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02.04.2020 | Bankstrategie | Nachricht | Onlineartikel

Apobank-Kunden brauchen wegen Corona mehr Beratung

Autor:
Stefanie Hüthig
3 Min. Lesedauer

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank kennt beides, Kunden, die von der Krise profitieren, während andere Einbußen zu verzeichnen haben. Den Jahresüberschuss nach Steuern will das Institut 2020 auf dem Niveau von 2019 halten, trotz Sonderbelastungen.

Viele Kunden der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) wünschen in Zeiten von Corona eine physische Beratung. Dies überrascht Ulrich Sommer, Vorstandsvorsitzender des Instituts, wie er bei der Präsentation der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr per Videokonferenz zugab. Aufgrund der Tätigkeit seiner Kunden im Gesundheitswesen rechnete der Apobank-Chef mit einer Verlagerung der Beratung auf andere Kanäle, zum Beispiel das Telefon. Diese Überlegung sollte sich nicht bestätigen. Fragen zum Weiterbetrieb einer Praxis seien offenbar sehr intim und ließen das Gefühl entstehen, dass ein Filialbesuch nötig sei, vermutet Sommer.

Wie der Bankvorstand arbeiten auch die Berater im Split-Modus. Die Mitarbeiter einer Filiale werden in verschiedene Teams aufgeteilt und sind räumlich getrennt tätig, ob auf verschiedenen Stockwerken oder im wöchentlichen Wechsel zwischen Büro und Homeoffice. Insgesamt stellt die Apobank eine hohe Inanspruchnahme der Beratung und der Corona-Hilfen fest.

Zuversichtlich trotz Krise

Das Institut hat zum Beispiel, proaktiv, wie Sommer betont, seine Kreditlinien für niedergelassene Ärzte massiv erhöht. "Nie war das Engagement so wichtig wie heute", sagt er und zeigt sich für sein Institut trotz Krise zuversichtlich, da es als "Bank der Gesundheit" ein funktionierendes Geschäftsmodell habe. Die Auswirkungen der Pandemie seien für die Apobank-Kunden je nach Fachrichtung sehr unterschiedlich. Apotheken und Allgemeinmediziner könnten sogar wirtschaftlich profitieren, während etwa Zahn- und Augenärzte temporäre Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, weil Patienten nicht akut notwendige Behandlungen wie das Lasern bei Sehschwäche fürs Erste absagen.

2019 erzielte die Apobank einen Jahresüberschuss von 64,1 Millionen Euro, 2018 waren es noch 62,9. Das Betriebsergebnis stieg von 113,4 auf 117,1 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr. Dem Institut gelang sogar das Kunststück, sowohl im Provisionsgeschäft als auch beim Zinsüberschuss zu wachsen. "Auch 2019 haben wir das Gros unserer Erträge mit dem Kreditgeschäft erzielt", nennt Sommers Stellvertreter Thomas Siekmann den Grund. 7,6 Milliarden Euro lieh das Geldhaus im vergangenen Jahr neu aus. Auf Verwahrgebühren für Einlagen von Privatkunden will die Apobank weiterhin verzichten, überprüft diese Entscheidung aber regelmäßig.

IT-Migration steht vor dem Abschluss

Die harte Kernkapitalquote sank auf 15,2 Prozent, 2018 lag sie noch bei 16,7 Prozent. Die Verwaltungskosten legten um 15 Prozent zu, erwartungsgemäß, wie die Institutsverantwortlichen unterstreichen. Die für den Anstieg verantwortliche IT-Migration soll Mitte 2020 abgeschlossen sein und werde auch dieses Jahr einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag kosten.

Für ein Aufhorchen sorgt die Apobank mit ihrem Vorhaben, Dividende an ihre Mitglieder zu zahlen, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) die Kreditinstitute aufgefordert hat, Ausschüttungen sorgfältig abzuwägen. Außerdem müssen die Geldhäuser die Zahlungen bis mindestens Oktober 2020 zurückhalten. Grundsätzlich sei die Bank angesichts ihres Ergebnisses in der Lage, eine Dividende von vier Prozent auszuschütten, so Sommer. Wegen der Krise würden den Gremien nun zwei Prozent vorgeschlagen, was einer Summe von 24 Millionen Euro entspreche. 

Anders als Aktionäre, die mit möglichen Kursgewinnen eine zweite Quelle für Einkünfte bei ihrem Investment haben, bliebe Mitgliedern von Genossenschaften schließlich nur die Möglichkeit, von einer Dividende zu profitieren. Mit dem eingesparten Teil der Ausschüttung will sich die Apobank für die Anforderungen stärken, die an sie als Standesbank der Gesundheitsberufe in den kommenden Jahren gestellt werden.

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