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13.11.2019 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Bankkonten bleiben nicht kostenlos

Autor:
Barbara Bocks
3 Min. Lesedauer

Immer mehr Banken verlangen mittlerweile Gebühren für Guthaben von Privat- und Firmenkunden. Ob das bald branchenweit die Regel sein wird, darüber sind sich die Experten einig.

Deutsche Geldhäuser denken aktuell darüber nach, kostenlose Girokonten abzuschaffen. Das haben 101 Führungskräfte aus der Branche in einer Studie von Sopra Steria Consulting und des FAZ-Instituts angegeben, die Anfang November veröffentlicht wurde. 76 Prozent der befragten Institute gehen laut der Studie auch davon aus, dass Gratiskonten vor allem wegen der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) ihre Ankerfunktion verlieren. "Kurzfristig ist aber nicht mit einer flächendeckenden Einführung von Negativzinsen im Privatkundengeschäft zu rechnen, vielmehr sind davon Firmenkunden betroffen", sagt Tobias Keser, Director Banking bei Sopra Steria Consulting, gegenüber springerprofessional.de.

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Kreditinstitute müssen sich derzeit mit drei zentralen Problemfeldern beschäftigen. Die Zinsen befinden sich auf einem historisch niedrigen Niveau. Teilweise, wie zum Beispiel in der Schweiz, in Dänemark oder in Deutschland; werden Negativzinsen gehandelt. Darüber hinaus sind die Zinsstrukturkurven extrem flach.

Als bundesweit erstes Haus führte die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee im August 2016 ein Verwahrentgelt von 0,4 Prozent pro Jahr auf Giro- und Tagesgeldkonten mit mehr als 100.000 Euro Guthaben ein, heißt es in dem Bankmagazin-Artikel "Länger parken kostet Geld" (Ausgabe 7-8/2017). "Verwahrgebühren werden vor allem bei Institutionellen und Firmenkunden ab eine Million Euro sowie für hohe Einlagebeträge von Privatkunden ab 500.000 Euro erhoben", sagt Oliver Mihm, CEO von Investors Marketing, gegenüber springerprofessional.de. Bei knapp der Hälfte der Kreditinstitute ist das Mihm zufolge bereits Realität, bei allen anderen bis auf wenige Ausnahmen im Gespräch.

Privatkunden mehrheitlich nicht betroffen

"Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden sechs Monaten bis zu drei Viertel aller Banken und Sparkassen in diesen Zielgruppen Negativzinsen eingeführt haben werden", so Mihm weiter. Die Mehrzahl der Privatkunden sei jedoch nicht betroffen und werde es auch in der Zukunft nur zu einem kleineren Teil sein. Keser geht davon aus, dass die Institute mittelfristig zumindest für Neuverträge mit Privatkunden Negativzinsen ansetzen, sofern die Niedrigzinsphase anhält.

Dass es sich für die Neukundenakquise lohnt, wenn einzelne Kreditinstitute bewusst ihre Gebühren nicht erhöhen, bezweifeln die Experten. "In der Tat stellen einzelne Häuser diese Überlegungen an", so Mihm. Aktuell sieht er auch die Verschiebung von Geldern aus Häusern mit Negativzinsen zu anderen. Allerdings würden fast alle Institute versuchen, dem durch neue Verträge entgegenzuwirken, die ebenfalls Negativzinsen vorsehen. "Ein aktives Werben mit 'Wir haben keine Negativzinsen' könnte sich im Falle eines langanhaltenden negativen Zinsniveaus als fatal erweisen", erklärt Mihm. Daher empfiehlt er niemandem, "so neue Kunden zu gewinnen, wenn er seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren möchte". 

Das sieht Keser ähnlich. "Die Masse der Bankkunden ist träge und wechselt nicht die komplette Geschäftsbeziehung, sondern nutzt eher einzelne spezifische Finanzdienstleistungen unterschiedlicher Banken", argumentiert Keser. Wenn diese Produkte nicht über entsprechendes Cross Selling quersubventioniert werden könnten, helfe es der Bank am langen Ende nicht weiter.

Privatkunden das eigene Vorgehen erklären

Die Kundenbeziehung wird allerdings gestärkt, wenn die Institute Kunden ihr Vorgehen erläutern. Endkunden müssen Keser zufolge verstehen, dass nicht die Banken und Sparkassen den Negativzins verantworten, sondern die EZB. "Ein fairer Schritt wäre, wenn Banken heute bereits ihre Privatkunden über mögliche künftige Negativzinsen informieren und zum Beispiel in langfristigen Produkten beraten, die keine Negativklauseln enthalten", so Keser.

Mihm empfiehlt den Instituten verschiedene Umsetzungsszenarien sorgfältig zu prüfen sowie Chancen und Risiken für das einzelne Haus abzuwägen. Hierfür sei es wichtig, "auch die Interdepenzen zwischen Privat- und Geschäftskunden im Auge zu haben, um die Kundenbeziehungen nicht überzustrapazieren". In jedem Fall sollte die Einführung von einem aktiven und ehrlichen Dialog mit den Kunden begleitet sein und Kunden sinnvolle Alternativen zu hohen Giro- und Sparguthaben anbieten. Es dürfe die Institute aber dennoch nicht überraschen, "wenn es bei einer Ausweitung von Negativzinsen in die breitere Privatkundschaft zu deutlichen Reaktionen kommt".

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