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11.06.2019 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Digital orientierte Banken arbeiten rentabler

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Vielen großen europäischen Geldhäusern gelang es nach der Finanzkrise nicht, ihre operativen Erträge nachhaltig zu steigern, noch ihre Kostenbasis ausreichend zu entlasten. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle "European Banking Study 2019".

Die Strategieberatung Zeb hat in der sechsten Auflage ihrer europäischen Bankenstudie herausgefunden, dass die 50 untersuchten Top-Institute 2018 lediglich ein leichtes Gewinnplus erzielten. Die Geldhäuser belastet neben dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld und wachsenden Regulationskosten auch der härter werdende Wettbewerb, der durch Nicht-Banken befeuert wird. Zwar haben laut Analyse die Geldhäuser ihre Eigenkapitalrenditen nach Steuern in Summe von 6,6 Prozent (2017) auf 7,2 Prozent (2018) anheben können. Doch liege die Rentabilität insgesamt unter den Anforderungen des Kapitalmarkts.

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2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Digitalisierung im Bankensektor – Notwendigkeit von neuen kundenzentrierten Geschäftsmodellen

Die Digitalisierung im Bankensektor ist nicht nur ein anhaltender Trend, sondern stellt auch den Großteil der Institute vor eine signifikante Herausforderung. Neben dem wachsenden Druck zur Erfüllung der Regulatorik, damit steigenden Kosten und rückläufigen Erträgen verschärfen die Anforderungen der Digitalisierung die schwierige Lage der Banken. 


Ertragslage fundamental verbessern

"Europäische Banken haben ihre Kapitalisierung und Liquidität in den letzten Jahren signifikant verbessert. Kernproblem bleibt aber nach wie vor die viel zu geringe Rentabilität", erklärt Dirk Holländer, Mitautor der Studie und Partner bei Zeb. Ihm zufolge seien reine Kostensenkungen keine geeignete Lösung. "Vielmehr muss es auch gelingen, die Ertragssituation fundamental zu verbessern. Nur auf einen Fortbestand der aktuell sehr günstigen ökonomischen Rahmenbedingungen oder steigende Zinsen zu hoffen, könnte sich als Wunschdenken herausstellen."

Und die Lage der Geldhäuser werde sich künftig noch weiter verschärfen. Banken müssen mit weiteren neuen Anbietern aus der Fintech-Branche und innovativen, nicht-bankspezifischen Produkten und Services konkurrieren und um Kunden buhlen. Hinzu kommen konjunkturelle Schwächephasen, die zukünftige Regulatorik und weltweite wirtschaftliche Ungewissheiten. "Im wahrscheinlichsten Szenario werden die Banken 2023 schlechter kapitalisiert und weniger profitabel sein als heute, sofern kein deutlicher Umbau des Geschäftsmodells gelingt", prophezeit die Studie.

Schnelle Digitalisierung bringt Vorteile

Im Vorteil seien solche Institute, die ihre Geschäftsmodelle frühzeitig digitalisiert haben. Ihre Profitabilität habe im Jahr 2018 mit 9,2 Prozent nach Steuern deutlich über dem Durchschnitt der größten Kreditinstitute Europas gelegen. Zudem lag die Kapitalmarktperformance dieser sogenannten Pioniere ebenfalls deutlich über dem Schnitt der untersuchten Mitbewerber. Das Rennen machen dabei zumeist sehr privatkundenfokussierte Banken. Weniger stark seien dagegen universal aufgestellte Geldhäuser. 

Dennoch ist die Digitalisierung für die Institute eine große Herausforderung, wie Alwin Bathija und Thomas Kümpel im Buchkapitel "Digitalisierung im Bankensektor – Notwendigkeit von neuen kundenzentrierten Geschäftsmodellen" feststellen.

Neben dem wachsenden Druck zur Erfüllung der Regulatorik, damit steigenden Kosten und rückläufigen Erträgen verschärfen die Anforderungen der Digitalisierung die schwierige Lage der Banken. Nicht nur die Erforderlichkeit, das Thema Digitalisierung für das eigene Institut zu betrachten, sondern das ständige Aufkommen disruptiver Technologien setzt Banken massiv unter Zugzwang, um relevante Marktanteile zu behalten", schreiben die Springer-Autoren auf Seite 200.

Kundenerwartungen ändern sich

Hinzu komme laut Bathija und Kümpel, dass die Kundenloyalität aufgrund der zunehmenden Turbulenzen an den Finanzmärkten, aber auch infolge fehlenden Vertrauens sowie der hohen Preissensibilität schwinde und zu weiter rückläufigen Erträgen führe. "Die grundlegenden Bedürfnisse der Kunden – beispielsweise ein Konto in einer sicheren Umgebung zu führen, den notwendigen Zahlungsverkehr durchzuführen oder Geld zu sparen – haben sich nicht verändert. Die Ansprüche der Kunden hinsichtlich der Interaktion mit der Bank jedoch haben sich gewandelt", so die Autoren.

Die Lösung könnte laut Studien-Experten in der möglichst raschen Übernahme disruptiver Technologien liegen. "Unsere Studie zeigt, dass Banken, die früh und konsequent ihre Geschäftsmodelle und Prozesse digitalisiert haben, in allen relevanten Kennzahlen heute deutlich besser abschneiden als ihre Wettbewerber", erläutert Studien-Autor Florian Forst, Partner bei Zeb. "Diese digitalen Vorreiter haben das Thema Digitalisierung frühzeitig in den strategischen Fokus gestellt und entsprechende Maßnahmen konsequent umgesetzt. Sie beschreiten damit einen Weg, der zeigt, wie Europas Banken trotz eines harten Wettbewerbs auch in Zukunft erfolgreich am Markt agieren können."

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