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16.11.2017 | Bankstrategie | Interview | Onlineartikel

"Regulatorische Belastungen müssen für kleine und mittlere Banken weniger werden"

Autor:
Anja Kühner
Interviewt wurde:
Florian Rentsch

ist seit Juli 2017 Vorsitzender des Vorstands des Verbands der Sparda-Banken e.V.

Welchen Herausforderungen müssen sich die Sparda- Banken im stark gewandelten Bankenmarkt stellen, wie begegnen sie der Digitalisierung? Springer Professional fragte Florian Rentsch, seit Juli 2017 Vorstandsvorsitzender des Verbands der Sparda-Banken.

Springer Professional: Herr Rentsch, Sie sind seit kurzem neu im Amt –  was haben Sie sich für Ihren neuen Job vorgenommen? In welcher Form fließen Ihre Erfahrungen und Kontakte aus der Politik ein, auch mit Blick auf die Bankenregion um den Standort Frankfurt am Main?

Es gibt in der ganzen Finanzbranche jede Menge Baustellen, die auch die Gruppe der Sparda-Banken betreffen. Die großen Themen, wie Niedrigzins, Regulatorik und Digitalisierung, brauche ich nicht herunterzubeten, die kennen Ihre Leser gut genug. Bei all diesen Punkten geht es mir persönlich aber vor allem um eins: Wie können die Sparda-Banken aus diesen Herausforderungen das Beste machen? Wie können sie sich zukunftssicher aufstellen und dabei aus ihren guten Voraussetzungen noch mehr herausholen? Denn als Genossenschaftsbank mit einer starken Beziehung zu den Mitgliedern haben wir durchaus Vorteile, die wir beispielsweise bei der Digitalisierung nutzen können. Aber klar ist auch: Die regulatorischen Belastungen müssen gerade für kleine und mittlere Banken weniger werden.

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Banken zwischen Regulierung und Digitalisierung – Geschäftsmodelle unter Stress

Banken befinden sich gegenwärtig inmitten einer Zeitenwende. Diese ist gekennzeichnet durch die Gleichzeitigkeit von massiven Regulierungsfolgen einerseits und immensen Herausforderungen an unser Geschäftsmodell andererseits. 

Was den Finanzstandort Frankfurt angeht, bin ich der Ansicht, dass ein klares Bekenntnis der Politik nicht nur zum Finanzplatz Frankfurt, sondern auch zu einem starken deutschen Finanzmarkt insgesamt unabdingbar ist. In meiner aktiven Zeit als Politiker habe ich mich viel mit der Standortfrage beschäftigt und sehe nun die Thematik von der anderen Seite. 

Was ist Ihr Vorschlag?

Die Marktteilnehmer müssen auch ihren Teil beitragen, beispielsweise, in dem sie sich gemeinsam mit der Politik Gedanken über ein Leitbild für den deutschen Finanzmarkt und die Regulierung machen. Dialogbereitschaft in dieser Hinsicht ist eine meiner zentralen Forderungen an die neue Bundesregierung.

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ganz klar das Thema Digitalisierung, schon aus einem persönlichen Interesse heraus. Es steht für mich ganz oben auf der Agenda, alles in meiner Macht stehende zu tun, um die Sparda-Banken bei ihrer Transformation ins digitale Zeitalter bestmöglich zu unterstützen. Und wenn ich mir so ansehe, welche Initiative und Engagement die Gruppe an diesem Punkt in jüngster Zeit entwickelt, kann ich nur sagen: Hut ab! Das macht richtig Spaß, dabei zu sein.

Viele Banken und Sparkassen drehen derzeit an der Gebührenschraube und ringen um neue Modelle, um die schrumpfenden Erträge zu stabilisieren. Wie sehen Sie das für Ihre Mitgliedsbanken? Ist aufgrund von Bankgebühren ein härterer Wettbewerb unter den Genossenschaftsbanken um neue Kunden ausgebrochen?

Wir fühlen uns als Genossenschaftsbanken gegenüber unseren Mitgliedern und Kunden verpflichtet, faire und gute Bedingungen zu bieten. Sie dürfen nicht vergessen, dass bei uns als Genossenschaftsbanken die Mitbestimmung eine große Rolle spielt. Denn die Mitglieder müssen letztlich auch die Konditionenpolitik ihrer Bank mittragen. Das ist eine ganz andere Voraussetzung als beispielsweise bei großen Privatbanken, wo letztlich nur der Aktionär und der Gewinn zählen. Das steht bei einer Genossenschaftsbank nicht im Vordergrund.

Aber auch die Sparda-Banken spüren: Das wirtschaftliche Umfeld wird zunehmend schwieriger. Für sie ist ganz klar, dass sie nachhaltig im Sinne ihrer Mitglieder agieren müssen. Das heißt, die Erträge müssen den Aufwand decken. Darauf verlassen sich unsere Mitglieder, die Miteigentümer ihrer jeweiligen Sparda-Bank sind. Jede Sparda-Bank muss vor diesem Hintergrund individuell entscheiden, welche Maßnahmen zu treffen sind. Über die Konditionen für die einzelnen Bankleistungen haben allein die zwölf wirtschaftlich und rechtlich unabhängigen Sparda-Banken die Entscheidungshoheit. 

Der Wettbewerb nimmt vor allem zu, weil viele ausländische Banken den deutschen Markt für sich entdecken. Deshalb wird es für uns Sparda-Banken noch wichtiger, nahe am Kunden sowie den Mitgliedern zu bleiben.

Deutsche Retailbanken hinken laut einer Studie bei Profitabilität und Kosteneffizienz im europäischen Vergleich hinterher. Welches Rezept empfehlen Sie den Sparda-Banken in Ihrem Verband?

Es gibt keine Pauschallösung, schon gar nicht für unsere zwölf Sparda-Banken, die regional verankert und individuell teilweise sehr unterschiedlich aufgestellt sind. Ein Hebel kann sicher die digitale Transformation des bisherigen Geschäftsmodells sein. Ich denke, da gibt es in puncto Standardisierung noch Effizienzpotenzial. Grundsätzlich haben die Sparda-Banken ein schlankes Geschäftsmodell, mit dem sie in der Vergangenheit gut gefahren sind und das es nach den heutigen Kundenbedürfnissen weiterzuentwickeln gilt.

Das Fusionskarussell dreht sich bei den Genossenschaftsbanken derzeit recht spürbar. Werden wir demnächst auch eine Fusion im Sparda-Bereich sehen?

Das ist zurzeit kein Thema.

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