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23.01.2013 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Bankenbarometer: Konservative Strategien gefragt

Autor:
Eva-Susanne Krah
3 Min. Lesedauer

Die Ergebnisse des neuen Europäischen Bankenbarometers von Ernst & Young haben es ans Licht gebracht: Bankmanager rechnen mit einer Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa und hängen daher die Fahne für 2013 eher tief. Prioritäten liegen auf konservativen Strategien wie mehr Wachstum im Retailgeschäft und Stellen auf dem Prüfstand, aber einer besseren Kreditvergabe an leistungsstarke KMU. Neben den regulatorischen Anforderungen wartet mit der Finanztransaktionssteuer schließlich schon die nächste Herausforderung.

Deutschlands Bankenmarkt blickt vorsichtig bis skeptisch ins neue Jahr. Das konstatieren die Fakten im aktuellen Bankenbarometer von Ernst & Young, die in dieser Woche in Frankfurt am Man vorgestellt wurden, allzu deutlich. So rechnet fast jedes zweite deutsche Institut damit, dass sich die deutsche Binnenkonjunktur in den nächsten Monaten eintrübt. Und nur jede vierte Bank erwartet in den kommenden Monaten eine Verbesserung der eigenen Geschäftslage: Fast 40 Prozent rechnen sogar mit einer Verschlechterung. Der Grund: Nach Einschätzung der 269 befragten führenden Banken, davon 50 in Deutschland, ist die Schuldenkrise eben noch lange nicht ausgestanden. Optimistischer geben sich Institute innerhalb Europas nur in Großbritannien, Italien und Österreich. In Großbritannien meinen 41 Prozent der befragten Institute beispielsweise, dass sich die allgemeine Wirtschaftslage im eigenen Land in den nächsten sechs Monaten verbessern werde. Die Mehrheit der deutschen Banken erwartet kurzfristig auch Probleme im europäischen Bankensektor. Gerade stimmten 11 der 27 EU-Staaten für die Einführung der Finanztransaktionssteuer zu. Damit kommen weitere Verpflichtungen auf die internationalen Bankinstitute zu.

Mitarbeiterzahlen sinken, Kreditvergabe an KMU soll zunehmen

Sehr zurückhaltend sind die Prognosen im Bereich der Beschäftigung: Vier von zehn Banken wollen die Zahl ihrer Beschäftigten reduzieren. Europaweit wollen 45 Prozent der Banken voraussichtlich in den kommenden sechs Monaten Personal abbauen. Nur eine Klientel dürfte aufatmen: Laut Bankenbarometer sollen mittelständische Unternehmen aus Branchen wie Medien, IT und Telekommunikation, Einzelhandel und dem Konsumgütersektor von Banken bei der Kreditvergabe weniger restriktiv behandelt werden und künftig leichter an Kredite kommen.

Stichwort Corporate Banking: Hier erwartet fast jede zweite deutsche Bank nach den Ergebnissen der Studie vor allem eine steigende Nachfrage nach Firmendarlehen. Europaweit liegt dieser Anteil deutlich niedriger. Anderen Produkten wie Anleihen, Hedging-Produkten oder Aktienemissionen wird dagegen eine sinkende Nachfrage prognostiziert. Gute Wachstumschancen sehen die Banken vor allem im Retail- und Einlagengeschäft. Immobilienkredite sehen zwei von drei deutschen Banken vorn aufgrund der attraktiven Zinslage für Bauherren.

Risikovorsorge und -management haben Priorität

Die Aufgaben, die das Management der Banken auch im laufenden Jahr weiter prägen werden, beurteilen die befragten Institute nüchtern: Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft werde sowohl bei deutschen Banken als auch europaweit steigen. Daher stehen laut dem Bankenbarometer weniger die Einführung und Entwicklung neuer Produkte für die Kunden oder die Restrukturierung des eigenen Geschäfts im Fokus, sondern vielmehr Themen wie Risikomanagement, die Vorbereitung auf Basel III, Prozessoptimierung und Kostensenkungen.

Welchen Herausforderungen die Banken unter anderem aktuell gegenüber stehen, zeigt der Beitrag " Kreditinstitute gehen voll ins Risiko" aus der Septemberausgabe von BANKMAGAZIN. Dabei wird unter anderem deutlich, dass Regulierung und Euro-Krise Banken vor eine harte Bewährungsprobe stellen. Der Band "Geld, Kredit und Banken" von Horst Gischer, Bernhard Herz und Lukas Menkhoff beleuchtet dazu die Regulierungsthematik umfassend und zeigt, welche Bedeutung und tiefgreifende Ausmaß das Thema für Banken in den letzten Jahren genommen hat.

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Quelle:
Geld, Kredit und Banken

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