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12.07.2018 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Deutsche Bank will wieder attraktiv werden

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Die neue Imagekampagne und das Engagement beim Start-up Verimi, an dem die Deutsche Bank beteiligt ist, sollen positive Effekte für die angeschlagene Marke bringen. Mit Unterstützung der Beratersparte von Cerberus will das Geldhaus nun für seine Stakeholder wieder attraktiver werden.  

Mit ihrem Großaktionär, der Beteiligungsgesellschaft Cerberus, hat die Deutsche Bank einen "unabhängigen Beratungsvertrag" geschlossen, so ein Sprecher des Investors. Ziel ist es, die mit der neuen Strategie avisierten Kosteneinsparungen schneller zu erreichen, heißt es in Medienberichten. So wolle man laut einer Banksprecherin wieder "attraktive Renditen" für Aktionäre und Investoren erwirtschaften. Seit Herbst 2017 hält der US-Investor mit Sitz in New York nach eigenen Angaben zwischen drei und fünf Prozent am größten deutschen Bankhaus.

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Kontakt wurde schon früh aufgenommen

Den Ex-JP-Morgan-Vorstand Matt Zames, der die Beratungssparte von Cerberus leitet, hatte Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) bereits für sein Gremium gewinnen wollen. Das Beratungsmandat soll demnach schon vor der Hauptversammlung im Mai beschlossen worden sein. Auch ein Treffen mit dem Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing habe bereits stattgefunden. Interessant ist, dass laut Medienberichten Cerberus der einzige Deutsche-Bank-Aktionär ist, der für seine Beratungsleistungen bezahlt wird und Einblicke ins operative Geschäft erhält.

Hohe IT-Kosten sind das Problem

Wie es heißt, leide die Bank vor allem unter einer veralteten IT und den hohen Investitionskosten, die für deren Erneuerung benötigt würden. Mit der Unterstützung von Zames und seinem Team sollen diese gesenkt und zugleich die Erträge wieder gesteigert werden.

Worauf die aktuellen Probleme basieren, beschreibt Joachim Dorschel im Buchkapitel "Organisation und Prozesse der Bank-IT in der Digitalisierung" (Seite 97): "Große Kreditinstitute blicken vielfach auf eine umfangreiche Fusionshistorie zurück, welche je nach Integrationsgrad ebenfalls Einfluss auf die vorhandenen Organisationsstrukturen hat." Da die Digitalisierung von übergreifender Natur sei, entschieden sich viele Unternehmen für einen Chief Digital Offcer (CDO), so Doerschel. Die Deutsche Bank hat diesen Posten mit Markus Pertlwieser als CDO für Privat- und Firmenkunden besetzt. 

Man mag diesen Prozess mit einem Schiff vergleichen, welches permanenter Instandhaltung bedarf, damit es nicht durchrostet. Hat die Mannschaft sich einmal mit Nadelhammer, Pinsel und Farbe vom Bug bis zum Heck gearbeitet, beginnt die Arbeit am Bug von neuem. Diese Arbeit zu organisieren und Instandhaltungsbedarf mit vorausschauender Planung zu erkennen, ist auf dem Schiff Aufgabe des ersten Offiziers, in der Bank der Zukunft ist dies Aufgabe des CDO", beschreibt Doerschel (Seite 100).  

Plattform Verimi soll digitale Sicherheit bringen

So liegt der Deutschen Bank sicher nicht nur eine erfolgreiche Umsetzung des aktuellen Beratungsvertrags am Herzen, sondern auch ihr Engagement in Sachen digitale Sicherheit. Hierzu hat sich das Institut neben anderen Partnern wie Daimler, Lufthansa oder Telekom als treibende Kraft hinter das junge Fintech Verimi gestellt. "Wenn Amazon, Facebook und Alibaba das Wohnzimmer sind, dann sind wir der Schlüssel in die Wohnung, der Schlüssel zum Internet", erklärte CDO Pertlwieser, der neben seinem Job bei der Deutschen Bank auch als Chef des Gesellschafterausschusses von Verimi fungiert, jüngst in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir müssen uns in der digitalen Welt gegen amerikanische und asiatische Technologiegiganten behaupten", fügte er hinzu.

Das System ist einfach erklärt: Der Kunde hinterlegt nur ein Mal seine gesammelten persönlichen Daten auf der Plattform. Im Anschluss kann er künftig über den "Verimi"-Button barrierefrei im Internet shoppen, Reisen buchen oder Fußballtickets ordern. Dabei seien die Daten laut Verimi sicher geschützt. Bislang hätte noch kein Hacker den Daten-Safe knacken können, heißt es.

Doch braucht es für den kommerziellen Erfolg vor allem Business-Partner, die sich der Plattform anschließen und das System so für Verbraucher erst attraktiv machen. Mit Volkswagen und der Deutschen Bahn hat Verimi denn auch zwei große Namen verkündet, die sich neben den bereits zehn anderen Unternehmen beteiligen werden. Und weitere namhafte Kandidaten stünden bereits in den Startlöchern, erklärte Pertlwieser gegenüber der Zeitung.

Imagewandel forcieren

Zuletzt hatte die Deutsche Bank mit einer neuen Kampagne ihr Image unter dem Hashtag "PositiverBeitrag" aufpolieren wollen. Multimediaprojekte etwa über die junge Weltumseglerin Laura Dekker, die die Bank allerdings nicht als Kundin betreut, sollen einen positiven Eindruck vermitteln, Kunden ansprechen und Mitarbeiter motivieren.

Das Echo, etwa bei Marketingspezialisten, war allerdings geteilt und reichte von "trifft genau den Nerv" bis hin zu "konkrete Leistungsbeweise der eigenen Truppe sind sicher überzeugender als ein zugekaufter Promi", wie die Fachzeitschrift "Horizont" im Juni berichtete. Einer der vom Magazin befragten Markenexperten brachte auf den Punkt, was wohl für alle aktuellen Baustellen des Instituts gilt: "Die Deutsche Bank braucht einen tiefgreifenden Transformationsprozess."


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