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23.11.2016 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Sparen lässt sich nur im Gleichschritt

Autor:
Eva-Susanne Krah

Kosten senken, Prozesse auslagern und Innovationen vorantreiben – diese Aufgaben müssen Kreditinstitute dringend vorantreiben, um ihre Ertrags- und Margenmisere abzumildern. Outsourcing ist eine Lösung.

Banken und Sparkassen haben ein massives Ertrags- und Kostenproblem. Nie zuvor fielen die Margen so gering aus wie derzeit. Laut dem aktuellen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank lag die Cost Income Ratio (CIR) der Institute Ende 2015 bei rund 70 Prozent. Von jedem Euro, den eine Bank an Ertrag erzielte, blieben ihr im vergangenen Jahr nach Abzug aller Kosten nur noch 30 Cent. Durch das anhaltend niedrige Zinsniveau der Europäischen Zentralbank könnte sich dieses Verhältnis sogar noch verschlechtert haben, schreibt der Autor Jan F. Wagner in seiner Titelgeschichte "Sparen lässt sich nur im Gleichschritt" in der Novemberausgabe von Bankmagazin. Zudem geraten die Geldhäuser auch durch Online-Konkurrenten aus dem Nichtbanken-Umfeld zunehmend unter Druck, beispielsweise im angestammten Verbraucherkreditgeschäft. Hier erwarten mehr als 70 Prozent der Führungskräfte von 118 Kreditinstituten, die Roland Berger und Eurofinas befragt haben, dass ihr Geschäft durch Fintechs, Online-Banken oder virtuelle Superanbieter wie Google oder Paypal gefährdet wird. 

Experten halten jedenfalls die aktuellen Erträge in der deutschen Bankenbranche für zu gering und das Aufwands-Ertrags-Verhältnis für zu hoch. Sie empfehlen eine Aufwands-Ertrags-Relation von höchstens 60 Prozent, So mahnt beispielsweise Wolfgang König, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main das "Aufwand-Ertrag-Verhältnis der klassischen Banken in Deutschland ist zu hoch. Sie müssen hier dringend etwas tun, auch weil die Zinsen und damit die Ertragskraft™ für die kommenden vier bis fünf Jahre niedrig bleiben werden“. 

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Aktuelle Beispiele liefern laut Wagner die beiden Branchenriesen Deutsche Bank, deren CIR bei weit über 80 Prozent liegt, und die Commerzbank. Sie hat mit derzeit rund 70 Prozent eine ebenfalls zu hohe CIR. Die Geschäftsbanken sind sich der Problematik bewusst und haben zwar bereits einiges unternommen, um ihre Kosten zu senken. Die Restrukturierung und der Abbau von Arbeitsplätzen allein können es jedoch nicht richten.

Outsourcing als Lösung

Eine weitere Lösung, die Kosten zu drücken, ist das IT-Outsourcing an entsprechende Service Provider. Große Geldhäuser setzen auf Outsourcing, um im IT-Bereich zu sparen. Dienstleister bauen entsprechend Kapazitäten aus und verlagern Einheiten in Billiglohnländer. Einige Institute holen jedoch ausgelagerte IT-Einheiten auch bewusst wieder zurück, um so die Innovationskraft des eigenen Hauses zu stärken und die Hoheit über das Know-how zu behalten. Das Outsourcing ganzer Geschäftsprozesseinheiten birgt noch andere Vorteile: Im Wege der Auslagerung von Prozessen, die nicht zwingend zum Kerngeschäft der Institute gehören, können aus Sicht von Springer-Autor Dietrich Voigtländer, Vorsitzender des Vorstands der Portigon AG, nicht zuletzt auch "Managementkapazitäten für das strategisch wichtige Geschäft freigesetzt sowie aufgrund der Realisierung von Skaleneffekten Kosten eingespart werden", schreibt er im Buch "Neuausrichtung der Banken - Auf der Suche nach Ertragsquellen und Eigenkapital" (Seite 6). 

Durch die Auslagerung von IT-Jobs aus der Kernbank in ausländische Tochtergesellschaften wollen vor allem große Institute noch mehr an der Effizienzschraube drehen. Allein bei der Commerzbank betrifft die Strategie laut Jan F. Wagner etwa ein Drittel der 2.500 IT-Stellen, also etwas über 800 Jobs. Sie sollen in der Commerzbank-Holding zur deutschen Tochtergesellschaft Commerz Systems und an IT-Fachkräfte nach Polen und Tschechien, ein weiteres Drittel möglicherweise im IT-Outsourcing nach Indien ausgelagert werden. Für den Standort sprechen niedrige Kosten, zum Beispiel bei den Gehältern. Doch die indische Unternehmenskultur gilt als äußerst hierarchisch, weiß Wagner. Weitere Hürden können die hohe Fluktuation und Missverständnisse in der Zusammenarbeit aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe deutscher Bankmitarbeiter und indischer Spezialisten sein. Für eine Bank, die mit externen Spezialisten arbeitet, sei eine klare und verständliche Kommunikation aber ein entscheidendes Erfolgsgeheimnis, betont Bankmagazin-Autor Wagner.

Mark Wahrenburg, Professor für Bankmanagement, Regulierung und Risikomanagement an der Goethe-Universität, glaubt, dass Einsparungen nicht zwingend zulasten der Qualität gehen müssen, wenn eine Auslagerung im Bankensektor intelligent umgesetzt wird. Als Beispiel nennt er die Deutsche Bank, die ihre Derivateabwicklung erfolgreich und ohne Qualitätseinbußen von London nach Indien gebracht hat. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) rechnet laut Wagner mit weiterem Outsourcing von IT-Prozessen seitens der deutschen Kreditinstitute. Am häufigsten ausgelagert würden IT-Serviceleistungen und Prozesse rund um die Wertpapierabwicklung. Allerdings ist Indien dabei nicht immer das Allheilmittel, denn laut Bafin werden die meisten Aufgaben im Outsourcing an Dienstleister innerhalb Deutschlands vergeben. 

Das Know-how im eigenen Haus behalten

Anders sieht die Situation bei der Entwicklung interner Anwendungen aus. Nicht immer ist IT-Outsourcing hier von Vorteil, denn wenn zuviele IT-Prozesse ausgelagert werden, kann die Wettbewerbsfähigkeit der Banken leiden, so Wagner. Ein Beispiel dafür sind Apps. Dienstleister könnten diese zwar programmieren, lieferten aber nur selten auch die dazu nötigen innovativen Ideen. Deutschlands größtes Geldhaus sieht inzwischen die interne Weiterentwicklung als Wettbewerbsvorteil und holt über ihre inzwischen gegründete Digitalfabrik in Frankfurt am Main IT-Spezialisten und Bankexperten unter einem Dach zusammen. In das Projekt flossen bisher Investitionen in Höhe von 750 Millionen Euro.

Roboter sind billiger

Für Dirk Dose, Managing Consultant bei der Unternehmensberatung PPI, kommen auch Roboter in Frage, um Kosten zu senken. Sie seien bis zu 20 Prozent günstiger als ein Mitarbeiter in Deutschland und bis zu 30 Prozent günstiger als ein externer menschlicher Kollege im Ausland. "Je standardisierter die Prozesse und je schneller die Informationen zur Verfügung stehen, umso eher ist eine Automatisierung durch Roboter möglich", wirbt Dose für den Einsatz künstlicher Intelligenz.

Für das Beratungsgeschäft der Banken können zuviele automatisierte Prozesse im Zuge der Digitalisierung laut Wagner hingegen eher hinderlich sein. Hier würden Berater gebraucht, die ihren Kunden die komplexen Hintergründe zu Finanzprodukten erklären können, etwa bei Fonds, Altersvorsorgeplänen oder Versicherungen.

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