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05.05.2017 | Bankstrategie | Kolumne | Onlineartikel

Das Erwachen der Banking-Ökosysteme in Deutschland

Autor:
Frank Schwab

Eigentlich sollten Ökosysteme für deutsche Banken und Sparkassen eine Selbstverständlichkeit sein. Vorbilder dafür gibt es zum Beispiel in der Automobil- und Softwareindustrie, meint Frank Schwab.

Mit einer Wertschöpfungstiefe von etwa einem Viertel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine umfangreiche, jeweils hoch spezialisierte Automobil-Zuliefererindustrie entwickelt. Die Folge: Innovations-, Qualitäts- und Kostenvorsprünge machen Deutschland zur Auto-Nation Nr. 1. Im Vergleich dazu liegt die Wertschöpfungstiefe von Banken und Sparkassen bei etwa 80 Prozent und damit viel zu hoch, um den heutigen Innovations-, Kunden- und Kostenanforderungen gerecht zu werden. Ein Blick auf die geringe Innovationskraft und Kundenzufriedenheit einerseits und viel zu hohe Cost-Income-Ratios andererseits zeigen das deutlich.

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Im digitalen Zeitalter macht Apple vor, wie man nicht nur die Produktion von physischen Produkten, etwa iPhone, iPad, Mac mini, komplett nach China auslagert, sondern auch Softwareprodukte geschickt durch Dritte, etwa Software- Entwickler aus der ganzen Welt, entwickeln lässt. Beispiel hierfür sind die Apps im Appstore. So entsteht ein digitales Ökosystem, das für viele Beteiligte großen Nutzen stiftet. Apple kann auf seinen iPhones täglich neue Anwendungen Millionen von Käufern zur Verfügungen stellen und kassiert beim jedem bezahlten Download eine kräftige Provision. App-Entwickler können über den Store des Anbieters Millionen von Käufern erreichen, zu denen sie sonst nie Zugang hätten. Sie können aus einer Vielfalt von Apps auswählen, die am besten zu ihren Interessen passen – ein Win-Win-Win-Prinzip.

Vergleichbar dazu hat Amazon sein eigenes E-Commerce-Ökosystem für Onlineshop-Betreiber und Käufer aufgebaut. Amazon vertreibt nicht nur eigene Produkte, sondern gibt auch Hunderttausenden von Shop- und Kleinst-Shop-Betreibern die Möglichkeit, auf der Amazon-Plattform Produkte zum Verkauf anzubieten. Gleiches Prinzip: Das Unternehmen erweitert das eigene Produktangebot signifikant und nimmt dafür Provisionen. Bei beiden Unternehmen funktionieren die Ökosystem-Strategien nur, weil sie entsprechende eigene technische Internet-Plattformen geschaffen haben, die derartige massenhafte Produkt- und Vertriebspartnerschaften sehr kostengünstig ermöglichen.

Geringe Kosten, große Auswahl

Diese Prinzipien – geringe Wertschöpfungstiefe und technisch getriebene, massenhafte Produkt- und Vertriebspartnerschaften – haben die ersten Fintech-Banken inzwischen erkannt und richten ihre Geschäftsstrategie entsprechend danach aus. Ein erster Vertreter ist die Münchner Fidor Bank mit ihrer "fidorOS"-Plattform. Sie wurde mit der Idee des effizienten Aufbaus eines Banking-Ökosystems entwickelt. Herzstück ist eine offene API-Architektur, die es den Partnern des Online-Geldhauses ermöglicht, in sehr kurzer Zeit und zu geringen Kosten dessen Produktpalette zu integrieren. So sind beispielsweise die deutsche Bitcoin-Plattform Bitcoin.de, der Kreditmarktplatz SMAVA.de, die Crowdfinance-Plattform kapilendo.de, die Währungsplattform Currencycloud.com und die Edelmetall-Plattform goldmoney.com Teil der innovativen Services für Kunden der Bank. Eine gewinnbringende Situation für alle Beteiligten. Während bei traditionellen Banken und Sparkassen derartige Integrationen viele Monate und meist Millionen von Euro verschlingen, braucht eine Integration der Plattform dafür nur einen kleinen Bruchteil an Zeit und Geld.

Software-Module schnell integrieren

Die 2016 gegründete Berliner Solaris Bank treibt diese Strategie noch einen Schritt weiter. Partner der Bank können per API-Anbindung beispielsweise Sofortkredit-Module oder innovative Services wie Video-Ident-Verfahren einfach integrieren. Ohne eigenen Privat- oder Firmenkundenzugang ist die Solaris Bank zurzeit ein reiner B2B- Anbieter und kreiert ein technologisches und regulatorisch einwandfreies Banking-Ökosystem für Fintechs, Digitalunternehmen, Banken und Sparkassen.

Fintech-Allianzen treiben digitale Ökosysteme voran

Bei den traditionellen Banken und Sparkassen sind derartige Ökosystem-Strategien bisher noch kaum zu erkennen. Allerdings kooperieren viele Institute bereits mit Figo, einem Fintech, das auf die Anbindung diverser Bankservices via API-Implementierungen spezialisiert ist. Damit schlägt das Start-up praktisch die Brücke zwischen neuen, innovativen Finanzservices und den traditionellen Geldinstituten. Und mit der PSD2, insbesondere den Regelungen zu "Access to account", werden alle europäischen Banken und Sparkassen von den Regulatoren gezwungen einen einfachen, technischen Zugang zu den Kontodaten ihrer Kunden zu geben. Das wird das Erwachen der Banking-Ökosysteme höchst wahrscheinlich beschleunigen. Insbesondere dann, wenn große Social Media oder E-Commerce Player, wie Facebook, Apple oder Amazon, das Banking als weiteren Geschäftszweig für sich entdecken.

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