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11.03.2020 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Fünf digitale Strategien machen Banken erfolgreich

Autor:
Dr. Richard Dratva
3:30 Min. Lesedauer

Der disruptiven Wucht der Digitalisierung begegnen Banken und Sparkassen mit Rezepten, die oft noch aus analogen Zeiten stammen. Digital-Banking-Experte Richard Dratva stellt fünf Strategien für etablierte Finanzmarken vor, die künftig Erfolge sichern sollen.

Etablierte Finanzmarken tun das, was ihnen vor dem Hintergrund ihrer über Jahrzehnte gewachsenen Geschäftspraktiken, Arbeitsweisen und Prozesse intuitiv richtig erscheint – und liegen damit im digitalen Zeitalter oftmals daneben. Im Vergleich zu den Challengern sind etablierte Banken momentan vor allem eines: langsam. Dies liegt insbesondere an ihrer technologischen Infrastruktur.

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Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in Banken und Sparkassen

Das Banking unterliegt neben der anhaltenden Niedrigzinssituation und den steigenden regulatorischen Anforderungen einem wesentlichen Einfluss durch die stark zunehmende Digitalisierung in allen Geschäftsbereichen. Zwar ist diese schon seit der Einführung des Computers für Kreditinstitute von Bedeutung, mit der rasanten Geschwindigkeit, in der neue Technologien entwickelt werden, steigt jedoch auch der Einfluss der Digitalisierung auf das Bankgeschäft.

1. Ressourcen radikal umverteilen

Unter der Oberfläche kämpfen Banken mit der enormen Komplexität und den Kosten hunderter verschiedener Systeme, die sie für ihr Tagesgeschäft aufrechterhalten müssen. Sie widmen deswegen den Löwenanteil ihres Technologiebudgets der Wartung ihrer bestehenden Systeme. Dadurch entsteht jedoch keine für den Kunden sichtbare Leistung, geschweige denn eine digitale User Experience, die es mit den geschmeidigen Angeboten der Challenger-Banken aufnehmen kann. Banken sollten sich deswegen darauf konzentrieren, spürbare Verbesserungen für den Endkunden zu erreichen. Die Modernisierung der zugrundeliegenden Systeme ist wichtig. Innovation aber ist wichtiger – und dafür müssen in den Banken die vorhandenen Ressourcen radikal umverteilt werden.

2. Übersichtlicher Service löst komplexen Angebotsdschungel ab

Für etablierte Unternehmen ist es einfacher, ihr Portfolio um neue Produkte und Dienstleistungen zu ergänzen als bestehende Angebote zu entfernen. Deswegen hat sich bei vielen etablierten Finanzmarken ein unübersehbarer Wust an Konten, Karten, Tarifen, Preisstufen und Services angesammelt. Natürlich ganz im Sinne der Kunden, denn die wissen diese große Auswahl doch sicher zu schätzen, oder? Die Wahrheit ist, dass sich die Kunden bei zu vielen Möglichkeiten schnell überfordert fühlen.

Hinzu kommt, dass Finanzinstitute nur dann schneller und innovativer werden können, wenn sie auch schlanker und fokussierter werden – also ihr Portfolio drastisch reduzieren. Eine kontraintuitive Strategie ist es deswegen, die Zahl der Optionen radikal zu verringern und die Customer Journey so weit wie möglich zu vereinfachen, denn Einfachheit bedeutet Bequemlichkeit und Bequemlichkeit ist der größte Treiber für Loyalität in der digitalen Welt.

3. Open Banking schlägt Wagenburgmentalität

Etablierte Finanzinstitute nehmen gegenüber dem Thema Open Banking nach wie vor eine defensive Haltung ein und betrachten es als rational, die Öffnung ihrer Systeme auf das regulatorische Minimum zu begrenzen. Die Finanzwelt der Zukunft ist jedoch hypervernetzt – es ist deswegen besser, Teil dieser Vernetzung zu werden als sich ihr zu verschließen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt künftig darin, die Daten Dritter intelligent zu nutzen und nicht nur die eigenen Daten Dritten zur Verfügung zu stellen.

4. Banken müssen selbst zum Challenger werden

Etablierte Institute schrecken vor Innovationen im Stil der Challenger zurück, weil sie befürchten, mit radikalen Veränderungen die Reputation ihres Institutes aufs Spiel zu setzen oder gleich ihre komplette Marke umbauen zu müssen. Eine kontraintuitive Strategie für Banken besteht darin, zu untersuchen, was genau die Wettbewerber so erfolgreich macht. Sie müssen anschließend mit halbunabhängigen Flanker Brands eigene Challenger auf den Markt zu bringen, um so losgelöst von der Hauptmarke mit neuen Technologien, Denkweisen und Kundensegmenten experimentieren zu können. Der große Vorteil dabei: Eine solche Flanker Brand muss gar nicht immer teuer sein.

5. Innovationen brauchen mehr "Fin" statt "tech"

Fintechs überzeugen vor allem mit ihrer Technologiekompetenz, ihrem kundenorientierten Designdenken und ihrer Fähigkeit, für alte Probleme neue Lösungen zu finden. Viele etablierte Institute glauben, selbst zu Technologieunternehmen werden zu müssen, um den neuen Wettbewerbern Paroli bieten zu können. Sie stellen hunderte von Entwicklern ein, bauen ihre IT-Infrastruktur aus und versuchen so, die Challenger technologisch zu überholen. Doch ist das wirklich nötig?

Etablierte Finanzmarken sollten sich vielmehr auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren: Die Entwicklung und den Vertrieb von Finanzprodukten und -dienstleistungen. Technologie ist nur Mittel zum Zweck und kann von Banken an spezialisierte Finanztechnologieanbieter outgesourct werden – ein weiterer Weg, um im digitalen Zeitalter flexibler, schneller und erfolgreicher zu werden.

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