanager ist klar, dass sich ihre Unternehmen in diesem Umfeld nur behaupten können, wenn sie genauso innovativ, schnell und flexibel werden wie ihre Herausforderer. Und sie wissen, dass sie für diese Aufgabe ihre internen Strukturen grundlegend verändern müssen. Wie die "Bankenstudie Agile Organisation" ergab, gehen über 90 Prozent der Befragten davon aus, dass ihrer Bank dieser notwendige Schritt nur mit dem Umbau zu einer agilen Organisation gelingt.

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Der Weg ist noch weit

Künftig reicht es für Geldhäuser nicht mehr, einfach nur ein Innovationslabor zu betreiben. Um zukunftsfähig zu bleiben, muss die komplette Organisation agil werden. Wie eine Studie des Beratungshauses Cofinpro zeigt, die Bankmagazin unterstützt hat, wissen die Institute, dass es bis dahin seine Zeit braucht.


So schätzen Bankmanager die Bedrohung durch Wettbewerber ein


"So eine überwältigende Mehrheit habe ich nicht erwartet", kommentiert Gerald Prior, Chief Executive Officer (CEO) von Cofinpro das Ergebnis im Interview mit dem Bankmagazin in der Juni-Ausgabe. "Zumal die Banken in Deutschland nur zu 50 bis 60 Prozent Erfahrungen mit Umsetzungsstrategien haben, etwa Innovationslaboren oder Fintech-Kooperationen. Das heißt, dass sich erst knapp über die Hälfte der Banken mit der Digitalisierung beschäftigt oder dass die Menschen dort nicht wissen, dass ihr Institut das ernsthaft tut", fügt Prior hinzu.

Tiefe Eingriffe in die Strukturen notwendig

Wollen sich die Institute in Richtung Schnelligkeit, Flexibilität und Innovationskraft entwickeln, erfordert das aber laut Studie tiefe Eingriffe in ihre Strukturen. Hierbei spielt Agilität die herausragende Rolle. Die Vorteile agiler Organisationen liegen auch für die Springer-Autoren Christian Schawel und Fabian Billing auf der Hand, wie sie im Buchkapitel "Agilität" aus "Top 100 Management Tools" (Seite 24) beschreiben: "Unternehmen, die agile Arbeitsmethoden umfassend eingeführt haben, sehen Verbesserungen in den folgenden Bereichen:

  • Erhöhte Eigenverantwortung der Mitarbeiter und damit erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit
  • Erhöhte Geschwindigkeit in Prozessen gegenüber Kunden und damit erhöhte Kundenzufriedenheit
  • Verbessertes Employer Branding aufgrund der Wahrnehmung als dynamisches und flexibles Unternehmen
  • Oftmals Effizienzvorteile und damit Kostenreduktion."

Erfahrungen bleiben schon früh im System stecken

Allerdings tun sich Banken laut der Cofinpro-Umfrage mit agilen Strategien und Methoden schwer. Zwar wird viel über den Aufbau einer entsprechenden Entwicklungsumgebung oder die Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups gesprochen. Doch viele Projekte stecken noch in den Kinderschuhen. Nur 61 Prozent der Befragten berichten von eigenen Innovationslaboren und nur 56 Prozent von Kooperationen mit Fintech-Unternehmen. 

Etwas höhere Zahlen ergeben sich bei den Erfahrungen mit agilen Methoden. Mit Scrum und Design Thinking hat inzwischen die Mehrheit der Unternehmen Erfahrungen gesammelt und agile Methoden kommen zumindest in den IT-Abteilungen oft zum Einsatz. Aber es hapert an der Umsetzung der im Testlauf gemachten Erfahrungen auf die gesamte Organisation. Nur bei einem knappen Drittel der Befragten hat die Bank erste Erkenntnisse aus der Digitalisierung bereits in das komplette Unternehmen transferiert. Noch seltener gelingt es laut Erhebung, konkrete agile Methoden zu etablieren. Lediglich jeder vierte Befragte sieht hier schon Erfolge.

Wo gelingt die Umsetzung am besten?


Bankmanager benennen konkrete Problemfelder

Obgleich die Bankmanager durchaus wissen, dass ihren Unternehmen noch jede Menge strukturelle Arbeit bevorsteht, rechnen dennoch auf Fünf-Jahres-Sicht 69 Prozent von ihnen mit deutlichen Veränderungen. Dabei sehen die meisten nicht regulatorischen Zwänge oder die fehlenden finanziellen Mittel als größtes Hindernis. Fast jeder achte Befragte gibt an, dass überholte Strukturen, Systeme und Prozesse die größten Probleme bei der Umsetzung sind und 43 Prozent verweisen außerdem auf eine "falsche" Unternehmenskultur. Für viele Bankmanager ist laut Studie zudem die oberste Führungsebene ausschlaggebend, ob der Wandel zur agilen Organisation gelingt oder nicht.

Top-Management muss Impulse setzen

Deshalb empfiehlt Confinpro-CEO Prior im Bankmagazin-Interview der obersten Führungsspitze, Kompetenz und Verantwortung zu dezentralisieren: "Sie müssen einen Übergang zu kleinen Teams schaffen, in denen lokal Entscheidungen getroffen werden. Der Vorstand muss den Wandel aktiv gestalten und vorleben und den Umgang mit Unschärfe trainieren." Hierbei sollte sich das Top-Management auch auf das Know-how der Mitarbeiter und ihren Veränderungswillen verlassen, wie Springer-Autor Benno Ackermann im Buchkapitel "Strukturierte Wissenstransfers – enormes Potenzial für Wirtschaft und Verwaltung" aus "Erfolgreicher Wissenstransfer in agilen Organisationen" (Seite 21) meint:

Im Kern jeder erfolgreichen Veränderung sind Menschen. Menschen, die Wissen und Erfahrung haben resp. gewinnbringend und effizient einsetzen und solche, die von der Erfahrung anderer profitieren, um sich selber weiterzuentwickeln oder zu verändern.“

Erforderlich hierzu ist eine ganzheitliche Betrachtung, die auch von einer Veränderung der Unternehmenskultur begleitet wird. Dennoch wird dieser notwendige Wandel nach Meinung von Prior die Branche nicht völlig aus den Angeln heben: "Die Banken verändern sich evolutionär, nicht revolutionär, weil der Grundbedarf konstant bleibt. Kunden benötigen weiterhin ein Konto, Zahlungsverkehr, Kredite und Wertpapiere. Ob ein Finanzdienstleister Fonds als Einzelprodukte oder als Portfolio verkauft, ist egal. Bill Gates hat sich geirrt mit seiner Aussage 'Banking is essential, banks are not!'. Banking ist reguliert, also braucht es Banken, auch in fünf Jahren noch.“

 

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