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02.02.2018 | Bankstrategie | Nachricht | Onlineartikel

Trump verdirbt Cryan den Auftritt

Autor:
Stefan Terliesner

Aus dem erhofften Gewinn nach Steuern bei der Deutschen Bank für 2017 wurde nichts. Die US-Steuerreform belastet zunächst das Ergebnis des Instituts. Negativ-Meldungen dominieren weiterhin das Bild.

Er hätte es fast geschafft: Ohne die Ende 2017 in den USA auf den Weg gebrachte Steuerreform hätte John Cryan heute einen Gewinn nach Steuern präsentieren können – 900 Millionen Euro, nach einem Verlust von 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2016. Daraus wurde nichts. Weil sich US-Präsident Donald Trump zumindest mit seinen Steuererleichterungsplänen für Unternehmen gegen seine Widersacher durchsetzen konnte, muss der Deutsche Bank-Chef für 2017 zum dritten Mal in Folge rote Zahlen verkünden: Ein Minus von 500 Millionen Euro weist der Konzern als Nettoverlust aus. 2016 hatte das Geldhaus rund 1,4 Milliarden Euro verloren, im Jahr davor waren es 6,8 Milliarden Euro.

Verlustvorträge weniger wert

Die US-Steuerreform belastet die Deutsche Bank mit ihrem umfangreichen USA-Geschäft, weil ihre in den Vorjahren angehäuften Verlustvorträge nun weniger wert sind und daher im Abschluss für 2017 Abschreibungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro notwendig wurden. Insofern hat Trump Cryan zunächst die Tour vermasselt. Künftig dürfte die geringere Körperschaftssteuer in den USA einen positiven Einfluss auf den Nettogewinn haben. "Wir sind auf einem guten Weg zu nachhaltigem Wachstum und einer höheren Rendite", verkündete Cryan am 2. Februar 2018 gegenüber der Wirtschaftspresse. Den Vorsteuergewinn bezifferte er auf 1,3 Milliarden Euro. "Den ersten seit drei Jahren", hob der Manager hervor. 

So ganz scheinen die Investoren dem Vorstandsvorsitzenden aber nicht zu glauben. Denn an der Börse verlor die Aktie der Deutschen Bank in einem schwachen Umfeld bis zum Mittag desselben Tages überdurchschnittlich um rund sechs Prozent an Wert. Das Papier kostet nur noch 14 Euro, nach gut 17 Euro Mitte Dezember 2017. Negativ ins Kontor fallen die hohen Kosten des Konzerns. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis liegt bei 85 Prozent. Und für 2018 plant die Deutsche Bank mit Aufwendungen von 23 Milliarden Euro, nachdem sie zuvor ein Ziel von 22 Milliarden Euro genannt hatte. Ordentlich sieht die harte Kernkapitalquote (CET 1; Vollumsetzung von CRR/CRD4) mit 14 Prozent per Ende 2017 aus, nach 13,8 Prozent zum Jahresultimo 2016. Die Verschuldungsquote blieb konstant bei 3,8 Prozent.

DWS auf Einkaufstour

Mit Blick auf den geplanten Börsengang der Fondssparte Deutsche Asset, die weltweit rund 700 Milliarden Euro Vermögen verwaltet und für die der Name DWS wiederbelebt wird, berichtete Cryan von "Fortschritten". Laut "Börsen-Zeitung" sucht die Tochtergesellschaft aktuell nach einem Zukauf in Großbritannien. Im fünftgrößten Fondsmarkt Europas seien die Deutschbanker nur dürftig vertreten. Der Börsengang der Deutsche Asset/DWS könne bereits im März stattfinden. Die Deutsche Bank wolle ein Viertel der Anteile abgeben und hoffe auf einen Emissionserlös von zwei Milliarden Euro. Die neuen Anteilseigner hätten aber nur ein beschränktes Mitspracherecht, denn das Mutterhaus sichere sich durch die Rechtsform der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ihre Vorherrschaft.

Einen Schatten auf den geplanten Börsengang und eine Belastung für den Aktienkurs der Mutter waren zuletzt weitere Rechtshändel sowie negative Medienberichte. Demnach muss die Deutsche Bank jetzt wegen Manipulation des Referenzzinssatz Isdafix eine Strafe von 70 Millionen US-Dollar zahlen. Erst wenige Tage zuvor legte das Institut gegen Zahlung von 30 Millionen US-Dollar einen Rechtsstreit bei. Die US-Derivateaufsicht CFTC hatte der Bank illegale Preisbeeinflussung auf dem Markt für Terminkontrakte auf Edelmetalle vorgeworfen. Wie schon so oft in der Vergangenheit – das verdeutlicht auch der Beitrag "Hohe Strafen belasten Bilanzen" in der Bankmagazin-Ausgabe 1/2017 – einigte sich die Bank mit der Behörde auf einen Vergleich zur Beendigung des Konflikts. Zu Gerichtsurteilen kommt es so nicht.

Großaktionär mit Problemen

Für Verunsicherung bei Investoren sowie wohl auch bei Angestellten der Deutschen Bank sorgen Berichte über Refinanzierungsprobleme beim chinesischen Mischkonzern HNA Group, der seit Frühjahr 2017 mit 9,9 Prozent größter Einzelaktionär des Kreditinstituts ist. HNA hat in den vergangenen drei Jahren etliche fremdfinanzierte Akquisitionen getätigt und einen großen Berg an Schulden aufgetürmt. Wie Medien unter Berufung auf Bloomberg berichten, ist HNA allein im ersten Quartal 2018 mit der Ablösung von Schulden in Höhe von umgerechnet 10 Milliarden Dollar konfrontiert. Die notwendigen Mittel machen vermutlich umfangreiche Asset-Verkäufe notwendig.

Boni sorgen für Diskussionen

Unglücklich wirkt auch die Ankündigung Cryans, wieder kräftig Boni an die Mitarbeiter, allen voran im Investment Banking, auszuzahlen. Bereits Anfang Januar hatte der Vorstandschef die Öffentlichkeit darauf vorbereitet. Sogar der Regierungssprecher in Berlin mischte sich ein: Die Unternehmensleitung müsse sich "selbstverständlich fragen, welchen Eindruck sie erzeugt". Doch Cryan steht bei den Angestellten im Wort, den Hebel bei der variablen Vergütung wieder umzulegen, nachdem die Entwicklung bei den Ausschüttungen zuletzt abwärts ging: 2013: 3,2 Milliarden Euro, 2014: 2,7 Milliarden Euro, 2015: 2,4 Milliarden Euro und 2016: 0,6 Milliarden Euro. Einem Bericht zufolge wird der Konzern für 2017 rund 1,2 Milliarden Euro Boni auszahlen – der Großteil davon geht an Investment Banker.

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