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08.01.2014 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Regionalbanken einer Krise vorbeugen

Autor:
Stefanie Hüthig

Eine Studie schlägt Alarm für Genossenschaftsbanken und Sparkassen: Nicht nur riskante Geschäftsmodelle stürzen Kreditinstitute in die Krise. Die Häuser können jedoch mit verschiedenen Strategien gegensteuern.

2018 werden 65 Prozent aller Sparkassen und Volksbanken in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sein, wenn sie nicht dagegen angehen. Dies meldete das „Handelsblatt“ unter Berufung auf eine Untersuchung von Wirtschaftsprofessor Bernd Nolte, Gründer und Geschäftsführer von 4P Consulting, die eine Gruppe von Genossenschaftsbanken und Sparkassen in Auftrag gegeben haben soll. Bereits heute müsse jedes dritte Regionalinstitut 74 Cents aufwenden, um einen Euro Ertrag zu erzielen. Das Papier warnt der Zeitung zufolge vor einer „deutschen Regionalbankenkrise“, von einem „existenzbedrohenden Ertrags- und Kostenproblem“ ist die Rede.

Regionalinstitute sind großen Privatbanken nicht generell unterlegen

Die Annahme, dass es Sparkassen und Genossenschaftsbanken an Effizienz mangelt, gibt es schon lange. In einigen Ländern, etwa in Frankreich für die Sparkassengruppe in den 70er und 80er Jahren, treffe dies zu, schreiben Professor Reinhard H. Schmidt, Dilek Bülbül und Ulrich Schüwer von der Goethe-Universität Frankfurt am Main in der Springer-Publikation Bankmagazin. Es gelte aber „keinesfalls“, dass die großen privaten Banken den dezentralen Instituten generell überlegen sind. Das zeigten schon die Entwicklungen in Deutschland. Nach Berechnungen der drei Autoren, die den Zeitraum 2000 bis 2012 umfassen, ist zum Beispiel die Aufwand-Ertrag-Relation der Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Durchschnitt der Jahre niedriger als die der Großbanken. Studien, die „anspruchsvollere ökonometrische Methoden“ verwenden, kämen zu ähnlichen Ergebnissen, heißt es in dem Artikel der Wissenschaftler.

Laut „Handelsblatt“ beschäftigen sich die europäische und deutsche Politik, die Bundesbank sowie die Finanzaufsicht Bafin schon „eingehend“ mit der Zukunft der Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Die Zeitung nennt vier Trends, an denen Regionalbanken schwer zu knabbern haben:

  1. den steigenden Wettbewerbs- und Preisdruck,

  2. die im Verhältnis zur Institutsgröße aufwändige Umsetzung der regulatorischen Vorgaben,

  3. den hohen Margendruck, ausgelöst durch die niedrigen Zinsen, sowie
  4. die Herausforderung für die Kreditinstitute im aktuellen Niedrigzinsumfeld, Fristenkongruenz herzustellen.

Strengere Regeln als Fusionsgrund

Auf das Zinsumfeld, den Wettbewerbsdruck und die gesetzlichen Vorgaben hat die einzelne Sparkasse oder Genossenschaftsbank freilich nur sehr wenig oder gar keinen Einfluss. Die Häuser können lediglich versuchen, so effizient wie möglich damit umzugehen, etwa bei der Umsetzung der strengeren Regeln. Ein Weg für kleine regionale Banken kann ein Schulterschluss mit einem oder mehreren Häusern zu einer größeren Einheit sein. „Ich glaube, dass die Regulierung künftig ein Fusionsgrund für kleine Banken sein wird, die es nicht schaffen, die Vorgaben selbst zu bewerkstelligen“, erklärt Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen, Ende 2013 im Interview mit dem Bankmagazin. Für sein Institut – die Volksbank Mittelhessen hat seit dem Jahr 2003 zehn Zusammenschlüsse durchgezogen und belegt auf der genossenschaftlichen Rangliste Platz neun – spiele das Thema Regulierung bei Fusionen eine untergeordnete Rolle. „Institute unserer Größenordnung, als Genossenschaftsbank oder Sparkasse mit vier, fünf oder sechs Milliarden Euro Bilanzsumme, haben Spezialisten für die Regulierung ohnehin schon im Haus“, sagt Hanker.

Neben den Synergieeffekten bei der Umsetzung regulatorischer Vorgaben lassen sich Ziele, die Banken und andere Unternehmen mit Fusionen verfolgen, in drei Cluster einteilen, wie die Springer-Autoren Max M. Habeck, Fabian Frohn und Samy Walleyo in ihrem Buch „Fusionsfieber 2.0“ darstellen:

  1. Wachstumsziele, zum Beispiel Zugang zu neuen Märkten und Kunden, Realisierung von Cross-Selling-Möglichkeiten, Erreichen einer kritischen Größe, Steigerung des Marktanteils,

  2. Kostenziele/Synergieziele wie Kostensenkung durch Skaleneffekte, Straffung der Administration und

  3. Innovationsziele, beispielsweise Wissenstransfer, Produkt- und Prozessinnovationen.

Zusammenschlüsse sind aber nicht die einzige Möglichkeit, die strengeren Banken-Regeln als kleines Haus effizient zu implementieren. So sieht Unternehmensberater Kristian Buric nachahmungswürdige Beispiele im europäischen Ausland, aber auch im Sparkassensektor: „Dort gibt es Gesellschaften, die sich als Dienstleister um Regulierungsanfragen für regional agierende Institute kümmern. Als zentrale Service-Center stellen sie einen Ressourcenpool für einen Verbund von Banken über eine Kooperationslösung bereit.“ Die Verantwortung für die Einhaltung regulatorischer Bestimmungen verbleibe allerdings stets bei der jeweiligen Bank.

Das „Handelsblatt“ führt auch die vielen Filialen und den hohen Personaleinsatz als Ursachen für das Effizienzproblem der Regionalbanken an. Daran lasse sich auch nicht schnell etwas ändern. Filialschließungen seien bei Bürgern unpopulär. Und das gilt nicht nur für ältere Kunden, wie eine Befragung der Fachhochschule Köln unter Digital Natives zutage brachte. Würde ihre Bank ihre Filialen schließen und durch ein reines Online-Angebot ersetzen, wäre darüber ein Großteil der jungen Kunden unglücklich. Nur acht Prozent würden dieser Entscheidung positiv gegenüber stehen.

Betriebsbedingte Kündigungen gelten als No-Go

Auch betriebsbedingte Kündigungen, selbst wenn rechtlich möglich, widersprechen oft dem Selbstverständnis von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Wenn ein Regionalinstitut aber in fünf Jahren 1.000 von 5.500 Stellen nur mittels natürlicher Fluktuation abbauen will, sei das „ein schwieriges Unterfangen“, zitiert Rainer Spies eine leitende Managerin einer Genossenschaftsbank, die nicht namentlich zitiert werden möchte. „Wenn eine Bank allein auf die natürliche Fluktuation setzt, muss diese intensiv gemanagt werden“, weiß die Expertin, die in ihrem Verantwortungsbereich den Abbau von 30 Prozent der Stellen in fünf Jahren begleitet hat. Nur eine weitsichtige Personalplanung und der Transfer von Wissen könnten gewährleisten, dass durch Fluktuation nicht Lücken in der Kompetenzdecke entstehen.

Mitte 2012 sah Professor Schmidt von der Frankfurter Goethe-Universität „harte Attacken gegen das Drei-Säulen-System“ von europäischer Ebene voraus. „Wir sollten diese Biodiversität im Finanzsystem nicht gefährden. Vielleicht sind ja gerade diese Säulen der Bankenwelt dauerhafter als die Shareholder-Value-getriebenen Großbanken“, forderte er im Interview mit Springer-Autorin Anja Kühner. Für den Moment spielt Noltes aktuelle Studie den Gegnern der Regionalinstitute in die Hände. Noch können Sparkassen und Genossenschaftsbanken aber gegenlenken.

 

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